Fehlende Lehrer sind ein großes Thema

Dr. Heike Krämer : Fehlende Lehrer sind ein großes Thema

Dr. Heike Krämer, Vorsitzende der Solinger Elternvertretung, spricht über die Personalsituation und das Vorhaben, die Schullandschaft mitzugestalten.

Warum haben Sie 2017 gemeinsam mit anderen Schulpflegschaftsvertretern eine neue Stadtschulpflegschaft gegründet? Seit zwei Jahrzehnten gab es ja bereits den Verein Stadtschulpflegschaft Solingen - Der runde Tisch.

Krämer Es gab in einigen Schulpflegschaften eine Unzufriedenheit mit den Verhältnissen, wie sie vorher waren. Einige Elternvertreter wollten die Arbeit gerne anders gestalten. Bereits 2016 fand ein erstes Treffen mit über 40 Teilnehmern statt, um zu beratschlagen, wie wir Interessenvertretung von Eltern gestalten wollen. Wir haben zunächst einen Koordinierungskreis ins Leben gerufen, in dem 14 Pflegschaften vertreten waren. Es gab dann Gespräche mit der bisherigen Stadtschulpflegschaft, um zu schauen, ob es einen gemeinsamen Weg geben könnte. Das schien zunächst nicht möglich zu sein, deshalb haben wir im Mai 2017 eine zweite Stadtschulpflegschaft gegründet.

Sie haben trotzdem eine gemeinsame Lösung gefunden.

Krämer Ja. Es war natürlich keine glückliche Situation, dass es zwei Stadtschulpflegschaften nebeneinander gab. Schulamtsleiterin Anke Svensson hat dann Vertreter von beiden Organisationen zum Gespräch eingeladen. Dort kam das Signal für einen gemeinsamen Neuanfang unter der Voraussetzung der Auflösung der bisher bestehenden Gremien. Im Januar wurde die neue Stadtschulpflegschaft gegründet. Wir haben uns gefreut, dass bei der Gründungsversammlung 24 Schulen vertreten waren.

Wie ist die neue Schulpflegschaft organisiert ?

Krämer Wir sind kein eingetragener Verein. Es gibt einen Vorsitzenden, zwei Stellvertreter und acht Beiratsmitglieder, die jedes Schuljahr neu gewählt werden. Wir arbeiten aber sehr basisdemokratisch und wollen so viele Menschen wie möglich beteiligen. Wer mitarbeiten möchte, kann das jederzeit tun.

Sind alle Schulformen in der Stadtschulpflegschaft vertreten ?

Krämer Fast alle. Es fehlen nur die Förderschulen. Wir würden Schulpflegschaftsvertreter der drei Schulen gerne mit einbeziehen. Perspektivisch wollen wir zu allen Schulen Kontakt aufnehmen.

Welche Themen brennen Solinger Eltern mit Schulkindern unter den Nägeln ?

Krämer Bei den Grundschulen ist ein Thema sicherlich die Personalsituation. Die Lösung, Quereinsteiger oder Sekundarstufen-II-Lehrer an Grundschulen einzusetzen, ist eine schwierige Geschichte, weil vielfach die pädagogische Qualifikation nicht vorhanden ist. Vielleicht gibt es Möglichkeiten, Lehrer ein Stück weit zu entlasten, zum Beispiel von Verwaltungsaufgaben. Eine kurzfristige Lösung könnte sein, dass die Stadt dafür zusätzliches Verwaltungspersonal einstellt.

Was beschäftigt Eltern noch?

Krämer Ein weiteres Thema an den Grundschulen sind der offene Ganztag und die Personalsituation dort. Bei diesen und den weiterführenden Schulen geht es unter anderem um den Zustand der Gebäude. Wir wollen den Sanierungsprozess gerne begleiten. Sind die geplanten Maßnahmen im Sinne der Schüler und Eltern ? Gibt es zusätzliche Räume für Differenzierungsmöglichkeiten ? Weitere Themen sind Integration und Inklusion. Uns ist es ein Anliegen, dass auch zugewanderte Kinder und Jugendliche weiterhin gefördert werden.

Viele Eltern sind mit der Umsetzung der Inklusion nicht glücklich.

Krämer Es kommt auf die Perspektive an. Wenn man selbst ein Kind mit Förderbedarf an einer Regelschule hat, gibt es oft Unmut wegen der Personalsituation. Wenn an jedem Tag der Woche ein anderer Sonderpädagoge zur Verfügung steht, ist es schwer für die Kinder, Vertrauen aufzubauen. Aus Sicht der anderen Eltern ist es problematisch, wenn Kinder in der Klasse auffällig sind und es dort zu Störungen kommt. Aber ich habe eigentlich immer die Rückmeldung bekommen, dass alle Beteiligten sehr bemüht sind. Aber wenn das Personal fehlt, kann es auch schwierig werden.

Was ist aus Ihrer Sicht bei der Rückkehr zu G9, dem Abitur nach neun Jahren, wichtig ?

Krämer Es sollte kein vollständiges Zurück geben. Ein wichtiger Punkt ist die Differenzierung: Welche Angebote kann man für Kinder mit Förderbedarf in einzelnen Fächern schaffen, aber auch für solche, die besonders leistungsstark sind ? Wie kann man denen, die fit sind, die Möglichkeit geben, das Abitur weiterhin in acht Jahren abzulegen ? Wann soll die zweite Fremdsprache beginnen - in der 6. oder 7. Klasse ? Wenn man sich einbringen will, muss man das jetzt tun, denn jetzt laufen die Vorbereitungen für die Gesetzgebung auf Landesebene.

Wo sehen Sie Einflussmöglichkeiten der Eltern ?

Krämer Als Stadtschulpflegschaft haben wir viele Möglichkeiten, mit der Stadt zusammenzuarbeiten. Wir pflegen einen sehr kooperativen Umgang. Im Schulausschuss wollen wir uns einbringen und langfristig aus dem Gaststatus herauskommen, den wir dort haben. Wir beteiligen uns zudem an der Bildungskonferenz und bringen uns auch bei Themen wie der Demokratiekonferenz ein. Auf Landesebene gibt es viele Organisationen, die Eltern vertreten. Wir würden es begrüßen, wenn in Zukunft eine einheitliche Landeselternvertretung gegründet werden würde.

(RP)