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Solingen: Erschreckend aktuell

Solingen : Erschreckend aktuell

Das Ensemble Profan spielt Ödön von Horváths 1932 uraufgeführtes Stück "Kasimir und Karoline". Die Handlung, angesiedelt in der Zeit nach der Weltwirtschaftskrise 1929, ist zeitlos und aktuell.

Bewusst wurde jene Textpassage nicht verändert, in der es heißt, dass man sich für vier Mark auf dem Oktoberfest trefflich betrinken kann. Denn dadurch wird klar, wie alt jenes Stück ist, das auch in der heutigen Zeit von erschreckender Aktualität ist. Ödön von Horváths "Kasimir und Karoline" wird vom Ensemble Profan in der Regie von Michael Tesch in der kommenden Woche drei Mal auf der Studiobühne im Theater und Konzerthaus präsentiert. Premiere ist am Mittwoch um 19.30 Uhr.

Was die Zahl der Darsteller angeht, ist es seit vielen Jahren das größte Projekt des Solinger Theaterensembles. Zehn Darsteller werden auf der Bühne stehen, darunter nach fünf Jahren Pause auch wieder Markus Henning in der Rolle des Landgerichtsdirektors Speer und als Gast der Regisseur, Musiker und Darsteller Volker Eigemann, der mit Projekten wie "Trying Babylon" und der Band "Em Brass" Bühnenerfahrung mitbringt.

Handlung auf dem Oktoberfest

"Erschreckend zeitlos und aktuell" findet Regisseur Michael Tesch die Handlung, die Ödön von Horváth in der Zeit nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 legte. Es geht um zwischenmenschliche Beziehungen in Zeiten wirtschaftlicher Depression. Chauffeur Kasimir (gespielt von Uwe Dahlhaus) geht mit seiner Verlobten Karoline (Dajana Berkenkopf) zum Oktoberfest. Amüsieren will man sich, doch weil Kasimir gerade seine Stellung gekündigt wurde, ist der so gar nicht in Feierlaune. Es kommt zum Streit, beide gehen zunächst getrennt ihrer Wege auf dem Volksfest.

Karoline hat dabei keine Schwierigkeiten, Kontakte mit Männern zu knüpfen, sie lässt sich ausführen und aushalten, während Kasimir unter reichlichem Alkoholgenuss in den Dunstkreis von Kleinkriminellen gerät. Am Ende gibt es trotz mehrerer Ansätze keine Versöhnung zwischen Kasimir und Karoline, die sich am Ende fürs Leben in finanzieller Sicherheit entscheidet.

Verfilmt fürs Fernsehen

Für das Bühnenbild wurde für die Studiobühne ein Biergarten als zentraler Punkt des Geschehens ausgewählt, vom Autor vorgeschlagene Orte der Handlung, wie zum Beispiel eine Achterbahn, lassen sich selbst auf großen Bühnen kaum realisieren, erläutert Michael Tesch. Das Stück selbst, das der Autor als "sozialkritisches Volksstück" bezeichnet hat, wird trotz dieser Schwierigkeit auf den Theaterbühnen gerne inszeniert.

Und die bisweilen deftige Ausdrucksweise, die die Kritiker bei der Uraufführung 1932 am Schauspielhaus in Leipzig noch irritierte, wird heute niemanden mehr stören. Die Aktualität des Stoffes zeigt sich auch in zahlreichen Verfilmungen, zuletzt in diesem Jahr für das ZDF mit Golo Euler und Christina Hecke in den Titelrollen.

Für die Darsteller vom Ensemble Profan geht nach den Aufführungen die Probenarbeit gleich weiter für das Kinder-Weihnachtsstück des Stadtensembles.

(RP)