Solingen: Ein neues Bein für Safiullah

Solingen : Ein neues Bein für Safiullah

Orthopädietechniker Michael Schmiedel vom Sanitätshaus Köppchen hilft den achtjährigen Jungen aus Afghanistan, der über das Friedensdorf Oberhausen zur Behandlung nach Deutschland gekommen ist.

Safuillah schaut sehr ernst für einen achtjährigen Jungen, als Michael Schmiedel die grüne Binde abwickelt. Zum Vorschein kommt sein rechtes Bein, das kurz unter dem Knie amputiert wurde. Stark vernarbt ist die Haut, eine kleine Wunde hat sich leicht entzündet, doch für den Orthopädietechnikermeister von Sanitätshaus Köppchen ist das kein Problem. Er wird dem Jungen aus Afghanistan ein neues Bein schenken.

Safuillah kam über das Friedensdorf Oberhausen nach Deutschland. Die Hilfsorganisation holt pro Jahr rund 600 schwerkranke Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten zur Behandlung nach Deutschland. Mit dem 64. Afghanistan-Einsatz des Friedensdorfes kam auch Safiullah im Februar hierher. Seinen Unterschenkel verlor er bei einem Autounfall, eine weitergehende Behandlung hätten sich seine Eltern in der Heimat niemals leisten können. Zunächst wurde der Junge im St. Elisabeth-Krankenhaus in Neuwied mehrfach operiert, inzwischen lebte er im Friedensdorf und hofft sehr, bald wieder nach Hause zu kommen. Dass er beim nächsten Rücktransport nach Afghanistan im Flugzeug sitzt, dafür will Michael Schmiedel alles tun.

Prothese wird bald fertig sein

"So in zirka zwei Wochen kann die Prothese fertig sein, sagt er zu Karin Harz, die den sympathischen Jungen gestern nach Ohligs gefahren hatte. Die Wuppertalerin ist eine der vielen ehrenamtlichen Helfer, die das Friedensdorf hat und in die sich jetzt auch Michael Schmiedel einreiht. Der Geschäftsführer des Ohligser Sanuitätshauses Köppchen wurde durch einen Friedensdorf-Vortrag von Uli Preuss auf die Hilfsorganisation aufmerksam und entschloss sich spontan, seinen Beitrag zu leisten. Am 20. Mai hat Schmiedel zum ersten Mal einen Blick auf den Beinstumpf des kleinen Afghanen geworfen, das Friedensdorf hatte Bilder per Mail geschickt. Der erfahrene Orthopädietechniker wusste, was zu tun ist und sah den kleinen Jungen zum ersten Mal. Gestern war bereits die zweite Sitzung im Sanitätshaus. Das Anfertigen der Prothese bedeutet für den 50-Jährigen schon eine Herausforderung. Zum einen ist das Bein unterhalb des Knies sehr vernarbt, zum anderen ist das Kniegelenk selbst nur eingeschränkt beweglich. Michael Schmiedel fertigt zunächst einen Gipsabdruck, hiernach wird der Prothesenschaft hergestellt, der später den künstlichen Unterschenkel und den Fuß halten wird.

Wenn Safiullah das nächste Mal von Oberhausen nach Solingen kommt, hat sein neues Bein schon Form angenommen. In welcher Farbe es sein soll, das kann sich der Junge bis dahin noch überlegen, denn längst nicht alle Prothesenträger entscheiden sich für Hautfarbe. So bekommt gerade ein kleiner italienischer Junge einen künstlichen Unterarm, der wie das Trikot seines Lieblings-Fußballvereins aussieht.

Safiullah hat sich gestern noch für keine Farbe entschieden, und Michael Schmiedel wickelt ernst einmal eine grasgrüne elastische Binde um den Beinstumpf des Jungen, über dessen Gesicht am Ende der Sitzung im Sanitätshaus ein kleines Lächeln huscht.

www.friedensdorf.de

(RP)
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