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Eine Solinger Institution in vierter Generation

Serie „Mein Solingen“: Kiosk im Brückenpark Müngsten : Solinger Institution in vierter Generation

Seit 1951 betreibt Familie Böhm den Kiosk unterhalb der Müngstener Brücke. Seitdem hat sich im Tal der Wupper vieles verändert. Aber eines ist bis heute geblieben: Müngsten gehört zu den größten Sehenswürdigkeiten in der Region.

Richtig fallen können die die weißen Flöckchen zwar nicht mehr. Aber auf das kleine Mädchen, das an diesem Morgen mit seiner Familie einen Ausflug in den Brückenpark unternimmt, übt die historische Schneekugel immer noch eine fast magische Faszination aus. Denn tatsächlich erzählt der Glasbehälter mit der Müngstener Brücke en miniature eine spannende Geschichte darüber, wie es früher einmal war, hier im Tal der Wupper in Müngsten.

Früher – das ist die Zeit, als Stefan Böhm ungefähr so alt war wie die junge Besucherin heute. Schon seit 1951 führt die Familie des Solingers unterhalb der wuchtigen Brücke aus Stahl einen Kiosk. Inzwischen hat die vierte Generation übernommen. Und der Kiosk, in dem es neben bergischen Gebäck unter anderem auch Eis sowie Kaffee gibt und in dessen Garten die Gäste eine Runde Minigolf spielen können, ist längst zu einer echten Solinger Institution geworden, die weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist.

 Jürgen Haase aus Wuppertal-Cronenberg fährt regelmäßig mit dem Rad in Brückenpark Müngsten.
Jürgen Haase aus Wuppertal-Cronenberg fährt regelmäßig mit dem Rad in Brückenpark Müngsten. Foto: Martin Oberpriller

„Vor allem an schönen Sommertagen ist im Brückenpark Müngsten viel los“, sagt Claudia Böhm. Die Ehefrau von Stefan führt heute den Kiosk, der jahrzehntelang von den Eltern ihres Mannes, Gerd und Elsa Böhm, geleitet wurde. Gegründet worden war das kleine Lädchen wiederum kurz nach dem Krieg vom Urgroßvater der Familie.

 Der Minigolfplatz gehört zum Kiosk der Familie Böhm und ist bei Ausflüglern sehr beliebt.
Der Minigolfplatz gehört zum Kiosk der Familie Böhm und ist bei Ausflüglern sehr beliebt. Foto: Martin Oberpriller
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Dabei wurde der Kiosk im Lauf der Zeit immer beliebter. „In den 1970er Jahren kamen zahlreiche Busse mit Touristen aus den Niederlanden“, berichtet Stefan Böhm, der damals ein kleiner Junge war. Und der sich genau daran erinnern kann, wie es seinerzeit in Müngsten zuging. In den Hochzeiten gab es drei Restaurants und 13 Kioske, von denen insgesamt drei von der Familie Böhm geführt wurden.

„Das lief, wie heute noch, neben der eigentlichen Arbeit“, sagt Stefan Böhm. Der aktuelle Kiosk, der ungefähr in der Mitte des Müngstener Brückenparks liegt, war zunächst ein Häuschen aus einfachen Brettern gewesen. 1968 legte dann Vater Gerd den Minigolfplatz hinter der Verkaufsstelle an. Und auch einige Rückschläge, wie beispielsweise das Jahrhunderthochwasser vom Februar 1970, als der kleine Kiosk in den Fluten der Wupper förmlich versank, vermochten den Böhms nichts anzuhaben.

Der letzte Umbau datiert aus dem Jahr 1985. Seitdem hat der Kiosk sein Aussehen kaum mehr verändert. Die Vorlieben der Kundschaft wandelten sich hingegen schon. Während früher viele Andenken verkauft wurden, nimmt sich die Nachfrage nach Devotionalien wie der eingangs erwähnten Schneekugel mittlerweile eher bescheiden aus.

Lediglich diese eine Schneekugel hat all die Jahre „überlebt“ und wird von den Böhms zusammen mit anderen Erinnerungen in einer kleinen Kiste aufbewahrt. Was aber nicht heißt, dass der Blick in Müngsten nach hinten gerichtet ist. Im Gegenteil, einige Hoffnung verbindet Claudia Böhm mit der Bewerbung der Brücke als UNESCO-Weltkulturerbe.

„Das könnte einen Schub bringen“, sagt Betreiberin, die sich für den Kiosk bereits länger einen Kanalanschluss wünscht. Dass Müngsten zu den echten touristischen Highlights der Region gehört, daran hegen jedenfalls weder sie, noch ihre Kunden Zweifel. „Ich bin beinahe jeden zweiten Tag mit dem Rad hier“, berichtet etwa Jürgen Haase aus Wuppertal-Cronenberg. Der Grund ist ganz einfach. Haase: „Die Landschaft ist immer wieder aufs Neue faszinierend schön“.