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Fachkräftemangel: Klinikum Solingen setzt auf Pfleger aus dem Ausland

37 neue Mitarbeiter : Klinikum in Solingen geht bei Fachkräfte-Suche neue Wege

Die Zahl der Auszubildenden wurde verdoppelt. Und zudem wirbt das größte Solinger Krankenhaus gezielt qualifizierte Pflegekräfte aus dem Ausland an. Es gilt, eine große Lücke in den nächsten Jahren zu schließen.

Das Städtische Klinikum Solingen setzt zunehmend auch auf Mitarbeiter aus dem Ausland, wenn es darum geht, in den kommenden Jahren einem drohenden Mangel an Pflegefachkräften zu begegnen. So befinden sich unter den 37 neuen Pflegerinnen und Pflegern, die zum 1. Oktober ihren Dienst an der Gotenstraße aufgenommen haben, allein drei Pflegekräfte, die aus Ländern wie Albanien sowie Nord-Mazedonien stammen – und die vom Klinikum während der zurückliegenden Monate gezielt angeworben worden sind.

Tatsächlich rechnen die Verantwortlichen im größten Krankenhaus der Klingenstadt damit, dass es zukünftig schwieriger wird, Nachwuchs zu gewinnen. So gestaltet sich die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt nach Angaben der Klinikum-Geschäftsführung mehr und mehr angespannt – was bedeutet, dass langsam, aber sicher ein regelrechtes Wettrennen um die besten Köpfe einsetzt.

Darüber hinaus zwingt aber auch die Situation vor Ort zum Handeln. So werden am Klinikum in den nächsten fünf Jahren mehr als 80 Schwestern und Pfleger in Rente gehen. Und dazu kommt, dass immer mehr junge Kräfte eine Familien-Auszeit nehmen – weswegen schon heute längst nicht mehr alle Stellen im Pflegedienst besetzt werden können.

 Zehn der Pflegefachkräfte, die jetzt am Klinikum angefangen haben. Zu ihnen gehört auch Jasmine Elezi (r.) aus Mazedonien.
Zehn der Pflegefachkräfte, die jetzt am Klinikum angefangen haben. Zu ihnen gehört auch Jasmine Elezi (r.) aus Mazedonien. Foto: Martin Oberpriller
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Um diese Lücke zu schließen und in Zukunft weiter genügend Pfleger auf den Stationen zu haben, verfolgt die Leitung des Städtischen Klinikums deshalb nun eine Mehrfachstrategie zur Personal-Rekrutierung. Zum einem wurde die Zahl der Pflegekräfte, die an der hauseigenen Akademie ausgebildet werden, in diesem Jahr noch einmal verdoppelt. Beispielsweise begannen im Sommer 2021 nicht mehr wie früher 25, sondern 50  junge Leute eine dreijährige Ausbildung im Gesundheits- und Krankenpflegebereich. So besuchen fortan immer 150 angehende Pflegerinnen und Pfleger gleichzeitig die Klinikum-Akademie.

Zum anderen werden aber auch Fachkräfte von anderen Krankenpflegeschulen sowie eben qualifizierte Bewerber aus dem Ausland rekrutiert – wobei die Kandidaten ab dem nächsten Jahr nicht mehr nur aus Südosteuropa, sondern zudem aus dem nicht-europäischen Ausland kommen. Denn wie der Kaufmännische Geschäftsführer des Klinikums, Dr. Martin Eversmeyer, sowie der Pflegedirektor des Krankenhauses, Dieter Ohmtsedt, am Montag berichteten, laufen augenblicklich die ersten Vorstellungsgespräche mit Bewerbern von den Philippinen.

Sobald eine Vorauswahl getroffen ist, besuchen die Kandidaten in der Heimat einen Deutsch-Kurs, derweil parallel ihre Zeugnisse auf möglicherweise noch zu schließende Ausbildungslücken geprüft werden. Ziel ist es dabei, die Pflegekräfte aus Asien im nächsten Jahr in Solingen anfangen zu lassen – wobei die Verantwortlichen am Klinikum jetzt noch einmal betonten, dass alle neuen Kollegen wie die in Deutschland ausgebildeten Mitarbeiter unbefristete sowie nach Tarif bezahlte Verträge erhalten. „Wir helfen den neuen Pflegekräften, sich zu integrieren“, versicherten Geschäftsführer Eversmeyer und Pflegedirektor Ohmstedt am Montag.

Tatsächlich sind gerade die ersten Monate in Deutschland schwer. Das weiß auch die 23-jährige Jasmine Elezi. Die junge Frau aus der Stadt Gostivar in Nord-Mazedonien lebt und arbeitet seit drei Monaten in Solingen. „In Deutschland sehe ich bessere Chancen“, sagt die ausgebildete Pflegekraft. Dennoch, so Elezi, überkomme sie manchmal Heimweh. Doch auch dieses Problem lässt sich lösen. Bis nach Mazedonien sind es nämlich gerade mal etwas mehr als zwei Flugstunden.