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Analyse: Ein absolutes Desaster

Analyse : Ein absolutes Desaster

Der alte Galerien-Investor hinterlässt mit dem Center-Verkauf ein Trümmerfeld. Existenzen sowie Jobs wurden vernichtet. Dazu kommt der Schaden für den Standort. Die Stadt ist von den Neu-Eigentümern abhängig. Ziel kann nur eine schnelle Wiederbelebung sein.

Die Reaktion der Solinger Stadtspitze auf den sang- und klanglosen Abgang des alten Galerien-Investors klang gestern mehr als deutlich. Sowohl Oberbürgermeister Tim Kurzbach als auch Stadtdirektor Hartmut Hoferichter übten sich nicht in sonst üblicher Zurückhaltung - und stellten CR Investment ein verheerendes Zeugnis aus.

Dabei ist die Bemerkung Hoferichters, die Immobiliengesellschaft sei "ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden", noch freundlich ausgedrückt. Denn was CR Investment nach 18 Monaten in Solingen zurücklässt, ist ein Trümmerfeld. Wohin man auch blickt: Es bleibt ein absolutes Desaster, an dem die Klingenstadt lange Zeit zu tragen haben wird. Gleichwohl bringt es nichts, zu lamentieren. Was nun gefragt ist, ist zunächst einmal eine schonungslose Analyse des Ist-Zustandes.

Also: CR Investment hat ein - wenn auch nicht supermodernes, so doch funktionierendes - Einkaufscenter binnen Jahresfrist in eine öde Leerstandswüste verwandelt. Läden, die gut gelaufen sind und die vielen Angestellten ihr Einkommen sicherten, wurden zur Aufgabe gezwungen - nur um sie gleichsam auf dem Altar eines am Ende unausgegorenen Plans zu opfern. Gerade dieser Aspekt darf bei den jetzt sicherlich beginnenden Diskussionen nicht vergessen werden. Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Es ist nicht allein ein Investor baden gegangen. Und es geht auch nicht nur um den viel beschworenen Standort. Nein, hier wurden zunächst einmal und in allererster Linie Existenzen und Arbeitsplätze vernichtet.

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Wobei zurzeit niemand weiß, ob, wann und wie diese Jobs jemals zurückkommen. Klar ist lediglich, dass Solingen als Ganzes einen immensen Schaden davonträgt. Zum einen ist die Klingenstadt in ihrer Außendarstellung bis auf die Knochen blamiert. Anstatt der Konkurrenz Wuppertal sowie Remscheid voraus zu sein, ist Solingen in Sachen Outlet abgehängt. Was jedoch noch viel schlimmer wirkt: Die Stadt steht nun mit einem leer gefegten Einkaufszentrum da, das wiederum eine zusätzliche Abwärtsspirale auslösen kann. Denn schließlich ist die Entwicklung von Hauptstraße und Kölner Straße von den Galerien abhängig.

Womit wir bei der Zukunft sind. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Stadt, Politik und Handel sind bis auf Weiteres auf Gedeih und Verderb von den neuen Eigentümern abhängig. Und zur Wahrheit gehört in diesem Zusammenhang auch, dass niemand genau weiß, was die Schweizer mit ihrer Solinger Immobilie vorhaben. Am Ende wissen es vielleicht noch nicht einmal die Eidgenossen selbst. Zwar haben sie wohl signalisiert, die Outlet-Pläne weiter verfolgen zu wollen. Aber man sollte nicht vergessen, dass die Privatinvestoren von CR Investment ein ganzes Immobilien-Portfolio erworben haben, in dem die Galerien möglicherweise nur ein kleiner Baustein sind - wenn überhaupt.

Natürlich ist es gut, dass die Stadt jetzt schnell mit den Schweizern ins Gespräch kommen will. Und selbstverständlich gilt es überdies, "nach vorne zu blicken", wie Stadtdirektor Hoferichter betonte. Parallel dazu dürfen die Erwartungen jedoch nicht zu hoch sein. Die bittere Lektion, die man in Solingen nach O-Quartier und Galerien gelernt haben sollte, ist: Das Sagen haben leider vor allem die Eigentümer.

Das wichtigste ist, dass - so schnell es geht - wieder Leben in die Galerien kommt. Immerhin leiden die verbliebenen Firmen wie das Kino Lumen unter der Leere. Große Pläne wie ein Outlet sind jetzt jedenfalls erst mal nicht die Ultima Ratio. Wie solche Vorhaben bisweilen enden, hat man ja gesehen.

(or)