Solingen: Gemischte Gefühle in Wald

Solingen : Gemischte Gefühle in Wald

Bei einer Bürgerversammlung zum Thema "Liebenswertes Wald oder Stadtteil im Sterben?" nahmen auf Einladung des Walder Werberings Mitglieder des Stadtrates und der Verwaltung Stellung zu Problemen des Stadtteils.

Zwei Stunden dauerte die Versammlung bereits an, da ergriffen einige der über 200 erschienen Bürger energisch das Wort im Walder Stadtsaal. "Wenn man spart, dann in Wald", machte Guido Rohn seinem Unmut Luft. Es könne doch nicht sein, dass man im Umkreis von rund einem Kilometer um die Innenstadt mit Nordstadtbüro, Rathaus, Bürgerbüro und dem Bürgerbüro Gasstraße vier Anlaufpunkte für Bürger habe, in Wald dagegen überhaupt keinen, sagte der Vorsitzende des Förderkreises Jahnkampfbahn.

Vielen Anwesenden sprach er offensichtlich aus der Seele, als er die Schieflage in der Finanzierung von öffentlichen Einrichtungen anprangerte. Es könne doch nicht sein, dass in Wald Bürgerinitiativen Bäder und andere Sportstätten aufrecht erhalten müssten, während in anderen Stadtteilen die Verwaltung dafür aufkomme. Damit hatte Rohn einige zentrale Aspekte des Abends angesprochen und den Ball wieder zu Politik und Verwaltung zurück gespielt.

Kein Signal für Bürgerbüro

Deren Vertreter mussten sich in mehreren Fragerunden zu Kernanliegen der Walder äußern. Durch die Veranstaltung, die der Werbering initiiert hatte, führten Peter Wirtz, Leiter der Friedrich-Albert-Lange-Gesamtschule, und Pfarrer Bernd Reinzhagen. Eine gute Nachricht konnte Alexander Linder, Schulpflegschaftsvorsitzender der Grundschule Am Rosenkamp, mit nach Hause nehmen. Bis Sommer 2013 werde über den Abriss von Pavillons keine Entscheidung getroffen, versicherte Stadtdirektor Hartmut Hoferichter.

Keine eindeutigen Signale gab es dagegen im Hinblick auf die Forderung vieler Einwohner, das aus finanziellen Gründen geschlossene Bürgerbüro wieder zu eröffnen. Rainer Franke vom Walder Werbering berichtete von Gesprächen mit der Ohligser Werbegemeinschaft über eine stadtteilübergreifende Lösung. Demnach könnte das Bürgerbüro für drei Tage in Ohligs und zwei Tage in Wald geöffnet sein. Andreas Heibach als Inhaber des Walder Stadtsaals habe sich zudem bereiterklärt, die Räume für das Bürgerbüro mietfrei zur Verfügung zu stellen.

Insbesondere der Landtagsabgeordnete Josef Neumann (SPD) und der CDU-Fraktionschef Bernd Krebs (CDU) äußerten sich jedoch eher skeptisch zu dem Vorschlag und verwiesen auf die Kosten. Man müsse gründliche Rechnungen anstellen, sagte auch Hartmut Hoferichter und betonte: "Wir sollten nicht einfach etwas versuchen – zum Beispiel ein abgespecktes Angebot – und dann hinterher feststellen, dass es sich nicht lohnt."

Bürgerschaftliches Engagement ist in Wald weiterhin gefragt – so auch bei der Bekämpfung von Leerständen. Drei Eigentümer hatten signalisiert, ihre Ladenlokale für ein Jahr mietfrei zu lassen, wenn jemand mit guten Ideen an sie herantrete.

Felix Henningsen und Milena Munsch vom Kulturverein Waldmeister sprachen auf der Versammlung über ihre Ziele, Ladenlokale zu bespielen. Hartmut Hoferichter bekundete sofort den Willen, Gespräche darüber führen zu wollen.

(ied)
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