Geister, die man rief

Geister, die man rief

Um es gleich zu Beginn zu sagen: Wer in dem vorliegenden Fall des kleinen Mädchens recht hat, kann von dieser Stelle aus nicht eingeschätzt werden. Doch etwas anderes ist klar: Wir sind weit gekommen, wenn sich irgendwelche Leute im Internet anmaßen, frei jeder Sachkenntnis ein Urteil zu fällen, und Mitarbeiter des Jugendamtes mit Drohungen zu überziehen.

Mal davon abgesehen, dass ein solches Verhalten strafbar ist, stellt sich nämlich die Frage, was die Beamten anderes hätten machen sollen. Selbstverständlich sind sie bei dem leisesten Verdacht, ein völlig wehrloses Kind könnte misshandelt werden, zum Einschreiten verpflichtet. Was denn sonst ? Schließlich geht es im Zweifelsfall um das Leben eines kleinen Mädchens - und das steht ja wohl über allem. Zumal man sich lebhaft vorzustellen vermag, wie die Pöbler reagieren würden, käme ein Baby wegen Nichtstuns der Behörde zu Schaden.

Es zeigt sich immer wieder: Die sozialen Medien können Waffen sein. Das sollte auch die betroffene Familie bedenken, die ihren Fall etwa bei Facebook verbreitet. Dies mag menschlich nachvollziehbar sein, ruft aber (schlichte) Geister auf den Plan, die man nachher nicht mehr los wird.

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martin.oberpriller@solinger-morgenpost.de

(or)