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Solingen: Enttäuscht über Kirchenschließung

Solingen : Enttäuscht über Kirchenschließung

Erst am Donnerstagabend wird die Lutherkirchen-Gemeinde in einer Versammlung offiziell über den Plan der Kirchenleitung informiert, das Gotteshaus zum 1. Juni 2013 schließen zu wollen. Doch schon jetzt macht sich die Enttäuschung breit. Einige sehen auch keine Notwendigkeit für das Aus.

Die Nachricht, dass die Lutherkirche an der Kölner Straße geschlossen werden soll, sorgte gleich nach der Ankündigung am Montag für jede Menge Reaktionen. "Ich habe mit vielen Leuten per Internet auf Facebook korrespondiert", berichtet Pfarrer Christian Menge. "Unter den Jugendlichen herrscht eine tiefe Betroffenheit." Es habe über das Online-Netzwerk auch sofort Solidaritätsbekundungen aus der Nachbargemeinde Dorp gegeben. Von Erwachsenen habe er dagegen gestern Vormittag erst einen Anruf erhalten.

Hansjörg Schweikhart, der Vorsitzende des Lutherkirchen-Bauvereins, im Eingang der Kirche an der Kölner Straße. Foto: mak (Archiv)

Dass sich die jungen Gemeindemitglieder direkt zu Wort melden, wundert den Pfarrer, der für die Jugendarbeit zuständig ist, nicht. "Wir haben mit den jungen Leuten ein Technikteam aufgebaut, das viele Gottesdienste begleitet." Zum Beispiel mit besonderer Tontechnik. "Sie sind frustriert, weil sie sagen: ,Da habe ich jetzt etwas mit auf die Beine gestellt, und nun geht dieser Raum verloren.'"

Viele Jugendlichen seien traurig über die bevorstehende Schließung, berichtet Pfarrer Christian Menge. Foto: sk

Hansjörg Schweikhart, der Vorsitzende des Lutherkirchen-Bauvereins, will ohnehin noch nicht so recht glauben, dass das Gotteshaus in zwei Jahren tatsächlich schließt. "Der Bevollmächtigten-Ausschuss, der dies beschlossen hat, ist ja gar nicht demokratisch gewählt", moniert er. Daher könne ein solch schwerwiegender Beschluss nicht zu dessen Aufgaben gehören. Schweikhart sieht auch nicht die Notwendigkeit.

"Die Außenhaut der Kirche ist in Ordnung", erklärt er. Nur die Fugen seien ausgewaschen und müssten wieder verfüllt werden. "Der Innenausbau ist von einem Architekten aus Wuppertal mit etwa 1,5 Millionen Euro veranschlagt worden, entsprechend der DIN 276." Damit hätte die Gemeinde nur bei Stiftungen und anderen Institutionen und Behörden zur Denkmalpflege um Zuschuss bitten müssen. "Dies ist aber eingeschlafen und nicht weiter verfolgt worden", sagt Schweikhart.

Der Vorsitzende des Kirchenbauvereins sieht zudem nicht die finanzielle Klemme, die Superintendent Klaus Riesenbeck und der Bevollmächtigten-Ausschuss am Montag in einem Pressegespräch dargelegt hatten. "Die Kirchengemeinde hat von 2007 bis 2010 Überschüsse von 500 000 Euro erwirtschaftet", sagt er. Von dem Gesamtkapital in Höhe von 3,8 Millionen Euro könne die Gemeinde nur über rund eine Million nicht verfügen, weil sie zum einen durch eine Erbschaft fest gebunden und zum anderen Rücklagen für den Kirchensteuerausgleich seien. "Ich behaupte deshalb, dass etwas anderes als Geld dahinter stecken muss, dass die Kirche geschlossen werden soll", sagt Hansjörg Schweikhart.

Auch die zurückgehenden Gottesdienstbesucher will er nicht gelten lassen. "Man muss den Menschen eine lebendige Gemeindearbeit bieten", sagt er und führt die Turmbesteigungen und die "Offene Lutherkirche" an. "Beide Aktionen wurden von Bauverein angestoßen und sind sehr erfolgreich." So hätten in den ersten neun Monaten dieses Jahres bereits 503 Personen den Turm der Kirche bestiegen. 365 hätten die offene Kirche an den Wochenenden besucht. Das Interesse an der Kirche sei also grundsätzlich da.

Der Vorsitzende des Bauvereins rechnet daher damit, dass zur morgigen Gemeindeversammlung um 19 Uhr an der Kölner Straße 1a bis zu 150 Leute kommen.

(RP)