Eissporthalle Solingen: Abriss-Pläner der Lebenshilfe

Eissporthalle Solingen: Lebenshilfe: Abrisspläne für Eissporthalle

Die Halle könnte mittelfristig durch eine Behindertenwerkstatt ersetzt werden. Entwürfe für das Millionen-Projekt bestehen bereits.

Der Termin steht: Im Sommer 2020 soll die inzwischen elfte Auflage der Solingen Messe stattfinden. Und wie in den Vorjahren wird wieder die Eissporthalle an der Birker Straße der Schauplatz sein, wenn Dutzende von Ausstellern auf rund 6000 Quadratmetern Waren aus Solinger Produktion präsentieren. Wobei sich die Messe-Macher am besten schon einmal nach einem neuen Veranstaltungsort umschauen.

Der Grund: Bei der Lebenshilfe als Hallen-Eigentümerin gibt es ernsthafte Überlegungen, die 43 Jahre alte Sportstätte abzureißen und an ihrer Stelle mittelfristig eine moderne Behindertenwerkstatt zu errichten. Denn nicht nur die Halle ist technisch veraltet. Auch die Werkstatt für Behinderte an der Freiheitstraße in Wald genügt nicht mehr heutigen Ansprüchen – so dass die Lebenshilfe, die über 600 Menschen mit Behinderungen Arbeit bietet, im Stande wäre, mit dem Neubau auf einen Schlag gleich zwei Probleme zu lösen.

Zum einen wäre so nämlich eine Folgenutzung für das Eishallen-Grundstück am Südpark gefunden. Und andererseits stünde das Areal in Wald möglicherweise für Wohnbebauung zur Verfügung. Zwar wollte sich Lebenshilfe-Geschäftsführer Andreas Engeln in dieser Woche bis auf Weiteres noch nicht detailliert zu dem im Raume stehenden Vorhaben äußern. Dieses befinde sich augenblicklich erst in einem „sehr frühen Stadium“, sagte Engeln, der dementsprechend auf Anfrage betonte, er könne etwaige Pläne „weder dementieren noch bestätigen“.

Parallel ist den Verantwortlichen der gemeinnützigen Organisation aber durchaus bewusst, dass rund um das Eisstadion Handlungsbedarf besteht. So seien beispielsweise die Besucherzahlen in der Solinger Eissporthalle rückläufig und nicht mehr zufriedenstellend, berichtete Geschäftsführer Engeln am Dienstag.

Tatsächlich fällt es der Lebenshilfe zunehmend schwerer, die Halle rentabel zu betreiben, die sie seit mittlerweile mehr als 14 Jahren unter ihren Fittichen hat. Im Mai 2004 war die Halle, die bis dato ein jährliches Loch über 300.000 Euro in den städtischen Haushalt gerissen hatte, von der Stadt Solingen – zunächst in Erbpacht – an die Lebenshilfe übertragen worden. Und einige Jahre später war dann der endgültige Kauf der Immobilie erfolgt, die sich seitdem in vollständiger Verantwortung der Lebenshilfe befindet.

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Dabei gewährt die Stadt bis heute einen Zuschuss in Höhe eines niedrigen sechsstelligen Euro-Betrages pro Jahr, damit die Eissport treibenden Vereine ihre Heimat behalten. Allerdings reiche dieses Geld beileibe nicht mehr aus, um Schwarze Zahlen zu schreiben, hieß es nun es aus dem Umfeld der Lebenshilfe – weswegen kaum etwas anderes übrig bleibe, als sich Gedanken über den Fortbestand der Eishalle zu machen.

Nicht zuletzt deshalb wurde vor einiger Zeit ein Architekt beauftragt, einen Entwurf für die Nutzung des Grundstücks zwischen der Birker Straße, der Brühler Straße sowie der Straße Am Südpark zu erstellen. Dieser liegt inzwischen vor und wurde auch schon den Verantwortlichen im Rathaus sowie beim Landschaftsverband vorgestellt, wo die Präsentation über eine neue Behindertenwerkstatt nach Informationen unserer Redaktion auf positive Resonanz stieß.

Inwieweit solche Pläne, die auf einen zweistelligen Millionen-Betrag veranschlagt werden, aber bei den Clubs Gegenliebe auslösen, ist wohl eher abzuwarten. Denn immerhin gehört die Eishalle zu den festen Adressen im Solinger Sportgeschehen und ist nicht einfach zu ersetzen. So sind zum Beispiel die Eishockey-Teams des EC Bergisch Land traditionell seit Jahrzehnten in der Halle zuhause. Und zudem nutzt die Eissportabteilung des Solinger TB die Eisfläche unter anderem für vielfältige Kursangebote im Bereich Freizeitsport.

Die Sorge ist demzufolge groß, dass diese Vereine nach einen Abriss der Eissporthalle ohne Bleibe in Solingen dastehen könnten. Wobei in Rathaus-Kreisen der Klingenstadt dahingehend argumentiert wird, die Lebenshilfe könne sich nicht einfach von der Halle verabschieden. Denn eine Lesart der Übereinkunft zwischen Stadt und Organisation geht dahin, dass mit dem bislang gewährten Zuschuss aus dem Haushalt für die Lebenshilfe die Verpflichtung verbunden ist, auf jeden Fall eine Eisfläche für die Sportler vorzuhalten.

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