Solingen: Er hatte Schleifen sicherer gemacht

Solingen: Er hatte Schleifen sicherer gemacht

"Natürlich ist uns dieses Denkmal aufgefallen, aber wir wissen nicht wer oder was eigentlich dahinter steckt!" Diesen Satz hört Stadtführer Dietmar Vogt oft, auch wenn seine Führungen ihn und seine Gruppe an den Czimatis-Platz in der Innenstadt führen.

An der Einmündung der Wupper- auf die Goerdelerstraße nämlich steht seit 1961 eine recht unscheinbare Skulptur zweier ineinandergreifender Schleifsteine, die von einem Stahlgerüst aus Vierkantrohr gehalten werden. Sie erinnern an Dr. Ludwig Czimatis, der von 1898 bis 1909 Gewerbeinspektor und Vorsitzender des Solinger Gewerbegerichts war.

Doch warum wurde diesem Mann ein Denkmal gesetzt? "Er hatte damals für die entscheidenden Weichenstellungen hinsichtlich verbesserter Arbeitsbedingungen und höherer Arbeitssicherheit der Schleifer gesorgt", erläutert Vogt. So hätten die Schleifer zur Zeit der Jahrhundertwende eine Lebenserwartung von gerade mal 40 Jahren gehabt. Der Grund: die berüchtigte Schleiferkrankheit Staublunge, die durch das ständige Einatmen des kieselsäurehaltigen Abriebs der Natursteine begünstigt wurde. Doch das sei nicht die einzige Gefahr gewesen, die in den alten Schleiferwerkstätten lauerte: Manchmal zerplatzten die mit hoher Geschwindigkeit rotierenden und zentnerschweren Steine, wobei die umherfliegenden Gesteinsbrocken die Arbeiter — mitunter tödlich — verletzten.

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Doch Ludwig Czimatis wusste Rat: Mittels eines Steingeschirrs ließ er die Steine einkapseln, wobei nur ein kleiner Abschnitt zum Schleifen freiblieb. Zudem ließ er Absauganlagen installieren, um die Gefahr des Staubs zu bannen. Die Stahlrohre an der Skulptur sollen diese Anlagen symbolisieren. Auch mussten die Werkstatträume künftig eine Mindestgröße haben und erhielten zwecks Belüftung Fenster. Obwohl lediglich auf die Sicherheit der "Schlieper" bedacht, sah sich der Gewerberat mit erheblichem Widerstand aus der traditionellen bergischen Zunft konfrontiert, da seine Ideen Investitionen und damit Kosten verursachten. Nicht zuletzt mit Hilfe der Ehefrauen der Schleifer setzte er sich schließlich durch, und auch die Statistik gab ihm Recht, wie Dietmar Vogt zu berichten weiß: "Die Lebenserwartung der Schleifer stieg in der Folgezeit spürbar an". Czimatis starb 1942 im Alter von 81 Jahren.

(RP)
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