Ein Besuch im Waschhaus-Museum in Weegerhof-Solingen

Serie Museumsspaziergänge : Hier dreht sich alles um die Wäsche

Mit dem Bau der Siedlung Weegerhof entstand das Waschhaus – für die Mieter damals eine deutliche Erleichterung.

„Ich fühle mich wie im Urlaub...“ Glaubt man der Anzeige aus dem Jahr 1956, die im Weegerhofer Waschhaus-Museum erhalten ist, haben Frauen damals für dieses Gefühl eher wenig gebraucht. Der vermeintliche Grund für die Freude steht im Bild neben der Frau. Es ist die neue Scharpf-Wäscheschleuder, ein weißer Zylinder, der angeblich „in zwei Minuten alle Feuchtigkeit aus der Wäsche herausschleudert“. Deswegen sitzt die Hausfrau entspannt auf einer Bank, das rechte Bein ausgestreckt, eine Zeitung in den Händen und schaut zufrieden in die Kamera.

Unehrliche und nicht mehr zeitgemäße Werbetexte hin oder her –  Wäschewaschen war noch vor wenigen Jahrzehnten ein mühsamer Job, der teilweise einige Tage in Anspruch nahm. Die kleine, mit vielen spannenden historischen Exponaten bestückte Sammlung, zeugt von einer Zeit, in der das Waschhaus die teilweise tagelange Arbeit auf wenige Stunden verkürzte. „Das Waschhaus war eine Revolution“, sagt Dagmar Thiemler vom LVR-Industriemuseum, zu dem das Waschhaus gehört.

Dagmar Thielen vom LVR-Industriemuseum kennt die Geschichten der einzelnen Exponate wie keine zweite. Foto: Viktor Marinov

Die mitgebrachten Kleidungsstücke wurden dort innerhalb von drei Stunden sauber und trocken. Mit Technik, die im eigenen Haushalt zur Verfügung stand, war das erst viel später möglich. Der Waschvorgang begann vor der Öffnung des Waschhauses für die typische Hausfrau mit dem Gang zum Brunnen, erklärt Thiemler Wasser musste geholt und erhitzt werden. Die Wäsche wurde eingeweicht und per Hand ausgewrungen. Auch nachdem die ersten Waschmaschinen auf den Markt kamen, konnten sich nur die Wohlhabenden diese Automaten leisten.

Viele Schilder sind im Waschhaus-Museum noch erhalten – dieses regelt den Gebrauch der Mangel. Foto: Viktor Marinov

Dass das Waschhaus für hunderte Mieter am Weegerhof eine Entlastung und einen Ort der Kommunikation war, ist im Museum auch heute noch dank des größtenteils erhaltenen Inventars spürbar. 1928 hat der Spar- und Bauverein Solingen das Waschhaus gebaut. Auf Waschküchen und Trockenspeicher in den Wohnungen hatte die Baugenossenschaft verzichtet, dafür schuf sie die gemeinsamen Räume, in denen die Mieter das Recht zum Waschen hatten. Bis 2005 wurde das Waschhaus für diesen Zweck benutzt.

Es sind viele Schilder erhalten, auf den die Regeln des noch bis 2005 genutzten Waschhauses festgehalten werden: Wer etwa auf die Idee kam, Leibwäsche und Schürzen durch die große Heißmangel zu jagen, wurde vom Waschmeister hart bestraft. „Mangelverbot für vier Wäschen!“, droht ein Schild. Dabei geht es nicht um eine besondere Hygienevorschrift, sondern darum, dass die kleineren Kleidungsstücke schnell in der Maschine stecken geblieben sind, erklärt Dagmar Thiemler. „Und dann konnte schnell ein Brand entstehen“, sagt sie.

Dieser Miele-Trockner musste zur Stabilisierung in den Boden einbetoniert werden. Foto: Viktor Marinov

Den Zorn des Waschmeisters wollte keiner auf sich ziehen. Er konnte nicht nur einen Mangelverbot aussprechen, sondern war auch für die strenge Aufsicht im Waschhaus zuständig. Am Eingang musste man zunächst die mitgebrachte Kleidung wiegen lassen. Der Waschmeister notierte sich das Ergebnis – denn laut Vertrag konnten die Mieter in der Siedlung nur eine bestimmte Menge waschen. Für eine vierköpfige Familie waren das 20 Kilogramm im Monat, für jedes weitere Kilo musste man 30 Pfennig bezahlen. Man kam damit aber gut hin, die Menge wurde anhand von Statistiken so berechnet, dass sie für die Mieter reichte.

Heute wäscht eine vierköpfige Familie übrigens das Vierfache. Gut, dass es ein bisschen einfacher geworden ist. Man fühlt sich fast wie im Urlaub.

Mehr von RP ONLINE