1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen

Gesucht: Neue Verkehrsideen für die Solinger Innenstadt

Mobilitätskonzept für Solingen : Das Doppelproblem der Innenstadt

Die Solinger City leidet unter den Fehlern der Vergangenheit. Dabei könnten aber gerade Versäumnisse von früher (wie nicht vorhandene Umgehungsstraßen) die Basis für einen Neuanfang sein. Die Planer müssen aus der aktuellen Not eine Tugend der Zukunft gestalten.

Auf den ersten Blick erscheint die Solinger Innenstadt wie eines von vielen Zentren landauf, landab in NRW. Innerhalb einer relativ kleinen Fläche in der Stadtmitte reihen sich Geschäfte aneinander, es gibt einen großen Platz – und noch dazu eine langgezogene Fußgängerzone, die mit ihren Häusern aus der Nachkriegszeit zugegebenermaßen allerdings schon bessere Tage gesehen hat.

Ein flüchtiger Betrachter könnte also durchaus zu dem Eindruck gelangen, dass die City wenn schon nicht schön, so doch zumindest mehr oder weniger funktional ist. Was indes einem Trugschluss gleichkäme. Denn tatsächlich entsprechen sowohl die Innenstadt, als auch ihre verkehrstechnische Erschließung schon seit längerer Zeit nicht mehr den Anforderungen, die heutzutage nun einmal an ein modernes Erlebnis- und Einkaufszentrum gestellt werden.

Womit die Verantwortlichen bei der Umgestaltung der Solinger Stadtmitte gleich vor einem doppelten Problem stehen. Zum einen verfügt die City nämlich über zu viele Verkaufsflächen, so dass es im Rahmen des Konzepts „City 2030“ darum gehen wird, Handelsbereiche zu Wohnquartieren umzugestalten. Zum anderen muss aber auch dafür gesorgt werden, dass die Innenstadt selbst in ihrer zukünftigen, handelstechnisch abgespeckten Form gut erreichbar bleibt.

Was wiederum dazu zwingen dürfte, die Verkehrswege gerade für Autos ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen. So ist beispielsweise auffallend, dass einige wichtige Achsen mitten durch die City führen. Dabei folgt dies durchaus einer gewissen Logik. Denn während andere Städte mit vergleichbaren, zentral gelegenen Innenstadt-Räumen irgendwann einmal sozusagen Umgehungs-Schneisen rund um ihre Citys schlugen, geschah dies in Solingen in einem viel geringeren Umfang.

So erinnert bei Lichte betrachtet eigentlich nur die Goerdelerstraße östlich der Innenstadt an eine solche Umgehungsstraße. Eine Westtangente, selbst in ihrer „Light“-Variante, blieb hingegen sprichwörtlich auf der Strecke.

Ein Umstand, der gewiss Vorteile hat. Schließlich wurden so gewachsene städtische Strukturen sowie Natur geschont. Indes muss Solingen heute auch mit den Nachteilen leben. Denn ohne die Umgehungsstraßen sucht sich der Individualverkehr nun seine Wege eben auf engen Straßen, die dafür überhaupt nicht ausgelegt sind.

Problematisch erscheint hierbei hauptsächlich die Gegend zwischen Dickenbusch und Neumarkt. Friedrichstraße, Peter-Knecht-Straße, Bergstraße und Kasernenstraße sind aufgrund ihrer Beschaffenheit einfach nicht in der Lage, den durch die City rollenden Verkehr zu bewältigen.

Demzufolge muss es jetzt darum gehen, im Schatten des Sparkassen-Neubaus eine Neuorganisation des gesamten innerstädtischen Verkehrs hinzubekommen. Es muss gelingen, die Verkehrsströme zu kanalisieren und zu Orten zu leiten, an denen die verschiedenen Systeme Auto, ÖPNV und Fußgänger aufeinandertreffen. Das sind nach Stand der Dinge die Parkhäuser sowie die Garage im neuen Sparkassenbau. Gut erreichbar für Autos ist Letztgenannte aber nur mit einer leistungsfähigen Zufahrt. Dafür könnte zum Beispiel der geplante Doppelkreisel am Dickenbusch mitsorgen.

Die City leidet unter den Fehlern der Vergangenheit. Dabei könnten gerade jene Versäumnisse – man denke an die nicht vorhandenen Umgehungsstraßen – aber tatsächlich die Basis für einen Neuanfang sein. Die Planer müssen aus der Not eine Tugend gestalten.