Solingen: Gedenkveranstaltung ohne laute Töne

Solingen: Gedenkveranstaltung ohne laute Töne

Zum 25. Jahrestag des Brandanschlags soll es nicht beim Erinnern bleiben, sondern auch der Blick nach vorne gerichtet werden.

"Am Ende sollte ein Schweigen stehen", sagt Oberbürgermeister Tim Kurzbach: Am 29. Mai, 25 Jahre nach dem Brandanschlag auf das Haus der Familie Genç, soll es eine Gedenkveranstaltung ohne laute Töne geben. Der Jahrestag, der diesmal in kleinerem Rahmen als 2013 begangen wird, endet mit einem Mahngang zur Unteren Wernerstraße. Dort kamen Hatice, Hülya und Saime Genç sowie Gürsün Ince und Gülüstan Öztürk ums Leben.

Den Schmerz darüber spürt Mevlüde Genç, Mutter, Großmutter und Tante der Getöteten, jeden Tag. Trotzdem kam sie mit ihrem Ehemann und anderen Familienmitgliedern zur Pressekonferenz ins alte Rathaus, um zu einem friedlichen Zusammenleben aufzurufen. Mevlüde Genç, die seit 46 Jahren in Solingen lebt, sieht sich als Teil des Landes. Ein Satz aus ihrer Rede zum 20. Jahrestag stehe über der Veranstaltung in drei Monaten, erläuterte Pressesprecher Lutz Peters: "Liebe lässt den Menschen leben, aber der Hass bringt den Tod."

Die offizielle Veranstaltung am 29. Mai beginnt mit einem rund einstündigen Gedenken am Mahnmal vor dem Mildred-Scheel-Berufskolleg. Am Abend findet ein "Gebet der Religionen" in der evangelischen Stadtkirche am Fronhof statt, gefolgt von der Verleihung des Zivilcourage-Preises "Silberner Schuh" und einem gemeinsamen Fastenbrechen. Die Gedenkveranstaltung fällt wie im vergangenen Jahr in den muslimischen Fastenmonat Ramadan.

"Es war für uns selbstverständlich einzuladen", erläuterte Superintendentin Ilka Werner. "Sonst werden wir ja immer eingeladen." Die Moschee sei aber sehr eng, während der Bürgersaal in der Stadtkirche viel Platz biete. Weiteren Platz soll es in Zelten auf dem Fronhof geben. "Der Ramadan-Monat ist für uns Muslime sehr wichtig", betonte Ditib-Vorstandsmitglied Keziban Altay. Die gemeinsame Veranstaltung in der Stadtkirche trage zur Integration bei.

  • Fotos : Gedenken an Solinger Brandanschlag - Merkel trifft Mevlüde Genc

Neben Familie Genç, der Stadt, der Ditib-Gemeinde und der Evangelischen Kirche gehört auch das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage zu den Ausrichtern. Dessen Vorsitzender Norbert Schmelzer erinnerte an die Anfänge des Gedenkens durch den Verein SOS Rassismus. "Für viele war es das erste Mal, dass sie sich politisch betätigt haben."

Der Verein organisierte das Gedenken bis 1999. Im folgenden Jahr wurde das Bündnis gegründet. "Wir brauchen immer wieder den Ausblick nach vorn, der uns Mut macht", ergänzte Anne Wehkamp, die Integrationsbeauftrage der Stadt und erwähnte unter anderem das "Fest der Vielfalt" im September. Wehkamp: "Familie Genç leistet Wunderbares". Genießen könne sie ihr Leben aber nicht mehr, erklärte Mevlüde Genç. Der Schmerz weiche nicht, ein Tag sei wie der andere - wie eine Schallplatte, die immer wieder ablaufe. Neben der offiziellen Gedenkveranstaltung wird es weitere geben - so eine des Türkischen Volksvereins im Konzertsaal (23. Mai). Solinger Schüler planen außerdem einen Sternmarsch am 29. Mai.

Die Stadt weist auf weitere drei Aktionen hin: Ab dem Tag des Rassismus (21. März) stellen Preisträger des "Silbernen Schuhs" ihre Anliegen im Internet vor. Ebenfalls auf der Homepage der Stadt beginnt am 13. April die Porträt-Reihe "14 aus 140" über Zugezogene, die in Solingen heimisch wurden. Die rund 140 in der Klingenstadt vertretenen Nationalitäten sind auch Thema einer zehntägigen Plakataktion ab dem 22. Mai.

www.solingen.de

(flm)