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Im Blickpunkt 71. Bergische Kunstausstellung: Ein guter Jahrgang stellt die Kunst auf scharf

Im Blickpunkt 71. Bergische Kunstausstellung : Ein guter Jahrgang stellt die Kunst auf scharf

Mit der Verleihung des Kunstpreises der National-Bank wurde am Donnerstag die Internationale Bergische Kunstausstellung 2017 eröffnet.

Recht bescheiden und dezent mutet der Auftritt von Morgaine Schäfer in der 71. Bergischen Kunstausstellung im Solinger Kunstmuseum an. Obwohl der oder die aktuelle KunstpreisträgerIn der National-Bank AG in der Schau eine "Carte blanche" erhält, hat die Künstlerin sich gegen den Eingangssaal oder den hohen Sakralraum entschieden, sondern ihre beiden Fotografien im hinteren Teil des oberen Saals für Wechselausstellungen platziert. Die Hängung über Eck macht allerdings Sinn, denn so tritt die Künstlerin in ihren beiden preisgekrönten Selbstportraits (Archiv No. 2301 - Pose 1 und Pose 2) nicht nur mit den Betrachter der Bilder in Blickkontakt, sondern auch mit sich selber. Was allerdings nur eine der vielen inhaltlichen Ebenen darstellt, die Morgaine Schäfer den Betrachter ihres Werkes anbietet.

So hat die Künstlerin in beiden Fotografien Posen eingenommen, die die Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts zitieren. Ein Dia in der Hand verwiest auf die persönliche Geschichte der Künstlerin. Das von ihrem Vater aufgenommenes Dia zeigt ihre Mutter. "Zum Zeitpunkt der Aufnahme war meine Mutter so alt, wie ich heute bin", erzählt Schäfer. Dank der "unnatürlichen Schärfe" der Aufnahme, so die Absolventin der Düsseldorfer Kunstakademie, ist jedes Detail zu erkennen - auch, was das kleine Dia zeigt.

# Emil Walde in seiner Installation "Transmutation". $ Eine Skulptur von Ivan Geddert. Im Hintergrund Bilder von Allan Rand. Foto: Köhlen Stephan

Vergleicht man die Bergische Kunstausstellung einmal mit einer Weinlese, dann ist die 71. Auflage der Schau wahrlich ein guter Jahrgang geworden. Innovative frische Positionen, abwechslungsreich und spannend präsentiert - und als Gruppenausstellung insgesamt wirklich dem Anspruch gerecht werdend, einen komprimierten Überblick über das aktuelle Kunstschaffen aus der Region zu geben. Wobei allerdings der Name Bergische eigentlich schon seit Jahren nur noch den Ort der Ausstellung bezeichnet. Auch 2017 finden sich in der Liste der Künstler keine Solinger, Remscheider oder Wuppertaler. So könnte man die Bergische auch als einen kleinen, allerdings jurierten Herbst-Rundgang der Kunstakademie Düsseldorf bezeichnen. Denn das Gros der beteiligten Künstler hat dort studiert - oder studiert sogar noch - wie etwa Donja Nasseri, seit 2016 in der Klasse von Prof. Gregor Schneider. Nasseri setzt sich in ihrer Installation mit dem eigenen Migrationshintergrund auseinander. "Buzkashi" besteht aus einer Erzählung, zu hören über einen Kopfhörer, und einem schwarzen Regal, auf dem Porzellanpferde stehen. Der Titel bezieht sich auf ein afghanisches Reiterspiel, in dem Männergruppen auf Pferden um eine tote Ziege kämpfen. Die erzählte Geschichte suggeriert, das Regal gehöre einem aus Afghanistan emigrierten Mann, der sich, um seine Männlichkeit zu bewahren, mit Pferden und dem Spiel aus seiner Heimat beschäftigt hat. Donja Nasseri transformiert durch Erzähltext, Bilder und Objekte Themen der Flucht und Kultur in ein faszinierendes Kunstwerk. Fiktion oder Realität? Diese Frage lässt die Künstlerin offen.

Auch Emil Walde studiert noch an der Düsseldorfer Akademie - in der Klasse von Prof. Franka Hörnschmeyer. Der 1991 in München geborene Künstler hat im unteren Ausstellungsraum einen offenen und teilweise begehbaren Raum geschaffen. Die Wände bestehen aus transparenter Folie, Schleier und Fliegengitter, der Raum erlaubt so Ein- und Durchblicke. Die Stichwörter des Künstlers, dessen Installation "Transmutation" einer der Highlights der diesjährigen Bergischen ist, lauten Außen und Innen, Transparenz, Schichtung und Oberfläche. Zwischen den Schichtungen hat Geddert mit offen sichtbarer Technik Lampen installiert, deren Licht die hintere Wand des Ausstellungssaals illuminieren und diese somit als Teil der Installation mit einbezieht. Auch ein Eckfenster im Museum ist Teil des Werkes. Und ein Blick in den Hof zeigt vor dem Fenster eine weitere vom Künstler installierte, und ebenfalls mit einem transparentem Fliegengitter bespannte Wand.

Intensiv hat sich Walde bei mehreren Vorabbesuchen mit dem Ausstellungsraum beschäftigt. "Raum verstehe ich als etwas, das uns definiert, jedoch auch als etwas, das abhängig von unserem Verständnis über Raum, von uns definiert wird", beschreibt der Künstler. Der Material als eine Möglichkeit sieht, Räumlichkeiten "aufzuweichen und neu zu modellieren".

(RP)