Solingen: Ein Prost aufs Dürpelfest

Solingen : Ein Prost aufs Dürpelfest

Stimmungsvoll ging das 38. Dürpelfest über die Bühne. Zehntausende Besucher flanierten zwischen Bierbuden und Imbissständen oder tanzten fröhlich zu Musik. Für Misstöne sorgten allerdings einige Schlägereien.

Dass das traditionsreiche Volksfest einen Ur-Ohligser auch fern der Heimat nicht kalt lässt, beweist Christina Sander: "Das Dürpelfest lasse ich mir nicht nehmen", sagte die gebürtige Solingerin, die aus ihrer Wahlheimat Berlin angereist war: "Ohne dieses tolle Fest würde mir etwas fehlen." Auf dem Weg durch das Getümmel auf der Düsseldorfer Straße treffe man alte Bekannte, die man seit Jahren nicht mehr gesehen habe, erklärt Jürgen Neuhaus den besonderen Reiz des Ohligser Straßenfestes.

Die Kirmes gehört zum Dürpel wie Musik und Bier. Vor allem bei jungen Leuten ist sie beliebter Treffpunkt. Foto: Stephan Köhlen

Abenteuerliche Fahrgeschäfte wie die Überkopfschaukel "Salto Mortale" brachten auch erprobte Karrusselfahrer zum Kreischen. Auf sechs Bühnen boten zahlreiche Bands ein vielseitiges Musikrepertoire. Dazu gehörten auf der Bühne der Solinger Morgenpost die Beatles-Coverband "Rubbersoul" genauso wie "Das dynamische Duo" mit buntem Mix aus neueren Popmusiktiteln und Klassikern. "Viele Leute verlassen das Fest mit dem Gefühl: Das war so schön, dass man auch gerne noch länger da geblieben wäre", erzählte Conny Strodtkötter, Vorsitzende der Ohligser Werbegemeinschaft (OWG).

"Es ist eigentlich schade, dass immer schon um kurz nach zehn die Musik ausgeschaltet werden muss", merkte Dürpelbesucher Robert Trosiner an. "Das Fest findet doch nur einmal im Jahr für ein Wochenende statt." Längere Öffnungszeiten hält Conny Strodtkötter für schwer durchsetzbar. Zumal man in der Planung der Uhrzeiten schließlich auf alle Beteiligten eingehen wolle: Auf die Familien mit Kindern, die um die Mittagszeit mit einer Schale Champignons oder einem Crépe gemütlich über die Düsseldorfer Straße flanieren, die Partyhungrigen, die die Abende mit Freunden am Bierstand oder vor einer Bühne verbringen — und auf die Anwohner, die das bunte Treiben direkt vor ihrer Haustür haben.

Organisation ist ein Kraftakt

"Wir sind ja froh, dass wir in diesem Jahr überhaupt feiern können", sagte Strodtkötter in Anspielung auf den Kraftakt, den die Organisatoren und deren Unterstützer erbringen mussten, um das Fest finanzieren zu können. Die Sicherheitsbestimmungen nach der Katastrophe von Duisburg waren schon im vergangenen Jahr erfolgreich umgesetzt worden.

Neu waren diesmal die einheitlichen Getränkebecher und die erhöhten Bierpreise, mit denen die Veranstalter die niedrigen Standgebühren für die Vereine auf dem Fest erhalten wollen. "Die Resonanz auf die Becher ist sehr positiv, und über die Preise beschweren sich die Leute angesichts des tollen Programms auf dem Dürpel auch nicht", berichtete Conny Strodtkötter.

Ihr letztes Dürpelfest als OWG-Vorsitzende hatte mit einer Schrecksekunde begonnen: Am Donnerstagabend riss ein Lieferwagen den gerade vor ihrer Metzgerei aufgebauten Stand mit, eine Mitarbeiterin war dabei leicht verletzt worden. Sorgen bereiteten den Veranstaltern auch einige Schlägereien unter stark angetrunkenen Jugendlichen. Die Polizei erstattete mehrere Strafanzeigen wegen Körperverletzung und Beleidigung.

(RP)