Galileum: Solingen greift nach den Sternen

Galileum-Eröffnung : Solingen greift nach den Sternen

Nach 14 Jahren Planung und drei Jahren Bauzeit wurde das Galileum am Freitag eröffnet. Mit der modernen Sternwarte samt Planetarium ist eine Vision Wirklichkeit geworden.

Fast eine Stunde lang hatte sich der Mann, der ohne jeden Zweifel zu den Vätern des Erfolges gehört, bescheiden im Hintergrund gehalten. Doch dann trat schließlich auch Dr. Frank Lungenstraß für einen kurzen Augenblick auf die Bühne des neuen Galileums – wobei der Geschäftsführer der Walter-Horn-Gesellschaft an diesem denkwürdigen Mittag in Ohligs nur einige wenige Worte in das Mikrofon zu sprechen vermochte, ehe ihn seine Stimme wieder im Stich ließ.

Es war der vielleicht emotionalste Moment an einem Tag, den Oberbürgermeister Tim Kurzbach in seiner Rede kurz zuvor bereits als „historisch“ bezeichnet hatte – und der tatsächlich als eine Art Meilenstein in die Solinger Geschichtsbücher eingehen könnte. Denn nach rund 14 Jahren der Planung sowie knapp drei Jahren Bauzeit ist am Freitag endlich das Jahrhundert-Projekt Galileum eröffnet wurden, das fortan sowohl Sternwarte, als auch Planetarium vereinen wird.

Zum offiziellen Festakt waren insgesamt rund 90 geladene Gäste in den ehemaligen Kugelgasbehälter der Stadtwerke Solingen an der Tunnelstraße in Ohligs-Ost gekommen – darunter neben dem OB Architekt Ulrich Schlüter, Projekt-Schirmherr Vince Ebert, Solingens Stadtdirektor Hartmut Hoferichter, Stadtwerke-Chef Andreas Schwarberg, Sparkassen-Direktor Stefan Grunwald, der bergische IHK-Präsident Thomas Meyer sowie weitere Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Gleichwohl war es aber nicht allein dieser sprichwörtlich große Bahnhof, der Guido Steinmüller, Präsident der Walter-Horn-Gesellschaft,  „ein Lachen auf das Gesicht“ zauberte. Vielmehr ließ der Hausherr bei der Begrüßung der Besucher noch einmal die Entstehung des Galileums Revue passieren und wagte gleichzeitig einen Ausblick in die Zukunft.

Der Blick gebannt zum künstlichen Himmel: Bei der Eröffnung genossen die Ehrengäste die Aussicht im Galileum. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

So betonte Steinmüller, der Traum von einer neuen Sternwarte mit angeschlossenem Planetarium sei am Ende nur deshalb in Erfüllung gegangen, weil viele Beteiligte stets an das Galileum geglaubt und es tatkräftig unterstützt hätten. „Ohne die Hilfe von Bund, Land und Stadt sowie von Sponsoren und Spendern wäre all dies nicht möglich gewesen“, sagte Steinmüller, der parallel nicht verschwieg, dass es durchaus auch schwierige Phasen gegeben habe.

Was wiederum das Stichwort für Schirmherr Vince Ebert war. „Wir brauchen Visionen“, gab der studierte Physiker und bekannte Kabarettist in seinem Grußwort zu bedenken und richtete seinen Blick für ein paar Sekunden durch den Saal hoch zur Kuppel des alten Kugelgasbehälters. Denn in der Tat steht dieser als Symbol für einen Glauben, der bisweilen sogar Berge zu versetzen vermag.

Oder eben das Universum in einen alten Industriebau verpflanzt, der lange ein stiefmütterliches Dasein gefristet hatte, ehe ab 2016 das neue Kapitel aufgeschlagen wurde. So entstand in der alten Gaskugel, eines der modernsten Planetarien Europas, während gleich nebenan in dem siebengeschossigen Neubau die neue Sternwarte untergebracht ist. In dem großen Saal des Planetariums finden bis zu 85 Besucher Platz, über denen sich ein eindrucksvoller Sternenhimmel mit einem Durchmesser von zwölf Metern ausbreitet. Die Technik selbst kommt ihrerseits aus Frankreich sowie Japan.

OB Tim Kurzbach (M.) bei der Eröffnung mit Guido Steinmüller (l.) und Frank Lungenstraß. Foto: Köhlen, Stephan (teph)
Der Projektor in der Mitte des Planetariums stammt aus Japan. Mit ihm werden die unterschiedlichen Programme an den Ohligser Sternenhimmel geworfen. In dem Saal finden 85 Besucher Platz. Foto: Köhlen, Stephan (teph)
ImTreppenhaus des Galileums können Gäste in die Montur eines Raumfahrers schlüpfen. Foto: Köhlen, Stephan (teph)
Im Neubau ist die Sternwarte untergebracht. Neben dem Wissenschaftsteil liegt das Planetarium in der Gaskugel. Foto: Köhlen, Stephan (teph)
Vom Steuerpult des Galileums aus wird die Technik im Planetarium bedient. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Wo die Erfolgsgeschichte Galileum vor fast eineinhalb Jahrzehnten irgendwie auch ihren Anfang genommen haben muss. Denn damals, im Jahr 2006, als das Projekt noch ganz am Beginn stand, überreichte ein Vertreter der japanischen Projektorfirma Goto Frank Lungenstraß einen fernöstlichen Glücksbringer. Der sogenannte Daruma ist ein Figürchen, auf das ein Auge gemalt wird. Gehen dann später Wünsche in Erfüllung, erhält der Daruma das zweite Auge. Was dazu führte, dass Lungenstraß am Freitag, immer noch gerührt,  den kleinen Talisman endlich vollenden konnte.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So sieht es im neuen Solinger Galileum aus

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