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Solingen: Eine Ausbildung fürs Leben

Solingen : Eine Ausbildung fürs Leben

Jede Menge halbe, ungeschliffene Pinzetten liegen auf der hölzernen Arbeitsplatte. Abdulai Jalloh nimmt zwei der Hälften und legt sie – ihre oberen Enden genau übereinander – in die Maschine vor sich. Einige Sekunden später saust von oben zwei Mal ein Pin auf die Metallteile, und schon sind sie miteinander verbunden. Aus den beiden Hälften ist eine ganze Pinzette geworden.

"Punktschweißen nennt man diesen Arbeitsschritt", erklärt Akif Can. Der 57-Jährige, dem der Pinzettenbetrieb an der Talstraße in Ohligs gehört, ist sehr zufrieden mit seinem neuen Auszubildenden Abulai Jalloh. "Er ist pünktlich und sehr interessiert", lobt er den jungen Mann. Dieser hatte noch im Juli – an seinem 18. Geburtstag – befürchtet, ganz allein in seine frühere westafrikanische Heimat Sierra Leone abgeschoben zu werden. Erst durch die Ausbildungsstelle bei Akif Can hat er schließlich die Aufenthaltserlaubnis bekommen und kann weiterhin bei seinem Vater in Solingen leben. Den hatte der Junge nach dem Tod seiner Mutter nach langer Suche endlich in Deutschland gefunden.

"Die Ausbildung ist gut", sagt Abdulai Jalloh. Auch in der Berufsschule komme er problemlos mit. "Das ist nicht so schwierig." Dort traf er außerdem einen Jugendlichen, der noch keine Lehrstelle gefunden hatte. Kurzerhand fragte der 18-Jährige bei seinem Lehrmeister an – und der hat nun noch einen zweiten Auszubildenden in seinem Pinzettenbetrieb. "Im Moment ist die Auftragslage gut, sogar besser als in den vergangenen Jahren", berichtet Akif Can. Deshalb habe er den zweiten Lehrling nehmen können. "Ich helfe gerne, wenn ich kann. Und beide geben sich sehr viel Mühe."

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Der Umgang mit Jugendlichen fällt dem 57-Jährigen, der 1976 nach Solingen kam, nicht schwer. "Ich habe vier Kinder, die mittlerweile alle erwachsen sind", erzählt er. Zwei von ihnen leben noch im elterlichen Haus an der Talstraße. "Vor elf Jahren habe ich das Objekt – eine frühere Brotfabrik – gekauft und mir damit den Traum erfüllt, unter einem Dach zu leben und zu arbeiten."

Begeisterter Fußballer

In seiner Jugend spielte Akif Can Fußball. "Ich hatte in der Türkei sogar einen Profivertrag und habe später in Berlin in der Amateurliga gespielt." Von seiner Begeisterung für den Ballsport zeugt noch heute das Firmenschild an der Talstraße, auf dem unter anderem ein Fußballer abgebildet ist. Zur Pinzettenherstellung kam Can durch Zufall – als er bei einem Freund zu Besuch war und in der Produktion kurz aushalf. "Die Arbeit macht mir Spaß", sagt der Firmenchef. "Man braucht dafür Gefühl und darf nicht hektisch sein." Fünf Angestellte seien neben den beiden Azubis an der Talstraße tätig. Gemeinsam schweißen und schleifen sie die Pinzetten, stempeln Logos hinein und behandeln die Oberflächen so, dass keine ungewollten spitzen Ecken mehr dran sind.

"Wir stellen 15 000 bis 20 000 Stück am Tag her, in hunderten verschiedenen Formen und Qualitäten, aber grundsätzlich mit Solinger Qualität", berichtet Can. Die Kunden säßen nicht nur in Solingen, sondern unter anderem in Italien, der Türkei, in den USA und in Israel. "Pinzetten sind Cent-Artikel." Da müsse man darauf achten, konkurrenzfähig zu bleiben. Das werde er auch seinen Lehrlingen in den kommenden zwei Jahren beibringen. Denn Akif Can ist überzeugt: "In einer Ausbildung muss man fürs Leben lernen, sonst hat man keine Chance."

(RP)