1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen

Serie Stangentaxi & Co: Eine Zeitreise per Obus quer durch die Stadt

Serie Stangentaxi & Co : Eine Zeitreise per Obus quer durch die Stadt

Die 681 ist die älteste Obus-Linie Solingens. Schon seit 1952 verkehren die Stangentaxis zwischen Mitte, später Hästen sowie Ohligs. Und die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende.

Die Zeitgenossen ahnten es schon. Jener 19. Juni 1952 war ohne irgendeinen Zweifel ein bedeutender Tag in der Solinger Verkehrsgeschichte - was paradoxerweise ausgerechnet ein Umstand unter Beweis stellte, den die Verantwortlichen von Nahverkehrsbetrieben in der Regel hassen wie der Teufel das Weihwasser. Denn als der erste Obus auf den Straßen der Klingenstadt, der pünktlich um 13.01 Uhr vom Neumarkt in der Stadtmitte aus gestartet war, sein Ziel Ohligs erreichte, hatte er eine merkliche Verspätung auf der Uhr.

Gleichwohl vermochte das kleine Missgeschick an diesem Frühsommertag niemandem die Laune zu verderben. Die Verspätung war nämlich nur deshalb zustande gekommen, weil der Premieren-Obus gleich bei seiner Jungfernfahrt quer durch die Stadt auf reges Fahrgastinteresse gestoßen war. Der Andrang hatte sich schlicht und ergreifend als so groß erwiesen, dass der Busfahrer an den Haltestellen immer wieder längere Pausen als zunächst vorgesehen hatte einlegen müssen.

Knapp 66 Jahre sind inzwischen vergangen - wobei die Solinger Obusse seitdem, trotz nach wie vor zu beklagender gelegentlicher Verspätungen, eine Erfolgsgeschichte geschrieben haben, die sich durchaus sehen lassen kann. Auch und gerade jene Linie 1, mit der 1952 alles begann und die bis zum heutigen Tag als Obus-Linie 681 so etwas ist wie eine Hauptschlagader des Oberleitungsnetzes in der Klingenstadt.

In der ersten Ausbaustufe überwand die Linie 1, die zwei Jahre nach ihrer Inbetriebnahme um die Linie 2 (heute 682) zur sogenannten Ringlinie erweitert wurde, auf einer Strecke von 8,3 Kilometern insgesamt 106 Höhenmeter. Exakt 25 Minuten benötigten die Obusse von Mitte nach Ohligs, die durchschnittliche Geschwindigkeit lag bei 21 km/h. Und 1955 wurde die Linie 1 zudem über den Graf-Wilhelm-Platz hinaus bis nach Hästen verlängert.

Dabei waren Fahrten mit den Obussen vom Osten in den Westen der Stadt bereits in ihren Anfangsjahren die perfekte Gelegenheit, Solingen in all seinen Facetten näher kennenzulernen. Denn jenseits der Busfenster glitten gleich mehrere Stadtteile an den Fahrgästen vorbei: vom bergischen Solingen-Mitte auf einer Höhe von mehr als 200 Metern bis runter ins eher rheinisch geprägte Ohligs.

Und auch heute lohnen noch die Fahrten mit der Linie 681, wenn man sich ein möglichst detailliertes Bild von der gesamten Klingenstadt verschaffen möchte. Denn längst ist die Tour zu so etwas wie einer Reise in die Geschichte sowie die Zukunft Solingens geworden.

Auf der einen Seite passieren die Fahrzeuge in Merscheid am Industriemuseum ein Stück industrieller Vergangenheit der Stadt. Auf der anderen Seite wartet zwei Haltestellen später in der Nähe des Haltepunktes Cobra das Quartier Ohligs-Ost, das auf dem besten Weg e ist, sich in einigen Jahren mit neuen Hightech-Unternehmen zu einer Art Silicon Valley des Bergischen Landes zu mausern.

Alt und Neu - das trifft auch auf die Obusse selbst zu. Der erste Obus, der am 19. Juni 1952 zu seiner Jungfernfahrt aufbrach, war ein ÜH IIIs, ein Fahrzeug mit Achse der Firma Henschel sowie einem Aufbau, der in der Waggonfabrik Uerdingen produziert worden war. Und geht es nach den Stadtwerken Solingen, wird die Tradition zwischen Hästen und Ohligs eines Tages mit dem modernen BOB, dem batteriebetriebenen Obus der jüngsten Generation, fortgeschrieben.

(or)