Solingen: Erste Technik-Abiturienten

Solingen : Erste Technik-Abiturienten

Bei strahlendem Sonnenschein fand die erste Abiturfeier des Technischen Berufskollegs statt. Schuldezernent Hartmut Hoferichter konnte bei der Premiere gleich 18 Abiturienten ehren.

Die Abiturprüfungen liegen hinter ihnen. Die Schulabgänger sehen zufrieden aus. Dennoch fällt ihnen der Abschied vom Technischen Berufskolleg Solingen nicht ganz so leicht. "Viele wollten länger bleiben", weiß Schulleiter Michael Becker, "wollten noch Sachen fertig machen." Was unterscheidet das Technische Gymnasium von einem gewöhnlichen? "Es ist mehr als reine Theorie", erklärt Becker. "Hier werden Theorie und Praxis verzahnt." So gibt es beispielsweise Projektarbeiten, die die Schüler planen und dann auch in die Praxis umsetzen. In der Projektwoche "Zeit" konstruierten die Schüler Uhren aus einer vorgegebenen Menge Materials. Eine davon hängt nun im Büro des Schulleiters.

"Man hat die Möglichkeit, Theorie mit der Praxis zu verknüpfen und dennoch die Hochschulreife zu erreichen", sagt Becker, der den Bildungsgang künftig auch als hervorragende Ergänzung nach einer Gemeinschaftsschule sieht. Werkstätten können genutzt und Erfahrungen mit Maschinen gesammelt werden. Dieses praxisnahe Lernen bringt zum einen Vorteile – so wird es als sechswöchiges Praktikum an der Bergischen Universität anerkannt – aber, was noch wichtiger ist: es macht Spaß. Das bestätigen Benjamin Otto und Roy Schauwecker. "Ich finde toll, dass es so praxisnah ist", sagt Roy Schauwecker. Zwei Projekte pro Jahr sind gelaufen. "Das war gut, weil man da intensiver an die Maschinen gegangen ist." Außerdem hat dem Abiturienten die wöchentliche Fachpraxis gefallen. "Es war eine Abwechslung zum normalen Unterricht", meint ebenso Benjamin Otto.

Auch nach dem Unterricht hatten die Schüler die Werkstätten noch nutzen dürfen. "Ich habe eine Facharbeit gemacht. Auf freiwilliger Basis", erzählt Roy Schauwecker. Eines Abends sei ihm eingefallen, die Felgen für ein Modellauto selbst zu machen. "Ich hab mich an die CNC-Maschine gewagt", sagt er. Nun will er in Bottrop eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker beginnen. "Ich habe einen Drang zur Praxis." Er wolle kein Fachidiot werden. Doch sein langfristiges Ziel sei schon die Ingenieurslaufbahn.

Gemeinschaft in der Klasse

Benjamin Otto wird in Wuppertal ein Dualstudium Maschinenbau beginnen. Auch er legt Wert auf Praxisbezug. "Das Abitur hier wird mir ziemlich viel helfen, dies erfolgreich zu bestehen", ist er überzeugt. Viel Unterstützung hatten die Schüler durch ihren Werkstattlehrer Stefan Klutzny und den Maschinenbaulehrer Andreas Siemers. Doch auch die Gemeinschaft in ihrer Klasse haben die beiden 19-Jährigen genossen. "Wir haben uns gegenseitig geholfen."

Facharbeiter werden gesucht. Das ist hinlänglich bekannt. So können die achtzehn Abiturienten offenbar in eine rosige Zukunft blicken. Schulleiter Becker ist überzeugt: "Wenn sie hier Spaß an der Technik bekommen haben, wird das weiter tragen."

(RP)