Freizeitpark Ittertal in Solingen soll 2020 wieder öffnen

Kühne Pläne in Solingen : Freizeitpark Ittertal soll 2020 wieder öffnen

Bei einer Ortsbegehung am Samstag warb der neu gegründete Verein um Mitglieder und für den Erhalt des Freizeitparks.

„Willkommen, liebe Kinder“, brummt der „sprechende Baum“ gutmütig den Besuchern entgegen. Die zücken auch gleich ihre Handys und Fotoapparate. Momente wehmütiger Kindheits-erinnerungen und enthusiastische Zukunftsvisionen wechseln sich ab, als der rund 30-köpfige Tross durch das raschelnde Laub am See entlang zieht.

Die Gäste kommen an diesem klaren Herbstnachmittag in den Genuss einer exklusiven Führung durch den historischen Freizeitpark Ittertal in Wald. Dessen Zeit ist bekanntlich abgelaufen – oder doch nicht? „Unsere kühnen Pläne sind, den Park in der Saison 2020 wieder zu eröffnen“, bekräftigt Michael Willemse, Vorsitzender des Vereins „Die Itterthaler“.

Den hat der gebürtige Solinger mit heutigem Wohnsitz in Niederkrüchten am Niederrhein vor eineinhalb Wochen gemeinsam mit sieben Mitstreitern aus der Taufe gehoben, um das historische Familien-Paradies zu retten. Begonnen hatte wiederum alles sieben Monate zuvor, als Park-Inhaber Bruno Schmelter (75) aus Altersgründen das endgültige Aus für die traditionsreiche und aufwändig zu unterhaltende Anlage verkündete.

Kaufinteressenten wollten einen Kindergarten und eine Kletterwand auf dem Gelände unterbringen. Doch Gespräche führten bislang zu keinem Abschluss. Gleichzeitig fand eine Facebook-Initiative für den Erhalt des Parks auf Anhieb viele Unterstützer – „fast 200 an den ersten beiden Tagen“, wie Vereinsmitglied Heinz-Wilhelm Westring berichtet. „Wir möchten so viele Mitglieder wie möglich gewinnen, das Projekt vorstellen und erste Gespräche führen“, erklärt Willemse am Rande des Rundgangs.

Der führt vorbei an von Wind und Wetter stark beanspruchten Figuren und dem Einstieg in den Märchenwald, in dem laut „Itterthalern“ die größte Arbeit auf die Park-Retter wartet. „Alle 13 Hütten müssen grundsaniert werden“, sagt Willemse. Wenig später macht die Gruppe Station am legendären Wasserkarussell, zwischen deren Gondeln an diesem Tag nur ein einsamer Schwan seine Kreise zieht.

Nebenan werfen einige Besucher des Parks einen Blick durch die Fensterscheiben in die alte Bayernhalle. „Die müsste man für Veranstaltungen vermieten“, sagt ein Mann. Die Pläne der Itterthaler sehen vor, das gesamte Areal am Nordrand von Wald zu kaufen. „Es gibt sehr gute Fördermöglichkeiten“, berichtet Willemse von einem Gespräch im nordrhein-westfälischen Heimatministerium. Die aktiven Mitglieder sollen bei der Instandsetzung des Parks mit anpacken, eine Betreiber-Gesellschaft das Gelände schließlich pachten und mit Angestellten bewirtschaften. Für die nächste Woche rechnet der Verein aber zunächst einmal mit der Vorstellung des Gutachtens, das derzeit Architektin Nicole Molinari erstellt. „Das bildet die Grundlage für die weiteren Schritte und Kaufverhandlungen“, betont Michael Willemse.

Inzwischen ist die Gruppe auf dem Platz zwischen Bayernhalle und Werkstatt angekommen. Da, wo heute Kamelfiguren traurig hinter einem Gitterzaun stehen und Unkraut aus dem löchrigen Boden schießt, soll bald ein anheimelnder „Plaza“ am Rande der sprudelnden Itter entstehen, auf dem Kinder toben und ihr Eltern ihren Kaffee trinken.

Auch das Wasserkarussell befindet sich zurzeit im Dornröschenschlaf. Foto: Alexander Riedel
Marc Weislowski, Michael Willemse, Susanna Wortmann (v. l.) mit Unterstützern. Foto: Alexabder Riedel/Alexander Riedel

Während die letzten Sonnenstrahlen das Tal verlassen, führen Willemse und seine Unterstützer angeregte Gespräche mit den Besuchern, die ihre Hilfe anbieten – als Kaufleute, Handwerker oder Sicherheitskräfte. Und die Führung verfehlte ihr Ziel nicht: Im früheren Restaurant vor dem Park, das an diesem Tag einem Kühlhaus gleicht, füllen einige Gäste wenig später weitere Mitgliedsanträge aus.