Gärtner wirft Leichenteile in den Abfallcontainer

Solingen : Gärtner wirft Leichenteile in den Abfallcontainer

Wegen Störung der Totenruhe verurteilte ein Einzelrichter des Amtsgerichts einen 37 Jahre alten Solinger zu einer Geldstrafe von 900 Euro.

Der Richter sah es als erwiesen an, dass der gelernte Gärtner im September 2016 auf einem kirchlichen Friedhof - wenn auch nicht vorsätzlich, sondern versehentlich - eine erst sechs Jahre zuvor beerdigte Frau ausgegraben und ihre in Tüchern eingewickelte Leiche in einem Abfallcontainer entsorgt habe.

Eigentlich war es ein alltäglicher Vorgang: Damals stand die Beerdigung einer Seniorin an. Darum erteilte der Friedhofsverwalter der Kirchengemeinde der Friedhofsgärtnerei den Auftrag, die genau benannte Grabstelle eines Doppelgrabes auszuheben. Diesem Familiendoppelgrab war jedoch ein weiteres Einzelgrab angeschlossen, auf dem die sechs Jahre zuvor verstorbene Tochter der jetzt zu beerdigenden Seniorin bestattet worden war.

Ob die auszuhebende Grabstelle von vornherein irrtümlich von der Kirchenverwaltung falsch benannt worden war oder der Angestellte der Friedhofsgärtnerei damals einen Fehler gemacht hat, konnte vor Gericht nicht geklärt werden. Jedenfalls hob der 37-Jährige das falsche Grab aus.

"Als ich mit dem Minibagger auf nicht verrottete Holzplatten stieß, die auf einen noch intakten Holzsarg schließen ließen, habe ich sofort meinen Chef in Kenntnis gesetzt. Wir haben dann den Friedhofsverwalter informiert, der damals an die Grabstelle kam. Er wies uns an, dieses Grab weiter ausheben", sagte der Angeklagte. Letzteres bestritt der Friedhofsverwalter.

Als damals am nächsten Morgen die Beerdigung anstand, war die Trauergemeinde schockiert: Das Grab der Tochter war leergebaggert. Tage später fand der Bestatter der Familie zusammen mit dem Friedhofsverwalter die sterblichen Überreste - Kopf, Torso und Gebeine - in einem Abfallcontainer.

"Ich habe die Leichenteile beim Ausbaggern nicht gesehen", sagte der Angeklagte. Das nahm ihm der Richter nicht ab. Der 37-Jährige und sein Anwalt erwägen, das Wuppertaler Berufungsgericht anzurufen. Wegen des Vorfalls hat die Kirchengemeinde den Vertrag mit der Friedhofsgärtnerei fristlos gekündigt. Hier läuft noch eine Zivilklage der Gärtnerei, die schließen musste.

(hpm)
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