68. Internationale Bergische Kunstausstellung: Gesampelte Bildwelten - bizarre Geschichten

68. Internationale Bergische Kunstausstellung: Gesampelte Bildwelten - bizarre Geschichten

Die diesjährige Internationale Bergische Kunstausstellung im Solinger Kunstmuseum überrascht mit dem Schwerpunkt Fotografie.

"Struppige und geisterhafte Szenerien" einer Architektur zwischen schnellem Entstehen und genauso schnellem Zerfall hätte er bei seinen Reisen in den asiatischen Großstädten Chongqing, Chengdu und Seoul erlebt, erzählt Stefan Ettlinger. Dokumentiert hat der Künstler seine Eindrücke in den Städten in vielen Fotos, die nach seiner Rückkehr nach Düsseldorf die Grundlage für seine Serie "A Sichuan Ghost Story" bildeten. 71 Bildtafeln hat Ettlinger zu einem, wie er es selber beschreibt, "Bildroman ohne richtige Geschichte" zusammengestellt.

Sonja Heimann zeigt in der Bergischen Skulpturen. Foto: Kempner, Martin (mak)

Jede der weiß grundierten MDF-Platten hat Ettlinger in mehrere Einzelbilder unterteilt, die so an die Erzählstruktur eines Comics erinnern. "So entdeckt der Betrachter viele kleine Szenen, die nicht in direkter Beziehung zueinander stehen und dadurch rätselhaft und spannend erscheinen", beschreibt Gisela Elbracht-Iglhaut. Die stellvertretende Leiterin des Solinger Kunstmuseum gehörte zur sechsköpfigen Jury, die Ettlinger für "A Sichuan Ghost Story" den Bergischen Kunstpreis der National-Bank (3500 Euro) verliehen hat. "Alles ist möglich in der gesampelten Bildwelten voller bizarrer Geschichten", so Elbracht-Iglhaut. Ein wenig Zeit sollte der Besucher allerdings mitbringen, um sich in den faszinierenden Bildroman "einzulesen".

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Elbracht-Iglhaut hat die Hängung der Werke und Platzierung der Skulpturen auch in diesem Jahr wieder in Abstimmung mit den beteiligten Künstlern vorgenommen. Wobei die Kuratorin durch ihren Vorschläge an die Künstler gezielt den Aspekt der Heterogenität der Ausstellung betont, die bekanntlich unter keinem Motto oder Thema steht. So wirken die drei Skulpturen von Sonja Heimann, die vor den Bilderroman Ettlingers platziert sind, auch nur auf den ersten Blick wie Fremdkörper - dann eröffnen die Material-Mikrokosmen, in denen sich unterschiedlichste Dinge des Alltags begegnen, ebenfalls spannende Assoziationsräume. Die Präsentation der Skulpturen Heimanns mit den Bildern Ettlingers und den Inkjetprints von Hannah Melnik - auf der gegenüberliegenden Saalwand - machen also schon zu Beginn der Ausstellung deutlich, worum es Elbracht-Iglhaut geht: durch Konfrontation der Werke bewusst Brüche hervorrufen, die zu nachvollziehbaren Dialogen der Arbeiten untereinander führen.

Anders als in den vergangenen Jahren hat die Jury bei ihrer Auswahl einen Schwerpunkt gelegt: Fotografie. Dies wäre eher unbewusst geschehen, erzählt Elbracht-Iglhaut. Für welch unterschiedliche Bildsprachen die Künstler das Medium heute nutzen, zeigen - stellvertretend - Talisa Lallai, die in ihrer Installation auf Flohmärkten gefundenes Bildmaterial nutzt, Robert Pufleb mit seinen skurrilen Objektkonstellationen, oder auch Martin Zellerhoff, dessen konzeptioneller Ansatz die Bedeutung von Bildern nicht nur für das Sehen, sondern auch für das eigene Denken thematisiert. Alle fotografischen Positionen lösen zusammen mit den gezeigten Skulpturen, Installationen und Leinwandarbeiten den Anspruch ein, den nicht nur Elbracht-Iglhaut an jede Bergische stellt: einen spannenden Einblick zu geben in das vielfältige Kunstschaffen der Region.

(mit)
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