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Einer der größten Kunstschätze der Stadt Solingen

Ölbild von Pieter Claesz im Solinger Klingenmuseum : Einer der größten Kunstschätze der Stadt

Im Klingenmuseum ist ein Ölbild des Malers Pieter Claesz ausgestellt. Es hat einen Marktwert von mindestens 500.000 Euro.

Etwas im Dunklen und auch noch hinter einer verfärbten Glasscheibe hing bis vor wenigen Tagen ein Stillleben von Pieter Claesz eher im Abseits des Deutschen Klingenmuseums. Dank der Spende des Gräfrather Galeristen Dirk Balke kann man jetzt durch eine matte Glasscheibe viel besser auf den bunten Tisch aus der Zeit des Barocks sehen.

So wird auch der Wert des Bildes deutlich. Tatsächlich wird es einen Marktwert von mindestens 500.000 Euro haben. „Der Wiederbeschaffungs- und damit Versicherungswert kann bei zwei Millionen Euro liegen“, erklärt der vereidigte Auktionator und Kunst-Sachverständige Dr. Achim Stanneck. Nicht nur er fordert, dass sich die Stadt besser um ihre Schätze kümmern müsse und sie prominenter ausstellen solle.

Das Bild von Claesz gehört zum städtischen Kunstbesitz. Der lagert zum Teil im Klingenmuseum, ist aber zu noch größeren Anteilen im Kunstmuseum untergebracht. Rund 11.000 Werke umfasst der Besitz. Dazu hängen weitere Bilder in Gebäuden der Stadt. Schenkungen von Künstlern direkt oder auch von deren Erben erhält die Stadt, schaffte früher auch selbst regelmäßig Kunst an. Alles begann mit einer Sammlung der Fachschule für die Stahlwaren-Industrie Anfang des 20. Jahrhunderts, die im Klingenmuseum zur Basis des Besitzes wurde.

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Kunst kann auch zur guten Wertanlage werden, wie das Bild des im niederländischen Harlem bekannt gewordenen Malers Claesz zeigt. Das Bild sei 1954 für 5000 D-Mark angeschafft worden, erklärt die Leiterin des Deutschen Klingenmuseums, Dr. Isabell Immel. Auch ihr ist klar, dass das Bild „eine Wertsteigerung erzielt haben dürfte“.

Der Galerist und Künstler Dirk Balke schätzt, dass das Bild auf Auktionen tatsächlich bis zu einer Million Euro erzielen könnte. „Es ist mit ziemlicher Sicherheit das wertvollste Bild, das die Stadt Solingen besitzt.“ Den möglichen Auktionserlös bestätigt auch Dr. Stanneck. Er sieht aktuell die Grenze aber eher bei 500.000 Euro. Es komme für den Erlös auf das Motiv an. Im Jahr 2016 taxierte das Auktionshaus Sotheby’s ein vergleichbares Stillleben auf zwei Millionen Euro.

Michaela Derra vom renommierten Kunsthaus Ketterer Kunst aus München verweist deshalb darauf: „Die Preise bei Werken von Pieter Claesz schwanken sehr stark, so können durchaus auch Millionenpreise erzielt werden.“ Claesz hängt in den größten Museen der Welt wie dem Louvre in Paris, dem Rijksmuseum in Amsterdam oder in New York im The Metropolitan Museum.

Der Kunstbesitz wird in den Bilanzen der Stadt mit fünf Millionen Euro angegeben. Darin ist das Bild von Claesz aber wohl nicht enthalten, fehlt es doch in der Inventarliste zur Wertschätzung. Zu Beginn der 1990er Jahre wurde der Besitz geteilt, erklärt Hans Knopper. Der heutige Leiter des Kulturmanagements hatte ab 1986 den Besitz inventarisiert. Im Klingenmuseum waren seit dessen Gründung im Jahr 1954 alle Kunstwerke angesiedelt. Mit Gründung des Kunstmuseums habe man die meisten Werke dorthin gegeben. Ausnahmen seien Bilder zur Tischkultur und Bilder mit Bezug zu Solinger Klingen gewesen. „Daher gibt es im Klosterhof noch weitere Schätze“, erklärt Knopper. Er hat dabei ein Bild aus der Renaissance von Giovan Battista Moroni im Blick.

Dass das kaum einer wisse, ärgert Dirk Balke: „Leider machen wir in Solingen zu wenig mit unseren Schätzen.“ Das sieht auch Stanneck so. In Bezug auf das Stillleben rät er auch dazu, das Bild prominenter zu präsentieren und weitere Werke zur Illustration neben die Vitrinen mit Klingen und Schwertern zu platzieren.

Dr. Immel vom Klingenmuseum sieht das anders: „Das Bild hängt im Raum der Marquardt-Sammlung, eine der schönsten, ehemaligen Privatsammlungen historischer europäischer Essbestecke. Von daher hängt das Bild da eigentlich sehr gut. Der Effekt auf die Brillanz der Farben allein durch die neue Scheibe ist unglaublich – Dirk Balke sei gedankt. Es bedarf sicher einer besseren Ausleuchtung, um die wir uns jetzt kümmern müssen.“

Auch den Wert werde man neu bestimmen lassen: „Wir werden das Bild noch einmal einem Sachverständigen zeigen.“ Das sei auch wichtig, pflichten Knopper und Stanneck bei. Nur wenn das Bild zum aktuellen Wert versichert sei, zahle der Versicherer bei Schäden auch den vollen Preis.