Solingen: Geben und Nehmen

Solingen : Geben und Nehmen

Interview Die Solinger-Freiwilligen-Agentur hat seit 2005 über 350 Interessenten beraten und zirka 80 Prozent davon fest vermittelt. Die Vorsitzenden Karl-Willi Bick und Ellen Racké-Lenz setzen auf Zuverlässigkeit und Regelmäßigkeit.

Sind Sie mit der Entwicklung der Freiwilligen-Agentur zufrieden?

Racké-Lenz Ich bin erst seit einem Jahr dabei und bin mit der Entwicklung in dieser Zeit sehr zufrieden.

Bick Wir haben seit der Gründung der Freiwilligen-Agentur im November 2004 durchschnittlich 100 Personen im Jahr informiert und beraten. Für Solingen ist das sicher ein gutes Ergebnis, aber es ist durchaus noch steigerungsfähig.

Welche Arbeits- und Aufgabenfelder vermitteln Sie über die Agentur?

Racké-Lenz Das ist ein sehr breites Feld. Unsere ehrenamtlich Tätigen sind vor allem im sozialen Bereich aktiv, insbesondere in Alten- und Pflegeheimen, aber auch in Kindergärten oder Grundschulen.

Was genau wird da geleistet?

Racké-Lenz In Grundschulen die Hausaufgabenbetreuung, wir vermitteln darüber hinaus Vorlesepaten in Kindergärten beziehungsweise Kindertagesstätten. In den Alten- und Pflegeheimen sind es vor allem Betreuungs- und Besuchsdienste. Was das Pflegepersonal aus Zeitmangel nicht mehr zusätzlich leisten kann, zum Beispiel Hilfe beim Essen, aus der Zeitung vorlesen oder auch die Begleitung von Rollstuhlfahrern zu Aktivitäten oder Therapien, kann von Ehrenamtlichen erfolgen. Zukünftig wird sich der Bedarf auf Unterstützung in diesem Bereich weiter erhöhen.

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Gibt es eine Altersbegrenzung, um sich ehrenamtlich einzusetzen und auf wie viele engagierte Menschen können Sie zurzeit zurückgreifen?

Bick Im Grunde gibt es keine Altersbegrenzung. Wir haben einen 13-Jährigen, der Senioren den Computer näher bringt. Und wir haben einen 82-jährigen pensionierten Lehrer, der Hausaufgabenbetreuung für Kinder anbietet. Hier werden auch viele Migrantenkinder betreut, nicht nur im offenen Ganztag in der Schule, sondern auch in den Quartieren Hasseldelle, Fuhr oder Zietenstraße.

Muss man sich über einen gewissen Zeitraum fest binden?

Bick Wir erwarten natürlich, dass der Einsatz von Lesepaten keine Eintagsfliegen sind. Das macht wenig Sinn, so etwas nur für einen kurzen Zeitraum zu übernehmen. Es kommt beim ehrenamtlichen Engagement grundsätzlich auf Zuverlässigkeit und Regelmäßigkeit an. Das erwarten wir.

Racké-Lenz Darauf machen wir in unseren regelmäßigen Beratungsstunden an jedem ersten Dienstag im Monat im Café Sol an der Bergstraße auch die Interessenten aufmerksam.

Auf wie viele ehrenamtlich Tätige greift die Freiwilligen-Agentur zurück?

Bick Wir führen eine Kartei darüber. Doch wenn wir jemanden vermittelt haben, dann ist für uns zunächst der Fall erledigt, es sei denn, wir bekommen noch einmal eine Rückmeldung. So gesehen wissen wir nicht, wie viele auf Dauer tätig sind. Konkret vermittelt haben wir seit Anfang 2005 jedenfalls knapp 300 Menschen in verschiedene Bereiche.

Wie kommen Angebot und Nachfrage zusammen?

Racké-Lenz Wir sind eine mobile Einheit und mit dem Laptop unterwegs, weil die Freiwilligen-Agentur keine Anlaufstelle hat. Abgesehen von den regelmäßigen offenen Beratungsstunden und zusätzlichen Terminen, die wir anbieten. Flyer der Agentur liegen in der Volkshochschule, im Kundencenter der Stadtwerke oder in den Bürgerbüros aus. So kommen wir in Kontakt mit Interessenten.

Bick Auf der anderen Seite wenden sich Institutionen an uns und erklären, welches ehrenamtliches Engagement in ihren Einrichtungen erforderlich wäre. So können wir Angebot und Nachfrage zusammenbringen.

Wie finanziert sich die Solinger-Freiwilligen-Agentur, und was war Anfangs die Idee, diesen Verein zu gründen?

Bick Die Idee war, Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren wollen, schnell und unbürokratisch dazu Gelegenheit zu geben, mit dem Ziel, dass jeder Topf den richtigen Deckel bekommt. Ich habe mich damals dieser Sache angenommen. Die Agentur selbst finanziert sich über Spenden, der Verein zählt momentan 20 Mitglieder.

Kommenden Montag ist Mitgliederversammlung. Was hat sich der Verein für das laufende Jahr so alles vorgenommen?

Racké-Lenz Wir werden uns auf jeden Fall wieder an der Aktion Leben braucht Vielfalt und an der Messe Aktivia beteiligen. Wie gewohnt beraten und informieren wir in den Sprechstunden und bieten zusätzliche Beratungsgespräche an, um so einen 14-Tage-Rhythmus hinzubekommen.

Was wäre, wenn es die Solinger-Freiwilligen-Agentur nicht gäbe?

Bick Dann müsste sie ins Leben gerufen werden. Initialzündung war damals für mich, als sich anlässlich des Jahres des Ehrenamtes die ,Lupe' aus Leverkusen hier in Solingen vorstellte. Die Solinger-Freiwilligen-Agentur agiert aber unabhängig und neutral und ist weder von der Stadt noch von Wohlfahrtsverbänden abhängig. Das ist wichtig für mich. Und letztlich sollen beide Seiten profitieren – die Institution ebenso wie der Ehrenamtler, es muss ein Geben und Nehmen sein.

Uwe Vetter führte das Gespräch.

(RP)