Solingen: "Etikettenschwindel" – Kritik an der FALS

Solingen : "Etikettenschwindel" – Kritik an der FALS

Die Gesamtschul-Debatte mit der Errichtung einer neuen Sekundarschule reißt nicht ab. Inzwischen gerät auch die bestehende Friedrich-Albert-Lange-Gesamtschule (FALS) in die Kritik, weil sie sich offensichtlich viel zu viele der guten Schüler herauspickt und so die Gesamtschulidee eines Unterrichtshauses mit Kindern verschiedener Begabungen vernachlässigt. "Das ist Etikettenschwindel", ärgerte sich Dr. Hans-Joachim Müller-Stöver (SPD) am Rande der jüngsten Schulausschuss-Sitzung im Gespräch mit unserer Zeitung.

Auslöser: Die Walder Gesamtschule hat bei den Anmeldungen für die neuen Klassen 5 keine Kinder mit einer Hauptschul-Empfehlung auf dem Grundschulzeugnis aufgenommen; und es sind lediglich sechs Kinder mit einer eingeschränkten Realschulempfehlung an der Altenhofer Straße untergekommen.

263 Kinder wurden abgelehnt

Zugleich haben in der FALS aber 79 Kinder mit einer Gymnasiums-Empfehlung einen Platz bekommen. Das sind mehr dieser guten Schüler als im Gymnasium Schwertstraße und fast so viele wie im Gymnasium Vogelsang, in dem 89 Kinder mit einer Gymnasialempfehlung aufgenommen wurden. Diese Zahlen gehen aus einer Statistik hervor, die auf Anfrage der CDU nun im Schulausschuss auf den Tisch gekommen ist. "Es gibt eine Gesamtschule, die sich konstant weigert, Schüler mit Hautschul-Empfehlung aufzunehmen", betonte Müller-Stöver während der Sitzung der Bildungspolitiker im Technischen Berufskolleg.

Prinzip der Gesamtschule ist nach den Worten des SPD-Politikers doch gerade, mit Kindern und Jugendlichen aller Leistungsstärken zu arbeiten und die Schulweg-Entscheidung möglichst lange offen zu halten. Ein gutes Beispiel dafür ist aus seiner Sicht die Geschwister-Scholl-Gesamtschule, die laut städtischer Statistik 41 Kinder mit einer Hauptschul-Empfehlung aufgenommen hat. Müller-Stöver: Die Geschwister-Scholl-Schule mache es doch vor.

263 Kinder sind an den drei Solinger Gesamtschulen zuletzt abgelehnt worden. Angelika Witoch von den Grünen erinnerte daran im Schulausschuss nun noch einmal. Eine Sitzung, in der die angekündigte Weichenstellung in Richtung Sekundarschule (im Prinzip eine Gesamtschule, aber ohne Oberstufe) zurückgenommen wurde (wir berichteten). Dafür haben jetzt die Eltern das Wort: bei der großen Befragung der Mütter und Väter von Kindern aus den Klassen 3 und 4 zur Wunschschule in der Sekundarstufe I. Im Oktober soll diese Befragung stattfinden.

Nach den Sommerferien wollen sich die Bildungspolitiker allerdings erst einmal mit der jetzt auf den Tisch gekommenen Anmeldestatistik in Form eines eigenen Tagesordnungspunktes im Ausschuss beschäftigen.

(RP)
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