Solingen: Ein gewissenhafter Arbeiter

Solingen : Ein gewissenhafter Arbeiter

Die städtische Verwaltungsspitze ist wieder komplett. Am vergangenen Mittwoch zum 1. Oktober hat Robert Krumbein als Beigeordneter zuständig für die Bereiche Bürgerservice, Recht, Soziales, Sicherheit und Ordnung.

Die Wände seines neuen Büros sind noch weiß. Einzig eine Stadtkarte von Solingen ziert den Raum des neuen Beigeordneten Robert Krumbein. Am Mittwoch hat er seinen Dienst in der Klingenstadt angetreten. Er ist innerhalb der Verwaltungsspitze um Oberbürgermeister Franz Haug zuständig für die Bereiche Bürgerservice, Recht, Soziales, Sicherheit und Ordnung.

Das sieht ja noch alles recht kahl bei Ihnen aus. Kommen da noch Bilder an die Wände?

Krumbein Ich mag es im Büro eher sachlich und nüchtern. Dann kann einen nichts von der Arbeit ablenken.

Auch Ihr Schreibtisch macht einen geordneten Eindruck. Sind Sie auch ein geordneter Mensch?

Krumbein Ich bin auf jeden Fall jemand, der Dinge konzentriert und gewissenhaft abarbeitet.

Im April sind Sie vom Stadtrat gewählt worden; im Juni haben Sie von Oberbürgermeister Franz Haug Ihre Ernennungsurkunde bekommen. Hatten Sie bis zu ihrem Dienstantritt Gelegenheit, sich mit der Stadt vertraut zu machen?

Krumbein Bis vorige Woche Montag habe ich noch an meiner alten Arbeitsstelle komplett gearbeitet und so war weniger Zeit als erwartet. Trotzdem habe ich in der Zwischenzeit mit meiner Frau versucht, die Stadt schon einmal touristisch zu erschließen. So sind wir auch schon ein Stück entlang der Wupper gewandert. Außerdem haben wir uns schon einmal informiert, wo es hier schöne Flecken zum Wohnen gibt.

Da sind Sie doch sicher fündig geworden?

Krumbein Das schon. Aber leider können wir an den Häusern, die uns gefallen haben, nicht einfach so klingeln und fragen, ob sie zu verkaufen sind ...

....vor allem, da Sie ja noch ein Eigenheim in Dormagen haben.

Krumbein Durch die derzeitige Lage auf dem Immobilienmarkt ist der Verkauf viel schwieriger als gedacht, so dass ich wohl doch noch einige Zeit pendeln muss.

Ihr Schreibtisch liegt voll mit Papier; das Telefon klingelt ständig. Da bleibt wohl nicht viel Zeit zur Einarbeitung und Eingewöhnung?

Krumbein Einige Vorgänge haben die Kollegen, die mein Ressort kommissarisch betreut haben, zumindest kurz vor meinem Amtsantritt nicht abgeschlossen, um mir die Gelegenheit einer eigenen Meinungsbildung zu erhalten.

Andere Entscheidungen sind hingegen bereits ohne Sie getroffen worden. Am 16. Oktober präsentiert die Verwaltungsspitze den Finanzplan, den Haushalt der Stadt Solingen für die Jahre 2009/2010. Vergangenen Dienstag hat die Verwaltungsspitze ohne Sie die letzten Feinheiten festgelegt.

Krumbein Vor allem, da es ein Doppelhaushalt ist, ist es aus meiner Sicht sehr bedauerlich, dass ich nicht dabei sein konnte. Aber Dienstantritt war nun mal der Mittwoch und die Einbringung des Haushalts lange so geplant.

Letzten Endes dreht es sich in dem Haushaltsplan aber doch nur ums Sparen.

Krumbein Ich habe nicht die Illusion, dass der Haushalt vom Regierungspräsidenten genehmigt werden wird, selbst das Haushaltssicherungskonzept nicht. Die Arbeit wird sich auch im kommenden Jahr an den sehr engen Spielräumen der vorläufigen Haushaltsführung orientieren. Für mich steht eines fest: Ich werde alles dransetzen, die Sparvorgaben, die der Rat zum Schluss beschließen wird, einzuhalten, und nicht nach Ausreden suchen, warum irgend etwas nicht geht.

