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Solingen: Flucht aus Urlaubsparadies

Solingen : Flucht aus Urlaubsparadies

Elsa Böhm und ihr Mann mussten ihren Tunesien-Urlaub aufgrund der Unruhen im Land vorzeitig abbrechen. Sie sind wohlbehalten, aber voller Mitleid für die Einheimischen zurück.

Für Elsa Böhm und ihren Mann sollte es wieder die schönste Zeit des Jahres werden: Seit Jahren verbringt das Ehepaar im Winter ausgedehnte Urlaube in wärmeren Gefilden. Erst reiste es regelmäßig in die Türkei, doch seit dem vergangenen Jahr sind Elsa und Gerd Böhm begeisterte Tunesien-Urlauber. "In der Türkei ist es uns zu touristisch geworden, doch Tunesien ist einfach wundervoll", erzählt das Paar, das seit 1969 den Kiosk und die Minigolf-Anlage direkt unter der Müngstener Brücke betreibt und sich um den Einsatz für die regionale Natur und ihre Bewohner verdient gemacht hat.

Auch in diesem Jahr begann bei der Ankunft im Dezember alles traumhaft. Nach drei Herzinfarkten erholte sich Elsa Böhm im luxuriösen Hotel im Ort Mahdia südlich von Monastir prächtig. "Wir hatten durchgehend wunderbares Wetter und Wassertemperaturen von 22 Grad", erzählt sie. Wie immer warb Böhm auch in Tunesien für ihre bergische Heimat, verteilte Zöppken und dekorierte ihr Zimmer bergisch. "Alles war wie immer mit wunderbarem Service, schönen Landschaften und herzlichen Einheimischen."

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Koffer schnell gepackt

Zehn Wochen wollten die Böhms eigentlich in Tunesien bleiben und erst am 4. Februar nach Solingen zurückkehren. Doch am 14. Januar herrschte bereits Aufregung im Hotel. "Wir wussten nichts von den Unruhen im Land und spürten nur, dass irgendetwas im Gange war", erzählt die 74-Jährige. Per Durchsage in der Hotellobby wurden die ersten Reisegruppen aufgefordert, die Koffer zu packen und das Land zu verlassen.

Der Reiseveranstalter der Böhms gehörte jedoch nicht dazu. Am darauf folgenden Tag bemerkte das Solinger Ehepaar die Zurückhaltung der Kellner und erfuhr, dass das Personal das Hotel über Nacht nicht hatte verlassen dürfen. "Komisch war es auf dem Markt, denn dort war nichts aufgebaut und alles verrammelt."

Dann kam die Hiobsbotschaft: Alle Touristen wurden aufgefordert abzureisen. "Bis 12 Uhr mussten wir unsere Koffer packen." Stunden verharrten Elsa und Gerd Böhm in der Hotellobby und später mit Tausenden von Touristen am Flughafen.

Durch die Medien erfuhren sie nun von den blutigen Unruhen als Reaktion auf die Schreckensherrschaft von Diktator Ben Ali. "Unter anderem brannte das Polizeigebäude, als wir noch im Land waren." Erst um 1 Uhr nachts landeten die Böhms in Köln statt in Düsseldorf. Angst hatten sie zu keiner Zeit.

"Mir tun die Menschen in Tunesien einfach unheimlich leid, denn sie sind die Leidtragenden", sagt Elsa Böhm. "Unser Zimmermädchen weinte bei unserer Abreise und erzählte von den katastrophalen Zuständen in ihrem Land und den Schwierigkeiten, bezahlbare Lebensmittel für ihre Familie zu kaufen."

Elsa und Gerd Böhm wollen auch zukünftig nach Tunesien reisen. "Vielleicht können wir die Einheimischen so unterstützen", wünschen sie sich.

(RP)