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Analyse: Freie Fahrt in eine bergische Zukunft ?

Analyse : Freie Fahrt in eine bergische Zukunft ?

Die neue bergische Gesellschaft nimmt die Arbeit auf, von einem Kurs der Gemeinsamkeit sind die bergischen Städte noch weit entfernt.

Wir schauen in die politische Glaskugel und stellen uns das bergische Städtedreieck in zehn Jahren vor: Aus der 2015 entstandenen Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft ist ein starker Städtebund geworden. Zwar existieren die Stadträte von Remscheid, Wuppertal und Solingen weiter, doch haben sie eher die Funktion lokaler Subparlamente, die über Schulrenovierungen und Ampelanlagen entscheiden.

Die politische Musik spielt anderswo: Ein starker bergischer Städterat, der seine Mitglieder proportional zur Städtegröße aus den jeweiligen Stadtparlamenten entsendet, entscheidet über richtungsweisende Investitionen und Wirtschaftsfragen. Das Bergische Land hatte sich zunächst zu einer starken Förderregion entwickelt und durch geschickte Antragspolitik Millionen von Bundes- und EU-Geldern eingeworben. Nun schickt es sich an, neue Wirtschaftszweige zu etablieren - und die Investoren etwa bei den Neuen Energien, den Neuen Medien der Biotechnologie und der Raumfahrtechnik stehen Schlange. Es hatte dabei das Ruhrgebiet und auch die Regionen Düsseldorf und Köln zurückgelassen. Auch Langenfeld und Monheim wurden bei der Gewerbesteuerpolitik noch unterboten. Die Bergische Universität ist zu einer Denkfabrik gewachsen, die deutschlandweit ihresgleichen sucht und starke Dependancen in Remscheid und Solingen unterhält.

Touristisch ist das bergische Städtedreieck weit vorangekommen. Weitläufige Ferienparks bieten ganzjährige und wetterunabhängige Angebote. Das Kulturangebot lässt sich mit den naheliegenden Metropolen Köln und Düsseldorf messen. Überall entstehen neue Wohngebiete. Die A 1 ist vierspurig in beide Richtungen ausgebaut, auf der neuen Leverkusener Brücke rollt der Verkehr störungsfrei, und Solingen hat endlich einen schnellen A 3-Anschluss in die City.

Das alles ist nur Zukunftsmusik. Denn die bergische Gesellschaft mit dem langen und sperrigen Namen wurde erst zum Jahresanfang gegründet (siehe Info). Und ob sie die hohen in sie gestellten Erwartungen überhaupt erfüllen kann, wird sich zeigen müssen. Ein starker Motor für die Gründung der neuen Gesellschaft ist die bergische IHK. Für deren Hauptgeschäftsführer Michael Wenge ist der Zusammenschluss von BEA und Regionalagentur folgerichtig. Sie verhindere Doppelgleisigkeit und begründe eine "schlagkräftige regionale Wirtschaftsförderung und Marketing". Dabei seien die Aufgaben zur lokalen Wirtschaftsförderung klar abgegrenzt. "Förderprogramme wirken heute nur noch regional", sagt Wenge. Andere Regionen wie etwa Köln / Bonn seien da schon weiter. Deshalb dürfe es bei der bergischen Zusammenarbeit auch künftig keine Denkverbote geben.

Dem 16-köpfigen Aufsichtsrat gehören neben Oberbürgermeister Norbert Feith beziehungsweise ab September dessen designierter Nachfolger auch drei Solinger Ratsvertreter an: Jan Welzel (CDU), Tim Kurzbach (SPD) und Manfred Krause (Grüne).

(RP)