Freizeitpark Ittertal in Solingen steht vor dem Aus

Schlechte Bewertungen im Internet : Freizeitpark Ittertal bleibt geschlossen

Jahrzehntelang öffnete die idyllisch gelegene Freizeitanlage mit Beginn des Frühjahrs. Das ist dieses Mal nicht der Fall. Der Freizeitpark Ittertal bleibt geschlossen.

Es handelt sich um eine echte Solinger Institution. Schon seit dem Jahr 1898 gehört die idyllisch gelegene Anlage am Nordrand von Wald zu den beliebtesten Ausflugszielen in der Region. Ganze Generationen von Kindern tauchten hier in eine ebenso geheimnisvolle wie faszinierende Wunderwelt ein und ließen sich zum Beispiel von Figuren im verwunschen wirkenden Märchenwald verzaubern. Doch auf der Homepage des Parks steht nun: „Der Park bleibt bis auf weiteres geschlossen!“

Der Betreiber des Freizeitparks, der Düsseldorfer Geschäftsmann Bruno Schmelter, hatte unserer Redaktion noch gesagt: „Wenn überhaupt, werden wir mit dem diesjährigen Betrieb frühestens nach Ostern loslegen.“ Der 75-Jährige hat den Park 2002 übernommen. Nun scheint das Aus des Parks besiegelt. Dem WDR sagte Schmelter, einer der Gründe für die Entscheidung seien die vielen Negativbewertungen im Internet. „Eis zu teuer“ bis hin zu „sehr enttäuschend“ schreiben die Besucher. "Das tut schon weh und wir fühlen uns auch persönlich beleidigt“, sagte Schmelter in dem Beitrag.

Der Eingang zum historischen Freizeitpark Ittertal: Wo früher die Besucher Schlange standen, breitet sich augenblicklich eher Tristesse aus. Foto: Zelger, Thomas

Es wurde aber offenbar auch immer schwerer, Personal zu finden. Was zur Folge hat, dass es die Eigentümer-Familie Schmelter in den zurückliegenden Wochen und Monaten nicht mehr schaffte, mit den Aufräum- sowie Reparaturarbeiten nachzukommen, die normalerweise vor jeder neuen Sommersaison an den Geräten beziehungsweise auf den Flächen im Freizeitpark anstehen.

Tatsächlich blieb nur Zeit für die wichtigsten Aufgaben. „Selbstverständlich versorgen wir unsere Tiere, zwei Esel und zwei Ziegen“, betonte Bruno Schmelter im Gespräch mit unserer Redaktion. Eigentlich hatte Bruno Schmelter vorgehabt, sich schon vor drei Jahren zur Ruhe zu setzen. Da sich jedoch die ursprünglichen Planungen, den Freizeitpark Ittertal an die Kinder weiterzugeben, zerschlagen hatten, beauftragte der Geschäftsmann im Jahr 2016 ein Maklerbüro, das den Verkauf des Areals samt der Geräte über die Bühne bringen sollte.

Gleichwohl zeigte sich im Lauf der Zeit, dass der Park-Verkauf kein Selbstläufer ist. Zwar meldeten sich mehrfach Kandidaten, die ihr Interesse an einer Übernahme bekundeten. Aber am Ende setzte es regelmäßig Rückschläge. Mal passten die Vorstellungen der potenziellen Investoren nicht zu den Gegebenheiten im Ittertal. Dann wieder erwies sich die Liquidität der Käufer als zu gering.

Um doch noch zu einer Lösung zu gelangen, ging Schmelter im vergangenen Jahr mit dem anvisierten Preis herunter. Statt der ursprünglich erwarteten 1,6 Millionen Euro rief der Schausteller fortan lediglich 990.000 Euro auf. Indes brachte dieser Schritt nicht den lang erhofften Durchbruch, da die Aufgabe, den Freizeitpark in die Zukunft zu führen, allgemein als recht schwierig angesehen wird.

So ist nach Einschätzung von Experten eine höhere Investition notwendig, mit der die Anlage an die heutzutage vorherrschenden Ansprüche des Publikums angepasst werden müsste. Und gleichzeitig gilt es zudem, den eigenen Charme des Freizeitparks Ittertal sowie des Märchenwaldes zu bewahren, die beide vor allem bei vielen Solingern nach wie vor beliebt sind.

Die Anfänge des Parks reichen bis zum sogenannten Ittertaler Volksgarten zurück, der Ende des 19. Jahrhunderts eröffnet wurde. In den Anfangsjahren beschränkte sich das Angebot zunächst auf einen gastronomischen Betrieb, an den ein kleiner Teich angeschlossen war, auf dem die Gäste Bötchen fahren konnten.

Ein erster größerer Umbruch erfolgte dann im Jahr 1907, als das Wasserkarussell in Betrieb genommen wurde. Von diesem Zeitpunkt an erfreute sich der Freizeitpark einer steigenden Beliebtheit, wobei die Besucher vor allem aus Solingen sowie dem damals noch selbstständigen Gräfrath sowie aus Haan anreisten. Der Märchenwald kam wiederum 1930 dazu. Weitere Umbauten erfolgten schließlich in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, die dem Freizeitpark im Großen und Ganzen sein heutiges Aussehen gaben.

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