Freizeitzentrum Solingen-Ittertal benötigt Geld

Interview mit Hartmut Lemmer : „Wir brauchen wahrscheinlich 400.000 Euro“

Der Vorsitzende des Fördervereins Ittertal spricht über die Lage des gemeinnützigen Freizeitzentrums und das vielschichtige Angebot an die Nutzer.

Das Wasser bleibt im Becken, aber die Besucher bleiben aus. Zuletzt haben nur noch die Hunde ihre Runden gedreht. Ist Ruhe eingekehrt im Ittertal ?

Hartmut Lemmer Wir sind in einer Zwischenphase, wo Mitarbeiter auch Urlaub nehmen können. Die Schwimmsaison hatten wir wegen der Wetterprognose eine Woche früher beendet als sonst. Wir haben aber die Marke von 30.000 Besuchern geknackt. Im vergangenen Jahr waren es gut 38.000. Dieser Sommer hatte jedoch auch schwächere Tage.

Blick in Richtung der Schwimmbecken im Ittertal. Rechts befindet sich der Kiosk mit einer Gaststätte und Sitzmöglichkeiten. Foto: Zelger, Thomas

Nach der Schwimmsaison ist vor der Eislaufzeit. Wann geht es los?

Lemmer Ende November. Wir haben bereits die Leitungen zur Eislauffläche überprüft und am Rand die rutschfesten Gummimatten verlegt.

Auf den vier Volleyballfeldern und dem Beachhandball-Feld ist bereits Winterruhe eingekehrt ?

Lemmer Im Oktober lässt es nach. Aber es kommen noch spontan Gruppen. Im Sommer ist natürlich mehr los, dann gibt es auch Turniere, zu denen sogar Mannschaften aus dem Ruhrgebiet anreisen. Am aktivsten sind momentan die Mitglieder des Boule Clubs Solingen, die bei uns fünf Spielfelder haben. Die kommen auch bei Regen.

Der Förderverein hat aber auch trockene, warme Räume anzubieten.

Lemmer Davon gibt es einige. Am 1. Juni haben wir das Clubheim des Schwimm-Clubs Solingen übernommen. Das bieten wir jetzt beispielsweise für Familien- und Freundschaftsfeiern an. Den Keller haben wir an einen Tauchsport-Club vermietet, der dort ein Büro hat und die Ausrüstung lagert. Im Februar hatten wir bereits einen früheren Sozialraum hergerichtet, der ebenfalls gerne genutzt wird. Wir überlegen auch, eine Gruppe unserer Kreativwerkstatt, die an der Wiesenstraße angesiedelt ist, ins Ittertal zu holen. Die Neue Arbeit gGmbH fertigt unter anderem Insektenhotels, die mit Erfolg auf dem Weihnachtsmarkt verkauft werden.

An der Eislauffläche stehen auch weiter die Zelte . . .

Lemmer Diese werden auch im Winter gerne für Kindergeburtstage genutzt. Während die Kinder sich auf der Eislauffläche austoben, können auf dem Grill schon Speisen zubereitet werden.

Wenn alle Technik so einfach funktionieren würde wie ein Grill, hätte der Förderverein weniger Probleme.

Lemmer Die Stadt hat nichts mehr in der Anlage gesteckt. 1985 gab es die letzten großen Investitionen. Auch einen städtischen Zuschuss erhalten wir seit einem guten Dutzend Jahre nicht mehr. Um alles instand halten zu können, müsste die Anlage mindestens 300.000 Euro im Jahr erwirtschaften. Tatsächlich haben wir aber nur leichte Gewinne oder sogar Verluste.

Was brennt Ihnen besonders auf den Nägeln?

Lemmer Wir haben vier Aufgaben vor der Brust. Erstens muss das Babybecken ersetzt werden. Bisher haben wir die Wände immer nur neu gespachtelt. Auch beim angrenzenden Matschspielplatz muss etwas passieren. Zweitens müssen die Umkleiden, Duschen und Toiletten komplett umgebaut werden. Es muss unter anderem mehr Plätze fürs Babywickeln geben. Unsere Zielgruppe können nur Familien mit Kindern sein, und man muss den Besuchern etwas bieten. Drittens wird der Betonboden der Eisfläche brüchig. Da führen wir gerade Gespräche mit Spezialisten, die aber hauptsächlich in Süddeutschland sitzen. Viertens muss viel an der Technik getan werden. Ein neuer Schaltkasten kostet aber schon 100.000 Euro.

Wo soll das nötige Geld herkommen?

Lemmer Wir brauchen wahrscheinlich 400.000 Euro und hoffen auf ein neues Förderprogramm des Landes, „Moderne Sportstätte 2022“. Die Mittel sollen direkt an Vereine gehen, die Eigentum oder – wie wir – einen längeren Pachtvertrag haben. Für Solingen würden – verteilt über vier Jahre – 2,15 Millionen Euro zur Verfügung stehen, auf die sich natürlich alle Vereine stürzen, weil alle Bedarf haben. Keiner ist auf Rosen gebettet. Wir haben einen Antrag beim Solinger Sportbund gestellt. Der endgültige Antrag an die NRW-Bank muss noch erfolgen. Wir hoffen auf 200.000 Euro, die andere Hälfte müsste über die Aktion Mensch, durch Sponsoren oder über eigene Arbeitsleistungen erbracht werden.

Gerade haben Ihnen Dirk Hermes und seine Frau Hildegard 30 neue Liegen im Wert von 3000 Euro gespendet. Stehen weitere Sponsoren bereit ?

Lemmer Es gibt Zusagen von einer Stiftung und einer ortsansässigen Firma. Für alle Zuwendungen sind wir dankbar, denn die Eintrittspreise können wir nicht beliebig erhöhen. Sie sollen stabil bleiben. Das hat ja auch einen sozialen Aspekt, wie man im Sommer am relativ hohen Anteil von Solingen-Pass-Besitzern unter unseren Besuchern gesehen hat.

Das Schwimmbad hat sich immer weiterentwickelt. Was planen Sie als nächstes?

Lemmer Wir sind offen für neue Ideen. Kürzlich haben wir uns beispielsweise den Freizeitpark Irrland in Kevelaer angesehen und nach Anregungen gesucht.

Was ist mit der Anregung, den Märchenpark Ittertal zu übernehmen?

Lemmer Viele sagen, eine Zusammenarbeit mit der Initiative, die den Park erhalten will, würde sich anbieten. Mit dem Vorstand des Fördervereins hat bisher noch niemand gesprochen. Aber es ist auch so schon schwierig genug, alleine den Betrieb des Schwimmbads und der Eislauffläche aufrecht zu erhalten.

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