Sie waren viele Jahre Fraktionsvorsitzender in Dormagen. Was ist anders als Beigeordneter?

Krumbein Als Beigeordneter ist man beim Entstehen einer Vorlage eingebunden. Erst der fertige Vorschlag wird ja der Politik zur Abstimmung präsentiert. Ich habe einen guten Eindruck von dieser Stadtverwaltung. Hier wird mit einer hohen Sachkompetenz gearbeitet. Natürlich muss man aber als Stadtverwaltung im Vorfeld wissen, in welche Richtung Politik will, denn die Ressourcen der Stadtmitarbeiter sind viel zu eng, als dass diese für den Papierkorb arbeiten könnten. Dafür muss aber die Politik ein verlässlicher Partner sein. Und das geht aus meiner Sicht nur, wenn es eine Koalition aus höchstens zwei Fraktionen gibt. Alles andere birgt zu große Fliehkräfte in sich.

Sie sind von der SPD vorgeschlagen worden...

Krumbein... das heißt aber nicht, dass ich zu den anderen Fraktionen keinen Kontakt suchen werde. Die FDP hat mich beispielsweise zu ihrer Klausurtagung zum Haushalt eingeladen. Ich werden offen auf alle Fraktionen zugehen. So ist die Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit, Soziales und Wohnungswesen, Rita Pickardt, CDU-Mitglied. Ich habe noch keine Gelegenheit gehabt, mit ihr ein Gespräch zu führen, welche Projekte ihr wichtig sind und welche Vorstellungen sie hat. Das habe ich mir aber noch für diese Woche vorgenommen.

Eine offene Baustelle ist das Gerhard-Berting-Heim.

Krumbein Ich möchte, dass wir noch in diesem Jahr entscheiden, wie es dort weiter geht. Das geht ja auch zusammen mit den Planungen, die drei städtischen Altenzentren in eine gemeinnützige Gesellschaft auszugliedern.

Was sehen Sie noch als vordringliche Aufgabe innerhalb Ihres Ressorts?

Krumbein Die Gemeindeprüfungsanstalt hat deutlich ausgeführt, dass sie anhand von Zahlen des Landesamtes für Statistik davon ausgeht, dass Solingen schneller als andere Kommunen vom demographischen Wandel betroffen sein wird. Da müssen wir uns um viele Aspekte kümmern. Etwa den Ausbau der ambulanten Pflege. Aber wir müssen dazu ein ganzes Netzwerk schaffen. Da wird mit den Sozialverbänden zu reden sein.

Die Bürgerbüros schneiden bei den Bewertungen der Bürger immer gut ab. Da bleibt für Sie ja erstmal nichts zu tun.

Krumbein Auch ich habe gehört, dass das alles prima läuft und der Service von den Bürgern gut angenommen wird. Dort besteht ebenso wenig akuter Handlungsbedarf wie etwa für eine Anschaffung eines dritten Radarwagens. Den Kämmerer wird es ja nicht freuen, aber mit dem Kauf des zweiten Radarwagens ging die Zahl der Verstöße zurück. Und wir wollen ja schließlich mehr Verkehrssicherheit.

Die Feuerwehr schwimmt ja mittlerweile mit ihrer gemeinsamen Leitstelle mit Wuppertal in ruhigerem Fahrwasser. Werden Sie sich jetzt noch einmal aktiv in Richtung Remscheid wenden, dass diese als dritte Stadt mit ins Boot kommt?

Krumbein Dieses Thema findet in unserer Nachbarstadt derzeit wenig Akzeptanz. Ich glaube nicht, dass das vor der Kommunalwahl in Remscheid entschieden wird. Ein anderes wichtiges Thema sind für mich aber die Freiwilligen Feuerwehren. Ich weiß, dass es im Bereich vieler Wachen Bedarf gibt. Deswegen werde ich allen in der nächsten Zeit zusammen mit Feuerwehrchef Frank-Michael Fischer einen Besuch abstatten. Ich weiß zu schätzen, wie sich sowohl die Freiwilligen als auch die Mitglieder der Berufsfeuerwehr für die Menschen in dieser Stadt einsetzen.

AndreaRöhrig führte das Gespräch.

(RP)
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