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Solingen: Gewerbe in die Stadt, nicht auf die Wiese

Solingen : Gewerbe in die Stadt, nicht auf die Wiese

Wirtschaftsförderung: Grüne blicken weg von der Flächenerweiterung hin zu Landwirtschaft und Dienstleistung.

Die von Oberbürgermeister Norbert Feith angekündigte Imagekampagne zur Wirtschaftsförderung bewerten die Grünen kritisch: "Imagekampagnen haben bisher nichts gebracht und sind bereits in den 80er Jahren gescheitert", sagt Grünen-Fraktionschef Manfred Krause gestern beim Pressetermin. Unter nachhaltiger Wirtschaftspolitik verstehen die Solinger Grünen was völlig anderes: Die städtische Wirtschaftsförderung, so lautet der Tenor, kümmere sich viel zu sehr um möglichst großflächige Gewerbeansiedlungen und lasse dabei kleinere innerstädtische Brachen außer Acht, ebenso die Sektoren Dienstleistung und Landwirtschaft.

Nicht von ungefähr hatten die Grünen einen Ortstermin gestern bei Bauer Ischebeck. Der hat seinen Hof an der Backesheide, mitten im geplanten Gewerbegebiet Fürkeltrath II im Ittertal. Der Bauer will nicht weichen. Die Grünen unterstützen ihn. "Fürkeltrath II ist schon in den Planungsprozess gegeben worden, ohne dass die Grundlagen dafür überhaupt vorhanden sind", sagt Ratsherr Dietmar Gaida von den Grünen. Das Ergebnis eines in Auftrag gegebenen Gutachtens zur ökologischen Bewertung des Ittertals stehe noch aus. Fürkeltrath II, Buschfeld, Keusenhof - die Weiterentwicklung von Gewerbeansiedlung im Ittertal lehnen die Grünen aus Gründen des Klima- und Naturschutzes weiterhin ab. Stattdessen solle sich die Wirtschaftsförderung stärker auf die Entwicklung bereits vorhandener Gewerbegebiete sowie auf innerstädtische Brachen konzentrieren, empfiehlt Gaida und nennt Beispiele: Opel Noll in Höhscheid sei einem Discounter gewichen, ebenso wie das Gewerbeareal an der Schützenstraße. Der Brauerei Beckmann soll ein Seniorenheim folgen. An der Dönhoffstraße entsteht eine Kita. "Da ist immer das Interesse des Eigentümers maßgeblich", sagt Gaida. Die Stadt zeige offenbar kein Interesse, innerstädtische Gewerbegebiete zu erhalten.

Die städtische Wirtschaftsförderung in ihrer derzeitigen Form sei nicht nur kostspielig, sondern setze auch die falschen Prioritäten, ist Ratsherr Frank Knoche, der die Grünen im Aufsichtsrat der Wirtschaftsförderung vertritt, überzeugt und spricht von einem "Systemfehler": "Wenn ich nur städtische Flächen vermarkte, habe ich keinen Blick für die übrigen."

Statt sich einseitig auf industrielle Flächenentwicklung zu konzentrieren, solle die Stadt auch andere Sektoren stärker in den Blick nehmen, argumentieren die Grünen und nennen Beispiele. Durch die Weiterentwicklung von Gewerbegebieten im Ittertal würden dort bestehende und anliegende Bauernhöfe verdrängt, sagt Ratsfrau Martina Zsack-Möllmann. "Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt, und Arbeitsplätze bei Bauern und Bäckern sind gleich viel wert wie solche in der Industrie." Zur städtischen Wirtschaftsförderung gehörten jedenfalls auch Konzepte für Einzelhandel und Dienstleistungsunternehmen. Als Beispiel nennt Zsack-Möllmann etwa die gelungene Ansiedlung einer Arztpraxis im Südpark.

(RP)