Gewaltkriminalität nimmt weiter zu

Solingen : Gewaltkriminalität nimmt weiter zu

Zuwachs um 12,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Aber auch die Aufklärungsquote der Polizei steigt.

Die Entwicklung der Kriminalität in Solingen ist in den letzten sieben Jahren - zum größten Teil sogar entgegen der Entwicklung in Nordrhein-Westfalen - stetig zurückgegangen. Im vergangenen Jahr sank die Zahl der angezeigten Straftaten auf Solinger Stadtgebiet sogar um fast elf Prozent - ein Ausnahmewert. 1182 Straftaten weniger als 2016 bedeuteten einen Rückgang auf 9962 Delikte. Doch diese erfreuliche Tendenz aus Sicht der Strafverfolgungsbehörden täuscht nicht darüber hinweg, dass es Bereiche gibt, die auch in Solingen auf hohem Niveau angesiedelt sind. Und mehr noch: Vor allem die Gewaltkriminalität nimmt seit sieben Jahren in der Klingenstadt stetig zu.

428 Gewaltdelikte wurden 2017 registriert. Das sind 12,3 Prozent oder 47 Fälle mehr als noch im Jahr davor. Und gegenüber dem Jahr 2012 liegt die Steigerungsrate sogar bei fast 25 Prozent.

Zur Gewaltkriminalität zählen Tötungsdelikte, Vergewaltigung, Raub, Geiselnahme, gefährliche und schwere Körperverletzung und Körperverletzung mit Todesfolge. Die Aufklärungsquote konnte bei diesen Gewaltdelikten hingegen erneut gesteigert werden: Sie lag 2017 bei 78 Prozent. Damit wurden mehr als drei von vier Fällen geklärt.

Vier Straftaten gegen das Leben hatte die Kripo in Solingen im vergangenen Jahr zu bearbeiten. Besonders erfreulich: Es gab keinen Mordfall und auch keinen vollendeten Totschlag. Jedoch wurden drei Fälle von versuchtem Totschlag wie die Messerattacke unter Jugendlichen in der Parkanlage am Maltesergrund sowie eine fahrlässige Tötung bei einem Motorradunfall auf der Schützenstraße bearbeitet.

Der Raub unterscheidet sich vom Diebstahl darin, dass bei der Tatausführung Gewalt angewendet wird. Dies war in Solingen im vergangenen Jahr 120-mal der Fall, was eine Zunahme um 16,5 Prozent ausmacht. Und das ist die höchste Zahl an Raubdelikten, die jemals in Solingen registriert wurde.

65-mal kam es zum Straßenraub (+ 12,3 Prozent): Dabei wurden 44 Solinger auf offener Straße Opfer, darunter knapp zwei Dutzend Senioren. Dreimal wurden Geschäfte überfallen, einmal ein Autofahrer, zwei Handtaschenraube wurden registriert, und 15-mal fand ein Raub in Wohnungen statt, was eine Zunahme von fast 67 Prozent gegenüber dem Vorjahr ausmacht. Ferner wurden 30 Fälle von räuberischem Diebstahl registriert. Bei den Raubdelikten lag die Aufklärungsquote bei 60,8 Prozent.

Bei den Körperverletzungsdelikten wurde 2017 zum fünften Mal in Folge - wenn auch knapp - die 1000er-Schallmauer durchbrochen. Mit 1013 angezeigten Fällen lag die Zahl mit 2,1 Prozent nur minimal niedriger als noch 2016. Hingegen lag die Zahl der schweren Körperverletzungen mit 282 Fällen deutlich höher als in den sechs Vorjahren. Es wird also brutaler zugeschlagen oder -getreten. 143-mal kam es auf Solinger Straßen und öffentlichen Plätzen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.

Nahezu jeden Tag einmal wurde die Polizei 2017 zu handfesten familiären Streitigkeiten gerufen: 346 Strafanzeigen wurden 2017 erstattet, 50 weniger als im Vorjahr. 258-mal ist es im häuslichen Bereich zu Körperverletzungen gekommen, 34-mal wurden Ehepartner bedroht, dazu gab es 22 Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs. Die Anzahl der Wohnungsverweisungen, wobei der Täter oder die Täterin zum Schutz des Opfers für zehn Tage aus der Wohnung verwiesen wurde, reduzierte sich im vergangenen Jahr von 232 auf 155 Fälle.

(RP)