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Solingen: Eine Zeit des freudigen Miteinanders

Solingen : Eine Zeit des freudigen Miteinanders

Am 9. Juli hat der Fastenmonat Ramadan begonnen. Noch bis Anfang August fasten die meisten gläubigen Muslime. So auch der Solinger Eray Ünver. Für ihn ist das kein harter Zwang, sondern eine Pflicht, die er gerne auf sich nimmt.

In dieser Nacht ist Eray Ünver wieder vor Sonnenaufgang aufgestanden. Seine Familie hat gebetet und aus dem Koran rezitiert. Alle haben gemeinsam zu dieser frühen Stunde gefrühstückt. Den ganzen Tag über wird der Beauftragte der islamischen DiTiB-Gemeinde für die interkulturelle Zusammenarbeit und den interreligiösen Dialog weder etwas essen noch trinken. Erst nach Sonnenuntergang kommt man erneut zusammen, um nach dem sogenannten Magreb-Gebet gemeinsam die festliche Abendmahlzeit, das Iftar, einzunehmen.

Noch bis zum 7. August hält Ünver sich wie die meisten gläubigen Muslime streng an die Vorschriften, die der Koran für den Fastenmonat Ramadan macht.

"Für mich ist dies kein harter Zwang, sondern eine Pflicht, die ich sehr gerne auf mich nehme", betont der 28-Jährige. Das Fasten (Saum), so erklärt Ünver, bilde neben dem Bekenntnis, dem Gebet, dem Almosen und der Pilgerreise eine der fünf Säulen des Islam. Bereits seit seinem sechsten Lebensjahr besucht der Solinger die Moschee. Seitdem er 17 Jahre alt ist fastet er während des neunten Monats im islamischen Mondkalender.

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Der gelernte Reiseverkehrskaufmann geht trotz des Fastens ganz normal seinem Beruf nach. "Natürlich ist es nicht immer einfach", räumt er ein. "Im letzten Jahr hatte ich während des Ramadan dauernd Hunger, nun ist es aufgrund der hohen Temperaturen der Durst, der mir zu schaffen macht." Trotzdem ist der Fastenmonat für Eray Ünver eine sehr schöne Zeit. Eine Zeit, in der er noch enger mit seiner Familie zusammenrückt, viele Besuche macht und selbst oft Einladungen zu Essen ausspricht. Und eine Zeit, die ihm die Gelegenheit bietet, seinen Glauben und sich selbst intensiv kennenzulernen.

"Ich freue mich jedes Jahr wieder auf den Ramadan und die gemeinsamen Abende", erzählt er. Nächste Woche Donnerstag wird der Integrationsbeauftragte in die Türkei fliegen, um auch dort den Ramadan zu erleben. Eray Ünver freut sich über interessierte Fragen zu seinem Glauben und den Festen des Islam. "Viele Menschen haben noch Vorurteile oder verstehen den tieferen Sinn des Fastens nicht. Mir ist es wichtig, ihnen von meinem Glauben zu erzählen, so, wie ich verstehen möchte, was hinter christlichen Festen wie Weihnachten steckt", betont das Mitglied des Zuwanderer- und Integrationsrates.

Gerne erklärt er die Geschichte des Ramadan anhand des Korans. "Durch die religiösen Unterschiede kann ein wunderbarer Dialog entstehen", findet er. "Besondere Anlässe wie der Ramadan sind eine willkommene Gelegenheit, um miteinander ins Gespräch zu kommen."

Heute Abend beispielsweise treffen sich Christen und Muslime im Stadtsaal Wald zum gemeinsamen Fastenbrechen. Noch bis zum 7. August wird Eray Ünver fasten. Dann beginnt mit dem dreitägigen Ramadanfest eines der beiden wichtigsten Feste des Islams.

(RP)