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Gastronomie in Solingen - Aus Wupperhof wird Landhaus Ferres

Traditionsgasthaus in Solingen : Kartoffel trifft Wupper

Margit und Herbert Ferres haben die Traditionsgaststätte wiedereröffnet – als Landhaus Ferres mit Restaurant, Café und Biergarten. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde im 18. Jahrhundert vollendet.

Geht Liebe wirklich durch den Magen? „Ich brannte schon Mitte der Woche darauf, eine Bestellung vom Landhaus Wupperhof zu bekommen“, erinnert sich Herbert Ferres an die Zeit, als er die neue Besitzerin der Traditionsgaststätte kennen lernte. Dreieinhalb Jahre ist das her; im Mai 2020 haben die gebürtige Singenerin und der Solinger dann auf Pellworm geheiratet. Nicht im Leuchtturm, wie geplant, sondern wegen der Corona-Auflagen im Wattenmeer.

Wasser hat für Margit Ferres immer eine große Rolle gespielt. „Ich wollte nach dem Berufsleben zurück an den Bodensee“, berichtet die Biologin und Ökologin, die bei Bayer im Bereich Umweltsicherheit arbeitet. Dann kam 2015 die Zwangsversteigerung des Landhauses – und die heute 52-Jährige erfüllte sich ihren Traum vom Leben am Wasser schon früher.„Kartoffel meets Wupper: Der Spruch prägt nicht nur die Speisekarte, sondern beschreibt auch unser Zusammenkommen“, sagt ihr 57-jähriger Ehemann. Fast 30 Jahre lang, bis September 2019, stand Herbert Ferres auf dem Markt und verkaufte Erdäpfel, manchmal unterstützt von seiner Schwester Veronica. Im Dezember meldete er das Gewerbe ab. „Da wusste ich noch nicht, dass ich das hier auf die Beine stellen würde.“

Ende vergangenen Jahres gab auch der Pächter der Gaststätte auf. „Für uns war die Frage: Verpachten wir noch einmal, oder gestalten wir das selbst?“, blickt Herbert Ferres zurück. „Erst war die Frage nicht so drängend“, kommentiert Margit Ferres. „Aber dann waren auf einmal immer mehr Menschen hier und hätten gerne etwas gegessen und getrunken. Permanent saßen sie auf dem Mäuerchen. Wir hätten von mittags bis abends Kundschaft gehabt.“

Außerdem musste der Gaststätten-Betrieb innerhalb eines Jahres wieder aufgenommen werden. Sonst wäre die Konzession verfallen. Seit Donnerstag letzter Woche sind im „Landhaus Ferres im Wupperhof“ jetzt wieder Gäste willkommen. „Wir lieben diesen Standort und möchten andere daran teilhaben lassen“, betont das Ehepaar. „Seit 1424 gab es hier in irgendeiner Form immer eine Schankwirtschaft. Eine derartige Tradition kann man nicht einfach beenden.“ Sorgen hatte dem Paar nur die Sperrung des Odentaler Wegs bereitet, an dem bis ins nächste Jahr gearbeitet wird.

Herbert und Margit Ferres haben die Traditionsgaststätte wiedereröffnet. Bis 2019 stand Ferres auf dem Markt und verkaufte Kartoffeln. Foto: Fred Lothar Melchior

Mit der Regelung, dass die Gaststätte über den Wüstenhofer Weg zu erreichen ist, sind die beiden zufrieden. Neben Solinger Politikern hatte sich auch NRW-Innenminister Herbert Reul, ein gebürtiger Leichlinger, für das Landhaus stark gemacht. Herbert Ferres: „Er schrieb, dass ihm sehr viel an dem Objekt liegt. Auch bei der Solinger Stadtverwaltung ist unsere Bitte auf offene Ohren gestoßen.“Im April entschied das Paar, das Landhaus selbst zu betreiben. „Wir haben sehr viel Energie, Geld und Eigenleistung in das Gebäude und das Projekt gesteckt“, unterstreicht Herbert Ferres. „Die Speisekarte haben wir über Wochen und Monate erarbeitet. Die Kartoffel, die ich vormals roh angeboten habe, gibt es jetzt in vielen Varianten fertig auf dem Teller.“ Die Palette reicht von der Pellkartoffel über Gratins bis zum selbstgemachten Kartoffelsalat.

Nicht alle Komponenten der Gerichte entstehen in der Landhaus-Küche. „Ich bin ganz bewusst Kooperationen mit einem Solinger Metzger und einem Langenfelder Fischhändler eingegangen“, berichtet der 57-Jährige, der privat leidenschaftlich gerne kocht. Ab diesem Wochenende steht auch Lachs auf der Speisekarte. Wer draußen sitzt, kann beim Verzehr den tausenden Junglachsen zusehen, die im Frühjahr auf Höhe des Landhauses ausgesetzt wurden.Zum eigenen Team gehören zurzeit acht Kräfte. Drei arbeiten in der Küche, zwei an der Theke. Ein Mitarbeiter ist damit beschäftigt, auf die Einhaltung der Corona-Auflagen zu achten. Auch die Tochter von Herbert Ferres und die Tochter seiner Frau sind aktiv.

„Wir müssen uns alle erst einmal ein Stück Routine aneignen“, blickt Margit Ferres voraus. „Wir haben noch so viele Aufgaben, die mit Organisation verbunden sind.“ „Das ist eine Unternehmensgründung mit allem, was dazugehört“, sekundiert ihr Mann. „Wir sind aber nicht aus wirtschaftlichen Gründen angetreten und sehen uns nicht als Konkurrenz zu den anderen Ausflugslokalen. Die Leute suchen Orte zum Einkehren. Der Wupperhof wird die Ausflugskultur bestärken und ein wichtiger Baustein in der Gastronomiekette bis Burg sein. Motto: Alles Dolle um die Knolle.“

„Hier in Wupperhof ist alles mit einer ganz anderen sinnlichen Qualität verbunden“, freut sich Herbert Ferres, der katholische Theologie, Germanistik und Philosophie studierte. „Hier geht es um Freude und Begegnung. Es hat mich immer interessiert, was die Menschen bewegt – schon auf dem Wochenmarkt.“ Und mit Blick auf seine Frau und das wunderschöne Fachwerkhaus: „Wenn man von einer Sache beseelt ist . . .“