1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen

Solingen: Gemeinschaftsschule auf Eis

Solingen : Gemeinschaftsschule auf Eis

Die beiden Hauptschulen Central und Höhscheid wollen zu Gemeinschaftsschulen werden, um sich bessere Zukunftschancen zu eröffnen. Doch das Projekt ist jetzt erst einmal ausgebremst.

Für die Hauptschule stellt sich die Existenzfrage: Ohligs und Krahenhöhe haben in diesem Jahr schon keine neuen Fünftklässler mehr aufgenommen. Damit bleiben nur noch zwei im Bunde: Höhscheid und Central. Um sich bessere Zukunftschancen zu eröffnen, haben diese beiden Hauptschulen sich im Frühjahr auf den Weg gemacht in Richtung Gemeinschaftsschule, die als kleine Schwester der Gesamtschule gilt.

"Der Wunsch ist da", berichtete die Höhscheider Hauptschulrektorin Ute Intveen gestern unserer Zeitung. Lehrer haben sich in Arbeitsgruppen zusammengesetzt und ein Konzept erarbeitet. Idee ist, dass sich beide Hauptschulen sogar gemeinsam zur Gemeinschaftsschule zusammenschließen könnten.

Hinter verschlossen Türen

Doch das Vorhaben der beiden Hauptschulen ist jetzt erst einmal ausgebremst. Das ist bei der Spitzen-Gesprächsrunde mit der Schulverwaltung, den schulpolitischen Sprechern der Fraktionen im Stadtrat sowie dem Sprecherrat der Rektoren nun deutlich geworden. Der Kreis hat sich in dieser Woche zum zweiten Mal hinter verschlossen Türen getroffen.

Entstanden ist er auf Druck der Gestaltungsmehrheit aus SPD, Grünen, BfS und den Linken, um endlich dem Elternwillen zu entsprechen und die vierte Gesamtschule beziehungsweise die Gemeinschaftsschule zu ermöglichen. Schon bei den kommenden Anmeldungen Anfang nächsten Jahres sollte dies Eltern von Grundschülern aus den vierten Klassen eigentlich als Option angeboten werden.

Doch davon ist nun so konkret in der schulpolitischen Spitzen-Gesprächsrunde, die sich Anfang Juli wieder treffen will, keine Rede mehr gewesen. Hintergrund ist auch das Oberverwaltungsgerichtsurteil zur Gemeinschaftsschule im sauerländischen Finnentrop. Tenor: Diese neue Schule ist kein Schulversuch mehr, weil in NRW schon zu viele daran teilnehmen.

Dem Vernehmen nach wollen Schulverwaltung, die Rektoren im Sprecherrat sowie die Schulpolitiker jetzt erst einmal abwarten, wie das Schulministerium mit Ministerin Sylvia Löhrmann reagiert in puncto Gemeinschaftsschule. In Solingen will man aber offenbar ein Projekt mit dem Ministerium für eine neue Schule beziehungsweise neue Schulform starten, den Begriff Gemeinschaftsschule will man dabei allerdings nicht mehr verwenden.

Gerd Schlupp von den Linken ist davon jedoch höchst irritiert. Denn er vermutet die Verhinderungsstrategie einer Gemeinschaftsschule, in dem man ein Gegenmodell entwirft. Schlupp hält es in einer Presserklärung jedenfalls nicht mehr für ausgeschlossen, "dass es den ausgewiesenen Gegnern einer neuen Gemeinschaftsschule, zu denen ich neben CDU und FDP auch andere zähle, doch noch gelingen könnte, sich in letzter Minute durchzusetzen".

Schlupp soll den politischen Partnern der Gestaltungsmehrheit sogar damit gedroht haben, die schulpolitische Zusammenarbeit aufzukündigen, falls sie sich von der Gemeinschaftsschule verabschieden sollten.

Martina Zsack-Möllmann (Grüne) betonte auf Anfrage, dass man sich davon keineswegs verabschieden wolle. "Die Zeit solle aber genutzt werden, Modelle zu entwickeln, die von den Eltern angenommen und die Bildungslandschaft in Solingen weiterbringen." Ende des Jahres dürften diese nach ihren Worten auf dem Tisch liegen.

Für Nicole Molinari (CDU) hat das Modell der Gemeinschaftsschule in der bisherigen Form keine Aussichten mehr. Die beiden Hauptschulen Central und Höhscheid haben nach ihren Worten viel Arbeit in das Projekt Gemeinschaftsschule investiert. Es sei bedauerlich, dass das jetzt erst einmal auf Eis gelegt sei, sagt sie.

Unterdessen begrüßt Landtagsabgeordnete Iris Preuß-Buchholz den Schwenk der NRW-CDU in der Schulpolitik: "Ich freue mich, dass der CDU-Landesvorsitzende Norbert Röttgen endlich über den konservativen Schatten springt." Das klassische Schulsystem sei an seine Grenzen gestoßen. "Wir haben zu viele Abbrecher und zu wenig Aufstiegschancen mit dem bisherigen dreigliedrigen System, an dem die CDU immer wieder fest gehalten hat."

(RP)