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Interview: Gartenidyll auch ohne "grünen Daumen"

Interview : Gartenidyll auch ohne "grünen Daumen"

Hans-Werner Webers, Vorsitzender des Stadtverbandes der Kleingärtner, sieht steigendes Interesse von jungen Familien.

Wann erwacht das Leben in der Kleingartensiedlung?

Webers Sobald der erste Sonnenstrahl kommt, zieht es den Kleingärtner auf seine Parzelle. Als es vor zwei Wochen etwas wärmer wurde, haben die Ersten sogar schon gepflanzt. Da wollten manche Vereine sogar schon das Wasser aufdrehen, haben aber wegen des Kälteeinbruchs erst einmal wieder Abstand davon genommen. Normalerweise wird es bis Mitte April lebhaft in den Kleingartensiedlungen.

Am vergangenen Samstag trafen sich die Mitglieder des Stadtverbandes zur Jahreshauptversammlung. Wie sieht Ihre Bilanz für 2012 aus?

Webers Wir haben es geschafft, alle Anlagen mit Entsorgungsstationen auszurüsten. Nachdem wir feststellen mussten, dass abfließendes Wasser teilweise mit Fäkalien verunreinigt war, haben wir die Pläne gemeinsam mit dem Stadtdienst Umwelt und Naturschutz ausgearbeitet und die Stationen bauen lassen. Alle Anlagen wurden von der Stadt überprüft.

Welche Pläne gibt es für 2013?

Webers In größeren Anlagen wollen wir weitere Entsorgungsstationen anlegen. Zudem müssen wir Auflagen der Stadt umsetzen, wonach zusätzliche Anbauten und Waldbäume von den Parzellen zu entfernen sind. Ein weiteres wichtiges Ziel ist zum Beispiel die Einrichtung von Kinderspielplätzen.

Tragen Sie damit auch der veränderten Klientel Rechnung?

Webers Man kann schon sagen, dass sich da etwas umgeschichtet hat. Ältere geben ihre Parzellen auf, Jüngere sind dazu gekommen. Für Familien mit kleinen Kindern, die in ihren Mietwohnungen keinen Zugang ins Freie haben, ist das sicher attraktiv, zumal die Kosten niedriger sind, als zum Beispiel auf einem Campingplatz.

Was kostet denn so eine Parzelle?

Webers Wenn man die Pacht und Vereinsabgaben zusammennimmt, kommt man etwa auf 200 Euro im Jahr. Bei den Häusern auf den Parzellen gibt es große Unterschiede. Manche werden verschenkt, andere bewegen sich in einem Bereich von bis zu 4000 Euro.

Wie viele Kleingärtner gibt es denn überhaupt aktuell in Solingen und wie hat sich diese Zahl im vergangenen Jahr entwickelt?

Webers Zum 1. Dezember hatten wir 1811 verpachtete Kleingärten bei vier Abgängen. Auffällig ist, dass wir im letzten Jahr 217 Pächterwechsel hatten und damit mehr als im Vorjahr. Viele haben ihre Gärten aufgegeben.

Frage: Wie kommen denn die neuen Pächter auf den Geschmack?

Webers Das geht meist über private Kontakte. Einer hat einen Garten und lädt Freunde oder Verwandte ein,, bis die sich sagen, jetzt nehme ich mir auch einen Garten. Klar ist: Nur wer Mitglied in einem Kleingartenverein ist, kann auch eine Parzelle mieten. Was die Kleingärten immer ausgemacht hat, war die besondere Verbundenheit der Vereinsmitglieder.

Wieviel Botaniker steckt eigentlich im Kleingärtner?

Webers Das ist unterschiedlich. Ich zum Beispiel war eigentlich immer mehr für die technischen Dinge zuständig, während meine Ehefrau den grünen Daumen hat.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE ALEXANDER RIEDEL.

(ied)