Solingen Ergaunerte Reifen gingen nach Griechenland

Solingen · Unter falschem Namen wurde der Lagerraum an der Melbeckstraße angemietet, unter falschem Namen die Autoreifen im Internet bestellt – und nie bezahlt. Und das in insgesamt 192 bekanntgewordenen Fällen. Das führte dazu, dass ein 44-jähriger Hartz IV-Empfänger am 6. März in Untersuchungshaft kam. Gestern stand er wegen gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betrugs in 192 Fällen vor dem Schöffengericht. Das verurteilte den Mann zu einer zweijährigen Haftstrafe und 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Lässt er sich drei Jahre lang nichts zu schulden kommen und erfüllt die Bewährungsauflagen, muss er nicht wieder ins Gefängnis.

Möglich wurde dieses Urteil nur, weil der Angeklagte sich letztlich zu einem umfassenden Geständnis durchrang, nachdem er zunächst beteuert hatte, er habe mit den Reifenbestellungen nichts zu tun. Mehr noch, er habe davon nicht mitbekommen. In einem Rechtsgespräch hatten sich Richter, Staatsanwältin und Verteidiger auf dieses Vorgehen verständigt.

Die Richterin stellte eine Strafe in Aussicht, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann, wenn der Angeklagte geständig ist. Für die Reifenschiebereien hatten der Angeklagte und ein Mann, dessen Identität noch nicht geklärt werden konnte, weil auch er Falschnamen benutzte, extra eine Firma gegründet und die Lagerräume in Solingen angemietet. Hier arbeitete der Angeklagte nach eigenem Bekunden im vergangenen November und Dezember an höchsten 20 Tagen und half beim Abladen der Lieferungen sowie beim Verladen der Fracht, die weiter nach Griechenland ging. 50 Euro am Tag will er dafür bekommen haben. Den betrogenen Reifenhändlern, die nie auch nur einen Cent Bezahlung sahen, entstand ein Schaden von insgesamt gut 78 000 Euro.

Er habe seinem Geschäftspartner nur beim Abschließen des Mietvertrages geholfen, weil dieser nicht gut Deutsch gesprochen habe", erklärte der 44-Jährige seine Beteiligung an dem Betrug. Einen falschen Namen habe er nur benutzt, weil er Hartz IV-Empfänger sei. Eine Aussage, der die Vorsitzende Richterin keinen Glauben schenkte. Dem vorbestraften Vater von drei Kindern Bewährung zuzugestehen sei dem Gericht nicht leicht gefallen.

Der Angeklagte schien mit dem Urteil zufrieden zu sein, doch eine Sorge umtrieb ihn. So fragte er, ob er in der Bewährungszeit in Urlaub fahren dürfte.

(RP)
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