Gegen Einbrecher und radikale Gruppen

Solingen : Gegen Einbrecher und radikale Gruppen

Der neue Polizeipräsident Markus Röhrl stellt sich kurz nach seinem Amtsantritt in Wuppertal der Öffentlichkeit vor.

"Das wird dann wahrscheinlich deine letzte, erfüllende Aufgabe", hatte sich Markus Röhrl gedacht, als er am 1. September 2016 als Direktionsleiter Kriminalitätsbekämpfung im Polizeipräsidium Düsseldorf antrat. Anderthalb Jahre später kam alles anders: Der Innenminister bot dem 56-Jährigen die Stelle als Polizeipräsident in Wuppertal an. "Ich habe ganz spontan ja gesagt", erzählte der gelernte Jurist gestern Nachmittag im Polizeipräsidium.

Die Frage "Was hast du da getan?" habe er sich erst später gestellt. Am Dienstag dieser Woche nahm Röhrl seine Arbeit im Bergischen auf: "Ich bin überzeugt, dass ich ein sehr gut bestelltes Haus übergeben bekommen habe." Deshalb habe er keinen Grund, "das Rad neu zu erfinden". Röhrl: "Wuppertal, Solingen und Remscheid sind keine Hotspots der Kriminalität."

Trotzdem seien etwa Wohnungseinbrüche ein wichtiges Thema. Düsseldorf war eine der Pilotbehörden, die Daten sammelt und wöchentlich neu aufbereitet, um vorbeugend tätig zu werden. Das würde der neue Polizeipräsident auch gerne in Wuppertal tun: "Die Zukunft der kriminalpolizeilichen Arbeit liegt vor allem in der digitalen Welt."

Unter den Nägeln brennt dem gebürtigen Düsseldorfer auch die Belastung seiner Mitarbeiter: "Ich glaube, dass wir im Moment sehr, sehr stark belastet sind. Vor allem unsere Hundertschaften kommen kaum noch aus den Stiefeln heraus. Wir warten sehnsüchtig auf Verstärkung, hetzen von Einsatzort zu Einsatzort." Bei gleichgebliebenem Personal sei die Zahl der Einsätze in Wuppertal um rund 100 pro Tag gestiegen. Geschätzt seien es rund 30 Prozent mehr als vor 15 Jahren.

Abhilfe könnten zusätzliche Regierungsbeschäftigte bringen: Jährlich sollen es rund 500 sein, die technische Untersuchungen wie et-wa die Auswertung von Datenträgern übernehmen können. "Dann können wir die Polizeibeamten wieder stärker an operative Aufgaben heranführen."

Einen Schwerpunkt sieht Röhrl auch bei der politisch motivierten Kriminalität. Man leide nicht nur unter der salafistischen Szene: "Es gibt auch linke oder rechte Gruppen, die ihr Unwesen treiben. Wir werden die Szene sehr intensiv beobachten und auch investieren."

Polizeipräsident für drei eigenständige Großstädte zu sein, sieht der Chef von fast 1700 Mitarbeitern als besondere Herausforderung. Mit drei Oberbürgermeistern zu verhandeln, das habe "eine besondere Qualität". Ordnungspartnerschaften begrüßt er: "Ich bin ein großer Fan davon, dass man zusammenarbeitet" - gerade dann, wenn es nicht um originäre Polizei-Aufgaben geht.

Privat ist dem Familienvater mit einer Tochter und einem Sohn das Bergische nicht fremd: Als er in Langenfeld aufwuchs, besuchte er Spiele der Union in Ohligs, erinnert sich beispielsweise an den Pokalkampf gegen Gladbach: "Das war eine tolle Zeit. In den 80er Jahren waren wir auch regelmäßig in Gräfrath." Inzwischen wohnt die Familie seit gut 20 Jahren in Hennef, wo er sich im Heimatverein engagiert. Nach vielen Jahren als Fußballer spielt Röhrl jetzt Tennis - gerne auch Skat und Doppelkopf.

Von Hennef pendelte er zu seinen Arbeitsstellen in den rheinischen Großstädten. Nach dem Studium war er ein Jahr lang als Rechtsanwalt tätig; dann bewarb er sich als Seiteneinsteiger für den höheren Dienst bei der Polizei. "Ich war einer der Ersten, der diese wieder geschaffene Möglichkeit nutzen konnte." Es folgten Stationen in Köln, Bonn und Düsseldorf. Die Aufgabengebiete lagen im Bereich organisierte Kriminalität, beim Staatsschutz, der internationalen polizeilichen Zusammenarbeit und der Bekämpfung von Cyberkriminalität.

Wie lange wird der neue Polizeipräsident bleiben? Vorgängerin Birgitta Radermacher war seit 2010 im Amt, bevor sie Anfang September 2017 Regierungspräsidentin in Düsseldorf wurde. Röhrl: "Ich gehe davon aus, dass ich deutlich länger als zehn Jahre bleibe."

(RP)
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