Solingen : Flora Frey geht

Der Sämerei-Betrieb aus dem Dycker Feld will bis spätestens 31. März nächsten Jahres nach Quedlinburg in Sachsen-Anhalt verlagern. 120 Mitarbeiter sind betroffen.

Der Sämerei-Betrieb Flora Frey verlässt Solingen und wird das gesamte Unternehmen spätestens bis 31. März nächsten Jahres vom Dycker Feld nach Quedlinburg in Sachsen-Anhalt verlagern. 120 Mitarbeiter — davon 100 in Solingen — sind betroffen. Ausgenommen von der Verlagerung sind der Vertriebs—außendienst sowie der Key Account Manager. Diese "unternehmerische Entscheidung" teilte gestern Nachmittag die Geschäftsleitung der Flora Frey GmbH mit.

"Wir haben uns nach allen Berechnungen aus wirtschaftlichen Gründen zu diesem Schritt entschieden", erklärte Geschäftsführer Carsten Ax. Diverse Einsparpotenziale seien mit den Mitarbeitern in den vergangenen Monaten erarbeitet und teilweise umgesetzt worden. "Diese Einsparpotenziale reichen jedoch nicht aus, um die Verluste, die das Unternehmen seit Jahren erwirtschaftet, ausreichend zu reduzieren", sagte Ax in einer Pressemitteilung. Nach heutigem Stand sei es unwahrscheinlich, dass die derzeitigen Kostenstrukturen, insbesondere Personal- und Arbeitskosten, so angepasst werden könnten, dass Flora Frey am Standort Solingen profitabel arbeiten könnte.

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Beratungen mit Betriebsrat

Die "zukunftsorientierte Entscheidung" diene daher der "wirtschaftlichen Stärkung des Unternehmens" durch eine entsprechende Anpassung der Strukturen und somit einer Verbesserung der Marktstellung, heißt es weiter in der Erklärung der Flora-Frey-Geschäftsführung. Zudem solle auf diese Weise ein Teil der Arbeitsplätze langfristig gesichert werden. Wie viele das sein werden, dazu machte die Geschäftsführung keine Angaben.

Die Verlagerung des Betriebes von Solingen nach Quedlinburg stehe allerdings unter dem Vorbehalt weiterer Beratungen mit dem Betriebsrat. Hierzu würden nun "unverzüglich" Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen, kündigte Carsten Ax an.

Der Flora-Frey-Betriebsrat war gestern nicht mehr für eine Stellungnahme zu erreichen. Betriebsratsvorsitzender Dirk Trauner ging Ende August im Gespräch mit unserer Zeitung noch davon aus, dass der Standort Solingen erhalten bleiben wird, auch wenn die Geschäfte im Bereich Sämereien und Gartenbedarf nach wie vor nicht so laufen würden, wie man es sich wünschen würde. Gründe für die angespannte Geschäftslage gebe es nach Ansicht des Betriebsratsvorsitzenden viele. Die Konkurrenz der Discounter, die alle Saatgut anbieten würden, der Trend, lieber Setzlinge und Jungpflanzen als Saatgut zu kaufen und auch die rückläufige Zahl der Kleingärten.

Im Juli dieses Jahres hatte die Münchener Gesellschaft für Consulting und Implementierung (GCI), die sich auf Beratung und Beteiligung mittelständischer Unternehmen spezialisiert und eine Holding zwischengeschaltet hat, Flora Frey von der französischen Limagrain-Gruppe übernommen. Die neue Geschäftsführung um Carsten Ax hatte damals angekündigt, den Betrieb zu durchleuchten, um dann klare Entscheidungen zu treffen.

(RP)