Solingen: Ein bisschen wie im Fußballstadion

Solingen : Ein bisschen wie im Fußballstadion

Rund 650 Zuhörer ließen sich wieder bei Wolf Coderas "Session Possible" im alten Hauptbahnhof von den Musikern begeistern.

Statt einer Knarre hat er das Saxophon in der Hand. Düster gefährlich sieht es trotzdem aus, das Poster, das im Untergeschoss des alten Hauptbahnhofs hängt. Wolf Codera lacht, als er erzählt, wie das erste Plakat zu seiner "Session Possible" entstand. "Wir wollten das genauso machen wie zu dem Film ,Mission Impossible'", sagt der Musiker. Das war 2008.

Seitdem hat sich seine Konzertreihe in der ehemaligen Schalterhalle zu einer richtigen Kultveranstaltung entwickelt. "Ausverkauft" steht auf einem Schild im Eingangsbereich. Rund 650 Begeisterte haben sich wieder eingefunden. Und vom ersten Stück an - "Impossible" natürlich - springt der Funke direkt über aufs Publikum, lässt Füße den Takt mitklopfen oder die Köpfe zur Melodie nicken. "Das ist ein bisschen wie im Fußballstadion", schwärmt Codera vom Veranstaltungsort. In der Mitte die Bühne und drum herum stehen die Fans mit Weingläsern bewaffnet. "Da ist man mittendrin. Und besonders toll wird es, wenn die Mädels kreischen." Und Montagabend war wieder Kreischtermin, als Wolf Codera mit seinen Musikerfreunden zur "Session Possible" eingeladen hatte.

Und tolle Leute waren wieder dabei, die die wirkliche Musik für die Großen machen. Denn was nützt es, ein Star zu sein, wenn man nicht die richtigen Musiker im Rücken hat. Das Basssolo von Gregor Sonnenberg schwebt unter die Decke der Schalterhalle. In die Saiten der Gitarre greift Michael Kosho Koschorreck von den "Söhnen Mannheims". Und für den fetzigen Rhythmus am Schlagzeug sorgt Ralf Guske, der Schlagzeuger von Xavier Naidoo. Und mittendrin natürlich Wolf Codera, dessen Saxonphonklänge alles für die dicht gedrängte Menge der Zuhörer bietet: Man kann auch auf dem Instrument lachen und weinen und die ganze Bandbreite der Emotionen herüberbringen: "Hall of Fame" eben. Besonders gespannt ist man auf Esther Kim als Gaststar. Die koreanische Pianistin hat schon den legendären Auftritt der "Toten Hosen" 2005 im Wiener Burgtheater begleitet, sie hat auch mit Lionel Richie, Zucchero oder Müller-Westernhagen zusammengearbeitet. Und ihr perlendes Spiel begeistert die Fans etwa im Solo in "Treasure": fliegende Finger auf den Tasten mit einem unglaublichen Rhythmusgefühl. Hier konnte man wieder das Besondere der "Session Possible" fühlen und hören.

Die Chemie zwischen den Musikern stimmt und reißt vom ersten Takt an das Publikum mit. So braucht Sänger Sven West nur die erste Silbe mit seiner kraftvollen und einfühlsamen Stimme klingen zu lassen: "Im...". Das "possible" schmettern dann die begeisterten Zuhörer mit.

"Das ist hier schon eine ganz besondere Atmosphäre", sagt Daisiana "Daisy" Lekatompessy. "Bei den Leuten hier fühlt man sich richtig wohl." Nicht nur als Sängerin ist die Indonesierin ein wahres Temperamentbündel, das über die Bühne fegt und mit ihrer sinnlichen und starken Stimme den Raum und die Herzen füllt. Seit 2007 gehört sie zum festen Bestand von Coderas Band. Ein Job, der auch Schweiß kostet. In der Pause muss Daisy erst einmal ihre Haare föhnen.

Aber nicht nur die Töne fliegen hoch. Hoch über der wogenden Menge und den hinreißend spielenden Musiker thront Regis Noel auf dem Dach einer der alten Verkaufsbuden im Bahnhofswartesaal. "Von Anfang an bin ich fast immer dabei", sagt der Künstler aus den Güterhallen und schwingt den Pinsel. Live zum Konzert malt er seine Aquarelle. Und was da entsteht, kann man direkt an der großen Wand der Halle sehen, worauf das projiziert wird, was dem Maler gerade einfällt: etwa die Pianistin mit ihren schwingenden und swingenden langen, schwarzen Haaren über den Tasten. "Ich lasse mich da ganz vom Gefühl des Augenblicks tragen", erklärt der gebürtige Franzose mit seinem Rotweinglas auf dem Maltisch und schmunzelt: "Da habe ich keine Angst, dass es daneben gehen könnte." Da er von oben den Überblick hat, kann es auch gar nicht anders sein. Und wie immer sind seine Bilder gleich im Anschluss an das Konzert oder später in seinem Atelier zu erwerben: eine schöne Erinnerung an ein tolles Konzert mit fantastischen Musikern.

Wolf Codera trifft mit seiner Konzertreihe den Nerv. Und der Zuspruch gibt im Recht: Seit rund sechs Jahre ist "Session Possible" im alten Hauptbahnhof ein Garant für einen musikalischen Gute-Laune-Abend auf höchstem Niveau.

(RP)