Einsturzgefahr – Stadtkirche Solingen-Ohligs gesperrt

Bauschäden am Dach : Einsturzgefahr – Stadtkirche gesperrt

Am Dachstuhl sind gravierende Schäden entdeckt worden. Ein Pilz hat möglicherweise Holz befallen. Die Sanierungskosten könnten bis zu 500.000 Euro betragen. Sperrung zieht sich wohl bis Dezember.

Die Gemeinde traf die Nachricht wie aus heiterem Himmel. Bei einer Routine-Begehung sind in dieser Woche am Dachstuhl der evangelischen Stadtkirche Ohligs an der Wittenbergstraße derart massive Schäden zum Vorschein gekommen, dass den Verantwortlichen jetzt keine andere Wahl mehr blieb, als die Kirche mit sofortiger Wirkung zu sperren.

Wie lange das Gotteshaus inklusive eines Anbaus nicht mehr betreten werden darf, ist einstweilen unklar. Augenblicklich bestehe „akute Einsturzgefahr“, hieß es am Donnerstag vonseiten der Gemeinde. Zuvor hatten in den zurückliegenden Tagen gleich zweimal verschiedene Experten die aufgetretenen Schäden unter die Lupe genommen und waren – unabhängig voneinander – zu dem Schluss gekommen, zu einer Schließung der Kirche gebe es keine Alternative.

Nach bisherigen Erkenntnissen ist die Befestigung der älteren von insgesamt zwei Kirchenschiff-Decken mit dem Dachstuhl betroffen. Gleich an mehreren Knotenpunkten sind die beiden Bauteile miteinander verbunden. Wobei zwei dieser Verankerungen offenbar so marode sind, dass sie gegebenenfalls nicht mehr lange imstande sein könnten, die auf sie einwirkenden Kräfte zu bewältigen.

Der eventuelle Grund: Ein Pilz oder ein Schwamm könnten tragende Holzteile der noch aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammenden Dach-Konstruktion befallen haben. Was wiederum bei den regelmäßig stattfindenden Begehungen nicht unbedingt auffallen musste. Denn wie der Kirchbaumeister der evangelischen Kirchengemeinde Ohligs, Guido Kierdorf, nun betonte, breiten sich solche Pilze beziehungsweise Schwämme mitunter rasend schnell aus. „Das dauert teilweise lediglich einige wenige Monate“, sagte Kierdorf am Donnerstag auf Anfrage unserer Redaktion.

Dabei dürfen die Verantwortlichen noch von Glück sprechen, dass der Schaden überhaupt so früh entdeckt wurde. So hatte die Gemeinde am Dienstag eigentlich nur die Möglichkeit überprüfen wollen, inwieweit die Kirche besser zu dämmen wäre. Doch stattdessen waren die Teilnehmer der Begehung schließlich auf die besagten Schäden gestoßen und hatten sich sicherheitshalber umgehend zum Handeln entschlossen.

Tatsächlich hat die Sperrung der Kirche drastische Folgen für das Gemeindeleben. Beispielsweise wurde ein für Sonntag geplantes Kindermusical kurzfristig in die Dorper Kirche verlegt, derweil normale Gottesdienste zunächst im Gemeindezentrum, Wittenbergstraße 4, stattfinden. Womit es indes nicht getan ist. „Für Feiern, die – wie etwa Konfirmationen – einen besonderen Rahmen haben, werden wir in die Friedenskirche an der Uhlandstraße ausweichen“, kündigte Pfarrer Klaus Hammes an, der in den folgenden Tagen viele Gespräche zu führen hat. Denn immerhin waren in der Stadtkirche auch Trauungen sowie Taufen vorgesehen. „Da müssen wir jetzt mit den Familien über Verlegungen reden“, sagte der Gemeindepfarrer.

Schon fest steht hingegen, dass die Sperrung der Stadtkirche lange dauert. „Wir wären froh, zu Weihnachten zurück zu sein“, gab Baumeister Kierdorf am Donnerstag der allgemeinen Hoffnung Ausdruck. Teuer dürfte es auf jeden Fall werden. So könnten sich die Sanierungskosten am Ende auf bis zu eine halbe Million Euro belaufen. Einen genauen Überblick sollen weitere Schadensuntersuchungen bringen.