Fridays for Future: Schüler demonstrieren weiter

Fridays for Future in Solingen : Schüler demonstrieren weiter

Hunderte Jugendliche gehen am Freitag wieder unter dem Motto „Fridays for Future“ auf die Straße, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Einen Freibrief zum Fernbleiben des Unterrichts gibt’s allerdings nicht.

Schulfrei oder nicht schulfrei – das ist, zumindest nach Ansicht einiger Kritiker des Solinger Aktionsbündnisses „Fridays for Future“, in Wahrheit die Frage, wenn am Freitag auch in Solingen wieder Hunderte Schülerinnen und Schüler für den Klimaschutz auf die Straße gehen werden. Wie berichtet, herrscht bei den Solinger Schulen eine gewisse Verunsicherung in der Frage, ob man den Schülern die Teilnahme an den Demos genehmigt – und wenn ja, in welchem Umfang.

Während etwa die Gesamtschule Höhscheid zumindest einmalig ihren Schülern die Teilnahme an der Demo gestattete und diese quasi als „Lernanlass“ in den Schulalltag integrierte, ist etwa für Ulrich Nachtkamp, Leiter des Gymnasiums Schwertstraße, klar: „Eine nachträgliche Entschuldigung kann es dafür nicht geben, weder von Elternseite noch durch Bescheinigungen der Bezirksschülervertretung“, teilte Nachtkamp mit Blick auf die Gymnasien schriftlich mit.

Einen Freibrief zum Fernbleiben des Unterrichts will auch Dirk Braun, Leiter der Gesamtschule Höhscheid, seinen Schülern nicht ausstellen. Schüler, die an den freitäglichen Demos am Vormittag teilnehmen, müssten mit einem Eintrag der Fehlstunden auf ihrem Zeugnis rechnen. Ausnahme seien Abschlusszeugnisse, mit denen sich die Schulabgänger bewerben müssen.

„Natürlich gäbe es theoretisch noch andere Sanktionsmöglichkeiten bis hin zu einem Bußgeldverfahren gegen die Eltern“, erklärt Braun, macht aber gleichzeitig deutlich, dass er das Anliegen der Proteste auf ganzer Linie teilt: „Bei unseren Schülern, die an den Demos teilnehmen, handelt es sich größtenteils um kreative Denker mit einem großen demokratischen Bewusstsein. Die werden den Stoff ruckzuck nacharbeiten.“ Stephan Mertens, Schulleiter am Gymnasium Vogelsang, bedauert, dass die wichtige Klimaschutz-Debatte aus seiner Sicht von der Diskussion um die freitäglichen Fehlstunden in den Hintergrund gerät. „Das Thema hat nun mal einmal die notwendige Aufmerksamkeit bekommen, die es auch braucht. Jetzt fände ich es gut, wenn das Aktionsbündnis mal zu einer Demo aufrufen würde, an der ich auch teilnehmen kann, was mir freitags als Schulleiter natürlich nicht möglich ist.“ Grundsätzlich stehe es jedem Schüler frei, einen Antrag auf Beurlaubung zu stellen – ob diesem stattgegeben wird, stehe auf einem anderen Blatt.

Hanna Friedemann, Schülersprecherin am Gymnasium Schwertstraße, gehört zu den Initiatoren des Solinger Bündnisses „Fridays for Future“ und ärgert sich über den zurzeit oft erhobenen Vorwurf, für die jungen Teilnehmer der Freitagsdemos stehe vielmehr der gesellschaftlich goutierte Unterrichtsausfall als der Klimaschutz im Vordergrund: „Viele Teilnehmer unseres Bündnisses nehmen nicht nur an den Freitagsdemos teil, sondern investieren darüber hinaus viel Freizeit in die Vorbereitung der Demonstrationen, zum Beispiel durch Schildermalen und Organisationsarbeit. Auch an unserer Schule möchten wir ein Nachhaltigkeitskonzept etablieren, was unser Schulleiter übrigens auch unterstützt.“

Mehr von RP ONLINE