Solingen: Erzieher gehen auf die Straße

Solingen: Erzieher gehen auf die Straße

Langsam zieht der Trauerzug vom Entenpfuhl durch die Fußgängerzone der Solinger City. Auf einer grauen Platte steht, wer symbolisch in dem großen Sarg aus Pappe zu Grabe getragen wird: "R.I.P. Bildung", Ruhe in Frieden. Verstorben ist die Bildung, insbesondere die der Jüngsten der Gesellschaft, nach Ansicht der demonstrierenden Erzieherinnen, Erzieher und Eltern an dem Gesetz mit dem knappen Namen KiBiz, dem Kinderbildungsgesetz.

"Der Anlass für unsere Demonstration ist die vollkommene Unzufriedenheit von Kollegen und Eltern", macht Marion Volkmann von der Kita Fuhr deutlich. Die Arbeitsbedingungen seien schlechter geworden, es stehe weniger Zeit und Geld zur Verfügung, die Rechte der Eltern seien beschränkt worden. Sie persönlich belaste in ihrer täglichen Arbeit vor allem der enge Personalschlüssel. "Das ist nichts neues, wir sagen das seit eineinhalb Jahren, aber die Politiker sollen doch sehen, dass wir unseren Widerstand noch nicht aufgegeben haben." Es müsse, ist sie überzeugt, ein besseres Kinderbildungsgesetz geben. Weil sie nicht nur meckern, sondern auch handeln wollten, hätten Erzieherinnen, Vertrauensleute, aber auch Fachausschüsse aus der Kita-Arbeit bereits verschiedene Alternativvorschläge erarbeitet. "Die Bedingungen in den Kitas müssen sich wieder verbessern." Ihren Traumberuf trägt Volkmann dennoch nicht zu Grabe: "Es ist noch immer mein Traumberuf, aber es ist schrecklich, was daraus geworden ist." Die mit KiBiz eingeführten Stundenkontingente, erzählt eine 52-Jährige, die ihren Namen lieber nicht nennen möchte, führten in den Einrichtungen zu großer Unruhe. "Darüber hinaus haben wir jetzt sehr junge Kinder in den Einrichtungen, deren Betreuung für zwei Erzieherinnen in einer Gruppe von 20 Kindern kaum zu schaffen ist." Sie seien, sagt die Solingerin, geradewegs zurückgeschliddert in einen Betreuungsalltag, "wo von anspruchsvoller Förderung und dem Entdecken der Welt nicht viel übrig" sei.

Um Kosten einzusparen

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Genau das jedoch wünschen sich alle Eltern für ihre Kinder. Die vierjährige Tochter von Rüdiger Schindler besucht die evangelische Kita Uhlandstraße. "Solche Gesetze werden gemacht, um Kosten einzusparen. In den Einrichtungen jedoch wirkt es sich unmittelbar negativ auf die Qualität aus." Er beobachte, dass den Kitas durch die restriktive Stundenbuchung nur noch wenig Handlungsspielraum bleibe. "Der Bezug zu den Kindern", befürchtet der Vater, der im Elternrat der Einrichtung aktiv ist, "gerät da in den Hintergrund."

(RP)