Solingen: Frauen im Rathaus in Angst

Solingen: Frauen im Rathaus in Angst

Vier Tage nach den Überfällen auf zwei Putzfrauen sucht die Polizei weiter den oder die Täter. Unklar ist, ob es ein und der selbe Mann war, der zuerst im Rathaus und später in der Gesamtschule Wuppertstraße zuschlug.

Der Schock sitzt tief. Auch vier Tage nach den Angriffen auf zwei Reinigungskräfte ist die Verunsicherung unter den weiblichen Stadtbediensteten groß. Jedenfalls, zur Tagesordnung übergehen will zurzeit niemand. Schon in Kürze sollen Gespräche mit dem sicherheitstechnischen Dienst der Stadt laufen, bei denen nur ein Thema auf der Tagesordnung steht: Wie kann man die Mitarbeiter besser schützen?

"Es war schlimm zu sehen, wie die sonst so lebensfrohe und nette Kollegin nach dem Angriff nur noch ein Häufchen Elend war", berichtete gestern Stadtsprecherin Birgit Wenning-Paulsen über die Stimmungslage in der Belegschaft nach den zwei Attacken. Vor allem im Reinigungstrupp geht die Angst um. Ein bislang Unbekannter hatte die 44-jährige Putzfrau Donnerstagnachmittag sexuell bedrängt — und nur eine gute Stunde später wurde dann eine 59-Jährige Mitarbeiterin einer externen Reinigungsfirma Opfer eines Übergriffs.

Nun endeten beide Fälle glimpflich. Die Frauen schafften es, den Täter in die Flucht zu schlagen. Aber noch hat die Polizei keine heiße Spur — und das wiederum trägt nicht eben zur Beruhigung bei. Denn tatsächlich erschreckt die Kaltblütigkeit, mit der die Angriffe erfolgten. "Im Rathaus herrschte beim ersten Überfall voller Betrieb", erinnert sich Birgit Wenning-Paulsen an einen Donnerstag, der zunächst wie viele in der Verwaltung ablief — und dann doch ganz anders endete.

Täter fühlte sich sicher

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Der Täter fühlte sich offensichtlich sehr sicher, als er die 44-Jährige in der Herrentoilette im ersten Stock des Rathaus-Altbaus attackierte. Und wenn im Augenblick auch noch nicht klar ist, ob für beide Übergriffe der selbe Mann verantwortlich ist (siehe Kasten), sticht doch eine Parallele ins Auge. Als nämlich nur etwas mehr als 60 Minuten nach dem ersten Vorfall die zweite Putzfrau im Aufenthaltsraum der Gesamtschule Wuppertaler Straße angegangen wurde, scherte sich der Mann auch nicht darum, entdeckt zu werden.

Ein Hausmeister sah noch, wie ein Unbekannter über den Schulhof lief. Der Angreifer? Mit Gewissheit lässt sich das nicht sagen, denn die Zeiten, in denen nachmittags in Schulen kaum noch was los ist, gehören längst der Vergangenheit an. Offener Ganztag, Volkshochschulkurse in den Klassenzimmern: Die Dienstanweisung an die Reinigungskräfte, die Gebäude abzuschließen, lässt sich so nicht immer einhalten.

Und auf den Rathausfluren macht sich die Erkenntnis breit, dass es keine Patentlösung in Sachen Sicherheit gibt. Was wiederum heißt, dass auch der Vorschlag, die insgesamt 250 städtischen Reinigungskräfte sowie deren Kolleginnen von zwei Leih- und vier Fremdfirmen mit kleinen Alarmmeldern auszustatten, nicht das letzte Wort bedeutet. "Das wird im sicherheitstechnischen Dienst besprochen", sagt Sprecherin Wenning-Paulsen. Eines will man bei der Stadt aber auf keinen Fall. Das Rathaus soll auch weiter für die Bürger ohne Einschränkungen offen bleiben.

(RP)