Solingen: Engagierte Genossenschaftler

Solingen: Engagierte Genossenschaftler

Fünf Straßen in der Siedlung Börkhauser Feld erinnern an führende Persönlichkeiten des Spar- und Bauvereins (SBV). Zwei von ihnen erhielten sogar das Bundesverdienstkreuz und den Ehrenring der Stadt Solingen.

Im Sommer dieses Jahres wurde der fünfte Bauabschnitt des Börkhauser Feldes fertig gestellt. Der Grundstein der Siedlung des Spar- und Bauvereins (SBV) war um die Jahrtausendwende herum gelegt worden. Und wie jede neue Siedlung brauchte auch das Gebiet in Aufderhöhe Namen für die neu angelegten Straßen. Was lag also näher, als fünf bedeutende Solinger Persönlichkeiten auszuwählen, die alle mit dem SBV zu tun hatten?

Oskar Rieß, geboren 1895 in Solingen, wurde von den Amerikanern am 17. Mai 1945 zum Oberbürgermeister der Klingenstadt ernannt. Er wurde dadurch Verwaltungschef aller in Solingen ansässigen Behörden und widmete sich laut dem Stadtarchiv intensiv dem Wiederaufbau der zerstörten Stadt. Im Jahr 1948 spendete er 10 000 Mark zugunsten in Not geratener Wohnungsinhaber. Der Kaufmann war im SBV unter anderem stellvertretender Geschäftsführer und Aufsichtsratsvorsitzender. Er starb 1957.

Moderne Wohnungen

Gerhard Hebborn (1878 bis 1967) war Ratsmitglied und Ende der 40er-Jahre Oberbürgermeister Solingens. Der Schreiner hatte schon 1910 das Amt des Geschäftsführers im Christlichen Metallarbeiterverband Solingen ausgeübt und gründete mit anderen nach dem Krieg die Solinger Metaller-Gewerkschaft. Er war Mitglied des SBV-Aufsichtsrates. 1952 wurde ihm – als erstem Solinger – das Bundesverdienstkreuz verliehen. Ebenso erhielt er den Ehrenring der Stadt.

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Otto Müller wurde 1868 in Essen geboren und studierte evangelische Theologie. 1897 wurde er, nach zwei Jahren als Hilfsprediger, in Solingen als Pfarrer eingeführt. Er amtierte kurz als Vorstandsvorsitzender des SBV und setzte sich schon vorher für soziale Reformen ein. 1935 trat Müller in den Ruhestand und zog nach Wiesbaden. Er starb schließlich 1947. Paul Kircheis gehörte vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 dem Aufsichtsrat des SBV an. 1935 wurde er wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verhaftet und 1936 zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt. Ab 1942 war er Kriegsteilnehmer, geriet später in russische Gefangenschaft. 1945 wurde er Redakteur beim „Rhein-Echo“, ein Jahr später Fraktionsvorsitzender der SPD im Rat der Stadt Solingen. Im Volksmund wurde er „Papa Kircheis“ genannt.

Karl Haberland betreute ab 1927 in der Verwaltung des SBV die Eigenbetriebe der Genossenschaft. Der 1893 in Barmen geborene gelernte Buchbinder wurde nach dem Krieg zunächst Vorstandsmitglied und dann alleiniger Geschäftsführer. Sein Ziel: Viele moderne Wohnungen zu erschwinglichen Preisen. Von 1955 bis 1961 war er außerdem Oberbürgermeister Solingens. 1968 erhielt er das Bundesverdienstkreuz, drei Jahre später den Ehrenring. Er verstarb 1978.

Die Erinnerung an ihn und die vier anderen halten die Straßen des Börkhauser Feldes wach.

Das Stadtarchiv stellte für diesen Artikel dankenswerterweise seine Arbeiten zur Verfügung.

(RP)
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