Solingen: Ferien im Haus einer Grande Dame

Solingen: Ferien im Haus einer Grande Dame

Detlef und Anne Wagner haben das frühere Haus von Heidi Heuser zum Feriendomizil umgebaut. Es erinnert an die Unternehmerfrau aus Solingen und ihr bewegtes Leben.

In der Villa Heidi verläuft das Leben mit der Sonne. Morgens scheinen die ersten Strahlen durch die großen Fenster auf das Frühstück am Esstisch. Am Nachmittag wandert die Sonne über die Terrasse. Und die letzte Wärme des Tages kann man im Wohnzimmer-Sessel genießen. So wollte es Heidi Heuser, so hatte sie es auf ihren Reisen erlebt - in Mexiko und Argentinien, in Andalusien und Kuba.

Foto: Verena Kensbock

Adelheid Christiane Elisabeth Heuser, genannt Heidi, galt als Grande Dame in der Klingenstadt. Geboren wurde sie in Bergisch Gladbach im Jahr 1921 in eine wohlhabende Familie. 1941 heiratete sie den Solinger Unternehmer Hermann Heuser. In den Jahren 1957 und 1958 baute sich das Paar das Haus am Rehpfad. Heute ist das frühere Wohnhaus nicht nur eine Unterkunft für Reisende, sondern auch eine Hommage an Heidi Heuser, die dort Zeit ihres Lebens wohnte.

Detlef und Anne Wagner (Bild unten) haben das Haus umgebaut und vermieten es seit September an Touristen. Foto: Verena Kensbock

Detlef und Anne Wagner hatten das Haus 2014 nach dem Tod ihrer guten Freundin übernommen. Und von Anfang an war ihnen klar, dass sie dort Gäste empfangen wollten - im Stil von Heidi Heuser. Viele Möbel haben sie behalten und neu lackiert, das Parkett abgezogen und nach Originalteilen gestöbert. Zwei Jahre hat die Renovierung gedauert. So haben es die Wagners geschafft, ein modernes Ferienhaus einzurichten, das vor Erinnerungen an seine frühere Besitzerin strotzt.

Die original erhaltene Küche - eine der ersten Stahl-Einbauküchen - hat clevere Details wie einen Spültuchtrockner und einen ausziehbaren Tisch. Foto: Verena Kensbock

"Es war die Zeit des Wirtschaftswunders, und so haben die Heusers gelebt", sagt Anne Wagner. "Für damalige Verhältnisse war es ein Haus auf höchstem Niveau. Das Paar pflegte einen mondänen Lebensstil." Ähnlich erhaltene Häuser aus den 50er Jahren fänden sich selten. "Oftmals wird alles rausgerissen und neu gemacht", sagt Detlef Wagner. Doch das war keine Option, die Villa Heidi sollte eine Hommage an ihre gute Freundin bleiben.

Schon kurz nach Kriegsende reiste Heidi Heuser mit ihrem Mann zu den Produktionsstätten seiner Firma in der ganzen Welt. Dort sammelte sie Inspiration für ihr eigenes Haus. So stammt die Idee für die Einfriedungsmauer aus Mexiko, der Dachüberstand aus Argentinien und die Einbauschränke aus den USA. Als persönliches Detail hat das Paar seine Initialen "H & H" verewigt: im schmiedeeisernen Gitter an der Eingangstür und im Wetterhahn auf dem Garagendach. Die 160 Quadratmeter seien lange voller Leben gewesen, sagt Detlef Wagner: "Die Heusers waren kinderlos, aber hatten einen großen Freundeskreis." Und so feierte die Solinger Unternehmerschaft im Wohnzimmer. Noch heute gibt es die Klingel, mit der Heidi Heuser die Zugehfrau zum Tisch abräumen rief. Die Hunde tollten durch den großen Garten, im Sommer gab es Poolpartys. Bis zu ihrem 90. Lebensjahr ging Heidi Heuser täglich schwimmen - egal ob Sommer oder Winter.

"Anfangs war das Schwimmbecken offen", erzählt Detlef Wagner. Allerdings seien immer wieder Rehe im Becken gelandet. "Die Straße heißt nicht umsonst Rehpfad. Darum wurde der Pool schließlich überdacht." Momentan ist das Schwimmbecken nicht in Betrieb. Die Wagners nehmen aber nach und nach Kleinigkeiten in Angriff und wollen auch den Pool wieder instandsetzen. Ebenso wie den Kamin im Wohnzimmer, in dem bis heute nie ein Feuer gebrannt hat.

Die Wagners lernten Heidi Heuser kurz vor ihrem 80. Geburtstag als Witwe kennen. Ihr Gatte starb während eines Urlaubs in der Schweiz - nur wenige Wochen nach seinem Einstieg in den Ruhestand. "Heidi stand finanziell auf der Sonnenseite des Lebens, aber privat musste sie viele Rückschläge hinnehmen", sagt Anne Wagner. "Der frühe Tod ihrer Mutter, ihr im Krieg gefallener Bruder und der Tod ihres Ehemanns."

Geistig fit sei sie bis zum Schluss gewesen, politisch interessiert und kulturbegeistert. Mit vier Freundinnen spielte sie Karten, sie nannten sich die Bridge-Hyänen. Lange kam auch eine Französischlehrerin ins Haus. Die Zugehfrau, Tante Pagi genannt, kümmerte sich um den Haushalt. Ein früherer Straßenhund aus Spanien und ein Terrier leisteten der Dame in den späteren Jahren die Gesellschaft, die sie brauchte. Denn nach und nach schrumpfte der Bekanntenkreis von Heidi Heuser. Doch ihr Zuhause hatte sie sich so erhalten, wie sie es liebte. "Das hier war der schönste Ort der Welt für sie", sagt Detlef Wagner. "Die Erinnerungen an ihren Mann, ihr gemeinsames Leben, ihre Reisen."

Seit September können Gäste in der Villa Heidi übernachten. Der Deutsche Tourismusverband hat das Haus mit fünf Sternen zertifiziert. Es kommen vor allem Messebesucher aus aller Welt: Kasachstan und Türkei, England und Tschechien. Und so bleibt das Haus so belebt, wie Heidi Heuser es sich gewünscht hatte.

Weitere Fotos aus der Villa Heidi unter www.rp-online.de/solingen

(veke)