Solingen: Erstes bergisches Kandidaten-Duell

Solingen : Erstes bergisches Kandidaten-Duell

Sanfter Schlagabtausch der Bewerber für die Bundestagswahl beim Podiumsgespräch: Für den Bundestag-Wahlkampf war es noch zu früh, doch als Generalprobe war die Informationsveranstaltung der bergischen Wirtschafts-Junioren und der bergischen Presse im Haus Müngsten durchaus gelungen.

Denn mit dem Solinger Gerd Brems (FDP) und Jürgen Hardt (CDU) an einem Stehtisch sowie der Wuppertalerin Gunhild Böth (Linke), Ursula Linda Zarniko (Grüne) aus Solingen und Sven Wiertz (SPD) aus Remscheid an einem zweiten Tisch waren die Bundestags-Kandidaten des bergischen Wahlkreises 103 (Remscheid, Solingen, Wuppertal-Cronenberg und -Ronsdorf) erstmals in einer Runde versammelt, um ihre Positionen in sachlicher Diskussion bereits vor Beginn des eigentlichen Wahlkampfs deutlich zu machen.

Bei der vom Redaktionsleiter der Solinger Morgenpost, Bernd Bussang, und dem Chefredakteur des Solinger Tageblatts/Remscheider Generalanzeiger, Stefan Kob, gemeinsam moderierten Runde zeigten sich die Kandidaten oft "bergisch einig" über alle Parteigrenzen hinweg. Zum Beispiel darin, dass man den Städten ihre finanziellen Gestaltungsmöglichkeiten wieder zurückgeben möchte, damit die ihre Hausaufgaben machen und vor allem auch ihre Attraktivität verbessern können.

Wie schwierig das ist, belegte das Thema Steuern. Jürgen Hardts klare Aussage: "Wir werden keine Steuern erhöhen , weil wir in den vergangenen vier Jahren gezeigt haben, dass es auch ohne geht", schien angesichts vieler Vorhaben etwas gewagt. Dass investiert werden muss, machte ein Wirtschafts-Junior deutlich, als er die mangelnde Attraktivität des Bergischen aufgrund schlechter Verkehrsanbindung beklagte.

Die Bahn müsse von ihrem "verständlichen" betriebswirtschaftlichen Denken abrücken, beschrieb Gunhild Böth die Position der Linken, die den ÖPNV fördern will. "Nachholbedarf" bei Fernstraßen und Schienenwegen erkannte Jürgen Hardt ebenso wie Sven Wiertz. Das Bergische müsse besser erreichbar sein, auch durch den öffentlichen Personen-Verkehr, gab Wiertz als Ziel aus. Regionale Verwaltungsgrenzen, wie die zwischen den Verkehrsverbünden, unter denen auch Remscheid leidet, müssten überwunden werden. Wiertz' Forderung, "ein NRW-Tarif muss dringend gemacht werden" widersprach niemand.

Nachdem Hardt (CDU) und Wiertz (SPD) bereits beim Thema "Arbeitsmarkt" darauf verzichtet hatten, sich einen Schlagabtausch zu liefern, blieben sie auch beim Thema "Familienpolitik" zurückhaltend. Bei der Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und dem Sinn des Betreuungsgelds sprach Hardt von einem "misslungenen Beispiel für die Kofinanzierung von Bund und Ländern" und kam damit Wiertz entgegen, der für die Abschaffung des Betreuungsgelds plädierte. Zudem forderte Wiertz die Abkehr vom Bildungs-Föderalismus.

Gunhild Böth (Linke) wies auf die Erfolge der Nachbarländer hin, wo gute, preisgünstige Bildungsangebote offenbar für mehr Geburten sorgten als in Deutschland. Eine Folgerung, der keiner widersprach. Ursula Linda Zarniko (Grüne) sprach sich für Ganztagsbetreuung an Kitas und bessere Ganztagesangebote an Schulen sowie flexiblere Arbeitszeiten aus. Zudem müssten Konzepte für die Pflege älterer Menschen entwickelt werden.

Der Gastgeber, die Wirtschaftsjunioren, sind ein Netzwerk junger Führungskräfte mit deutschlandweit etwa 10 000 Mitgliedern Die drei bergischen Wirtschaftsjuniorenkreise haben zusammen etwa 120 Mitglieder.

(RP/rl)