1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen

Fabrikanten prägten das Ohligser Stadtbild

Mein Solingen : Fabrikanten prägten das Stadtbild

Eine Vielzahl historischer Villen erinnert in Ohligs noch heute an die Blütezeit der heimischen Industrie. Stadtführer Horst Rosenstock zeigt die Prachtbauten interessierten Solingern.

Wer die Berliner Brücke aus Richtung Merscheid kommend hinter sich lässt, um schräg rechts in die Zweibrücker Straße einzubiegen, erblickt zu seiner Linken erst einmal das klobig wirkende, durch bunte Farben eher mäßig aufgehübschte Ärztehaus. Dahinter jedoch entdeckt der aufmerksame Beobachter ein Schmuckkästchen nach dem anderen: Neun Villen liegen allein in einem Radius von 150 Metern zwischen Hauptbahnhof und katholischer Kirche – und sie erinnern an eine Zeit, in der Ohligs noch eine eigenständige, aufstrebende Industriestadt war.

„Dies hier ist das älteste Haus am Platz“, sagt Horst Rosenstock, während er am eisernen Zaun vor dem markanten rot-ockerfarbigen Ziegelbau am unteren Ende der Zweibrücker Straße steht. Der seit kurzem 80-jährige Stadtführer ist ein profunder Kenner der Solinger Lokalgeschichte – und lebt seit Jahrzehnten in Ohligs. Die vielfach vom Historismus geprägten Villen des Stadtteils präsentiert er Geschichtsinteressierten im Rahmen einer Führung – sowohl zu festen Terminen, als auch auf Anfrage von Gruppen. Dabei weiß er über jedes Bauwerk eine Menge zu berichten: „Hier zeigt sich Marketing des 19. Jahrhunderts“, kommentiert er die Bauweise der mit klassizistischen Elementen versehenen Ziegelstein-Villa aus dem Jahr 1887: Denn Architekt und Eigentümer Carl Braken war Mit-Inhaber einer Ohligser Dampfziegelei. „An dieser Villa hat er praktisch sein ganzes Sortiment gezeigt“, sagt Rosenstock.

Eine verzierte, in edlem weiß gehaltene Fassade begegnet dem Passanten an der Wilhelmstraße. Die verdankt ihren Namen nicht etwa einem Deutschen Kaiser, sondern dem Industriellen Caspar Wilhelm Bremshey. Er hatte 1857 in der Poschheider Mühle eine mechanische Werkstatt eröffnet – und wenige Jahre später die Firma Bremshey & Co. gegründet. Deren Gelände wiederum füllte schließlich eine riesige Fläche zwischen Düsseldorfer und Talstraße, auf der sich um die Jahrhundertwende 600 Mitarbeiter tummelten. Da war es fast logisch, dass die Inhaber-Familie der Schirmfurniturenfabrik auch ihre Wohnsitze in die unmittelbare Nachbarschaft legte. Andere Fabrikanten taten es ihnen im späten 19. Jahrhundert gleich. Auf der Denkmalliste der Stadt Solingen finden sich viele dieser eleganten Bauten wieder.

Die Zeiten haben sich bekanntlich geändert: Viele Traditionsbetriebe sind aus Ohligs verschwunden, darunter auch die Firma Bremshey, die früh nach Trotzhilden umzog und mittlerweile komplett aufgelöst ist. Manch ein Produktions- oder Geschäftsgebäude wird inzwischen anders genutzt – wie zum Beispiel das sanierte alte Handelskontor der Metallwarenfabrik Gebrüder Weyersberg an der Wilhelmstraße, in dem heute unter anderem die Pro Familia Beratungsstelle und die Schülerhilfe untergebracht sind. Und auch die Villen haben längst neue Besitzer gefunden. Ihren Charme haben die Gebäude mit ihren angedeuteten Säulen und ihren Stuckfassaden jedoch nicht verloren – erst recht nicht für Horst Rosenstock und die Teilnehmer seiner Führungen. Die nächste Anfrage einer Gruppe, verrät er, gebe es bereits.

www.stadtfuehrungen-solingen.de