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Interview: Felix-Kids-Club will alle Schichten erreichen

Interview : Felix-Kids-Club will alle Schichten erreichen

Gunter Opitz vereint unter dem Dach seiner Initiative Menschen mit unterschiedlichsten sozialen Hintergründen.

Die Vorbereitungen für die Eröffnung am neuen Standort laufen. Wie oft wurden Sie schon darauf angesprochen, wann es wieder los geht?

Opitz Täglich fragen mich zehn bis 20 Kinder und Eltern. "Felix, wann machst Du endlich auf?" heißt es dann immer. Manchen Besuchern, die schon an unserer Tür stehen, zeige ich auch die neuen Räume. Die Menschen sind voller Begeisterung.

Ändert sich mit dem Standort auch die Klientel?

Opitz Ja. Bei mir haben sich zuletzt viele neue Interessenten erkundigt - zumal wir ja jetzt auch wieder in der Innenstadt sind. Zuletzt an der Lüneschloßstraße kamen zwar auch kleine Kinder und Jugendliche aus der Stadtmitte zu uns, aber für die Sieben- bis Zehnjährigen von dort war der letzte Standort nicht optimal.

Aus welchen sozialen Verhältnissen kommen die Besucher des Felix-Kids-Clubs?

Opitz Grundsätzlich sind Kinder, Jugendliche und ihre Eltern aus allen gesellschaftlichen Schichten bei uns willkommen - und die Bandbreite ist bei unseren Gästen tatsächlich so groß. Der Schwerpunkt liegt sicherlich bei Migrantenkindern, die sowohl schon in der zweiten oder dritten Generation in Deutschland leben, als auch als Flüchtlinge zu uns gekommen sind. Letztere kommen oftmals mit ihrer ganzen Familie. Ein wichtiger Anlaufpunkt sind wir generell für Kinder aus prekären Verhältnissen, die in Armut oder zerrütteten Familien aufwachsen. Sie brauchen eine besonders intensive Betreuung. Man darf aber nicht vergessen, dass es auch eine gewisse soziale Armut in gutsituierten Familien gibt. Auch für sie stehen unsere Türen immer offen.

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Wie steht es um Konflikte zwischen unterschiedlichen Volksgruppen wie etwa Türken und Kurden?

Opitz Die hatten wir am Anfang tatsächlich. Es ist uns aber gelungen, diese Probleme zu lösen, den Kindern zu vermitteln, dass man sich nach einem Streit die Hand gibt. Man kann vielfach wirklich sagen, dass aus Konfliktparteien Freunde geworden sind.

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Opitz Wir versuchen einfach, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich alle wohl fühlen. Unsere ehrenamtlichen Helfer wenden sich den Kindern persönlich zu. Das hat erstaunliche Folgen: Kürzlich kam eine Mutter mit einem Kind zu uns, das laut ihrer Aussage unter ADHS litt. Aber bei uns ist es ganz ruhig geworden.

Fassen Sie doch noch einmal das ganze Angebot des Felix-Kids-Clubs zusammen.

Opitz Wir bieten alles an, was Kindern gut tut, von der warmen Mahlzeit, Spiel und Sport über Malen und Töpfern bis hin zur Hausaufgabenbetreuung. Es gibt auch ein Nachhilfeprogramm für Hörgeschädigte. Zudem nutzen wir auch ein Freizeitgelände im Wald. Dort wird es künftig Bienenstöcke mit eigenem Felix-Kids-Club-Honig geben.

Und auch um Kinder ohne Kita-Platz wollen Sie sich kümmern.

Opitz Wir wollen zum Einen die Familientage auf die ganze Woche ausdehnen. Und darüber hinaus schwebt uns eine Art Mutter-Kind-Treff vor.

Sie finanzieren die Miete über Spenden. Wo besteht noch Bedarf an ehrenamtlicher Unterstützung?

Opitz Wir sind für jede Initiative dankbar. Kürzlich hatte ich zum Beispiel einen Termin mit einer Ernährungsberaterin, die sich einbringen will. Dank einiger Helfer, die besonders fit im Nähen sind, haben wir auch eine Näh-Ecke. Kurzfristige Unterstützung können wir am kommenden Samstag, 29. April, brauchen: Um 10 Uhr treffen wir uns am alten Standort des Kids-Clubs an der Lüneschloßstraße 91. Von dort müssen wir Möbel zu einem Zwischenlager im Südpark bringen, das uns Sam Jordan von Raumvision zur Verfügung stellt. Für diese Arbeit benötigen wir starke Hände.

Bei all Ihren Aktivitäten - hatten Sie nie das Gefühl, sich vielleicht zu verzetteln?

Opitz Es gibt sicherlich Leute, die das sagen. Aber ich bin in der Kinder- und Jugendarbeit seit über 40 Jahren aktiv. Für sie kann man immer noch eine Schippe drauflegen

ALEXANDER RIEDEL FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)